Die Pharmafirma Cosmo bringt eine irische Tochtergesellschaft in den US-Konzern Salix ein. Die an der Schweizer Börse kotierte Cosmo mit Sitz in Lainate bei Mailand erhält im Gegenzug ein Aktienpaket von Salix im Wert von rund 2,7 Milliarden Dollar.

Konkret läuft der Deal so ab, dass Salix in die irische «Cosmo Technologies» hineinfusioniert und Cosmo am fusionierten Unternehmen einen Anteil von rund 20 Prozent erhält, wie die Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Die restlichen Anteile gehen an die Aktionäre des Salix-Konzerns, der an der US-Börse Nasdaq notiert bleibt.

Gesamte Cosmo-Gruppe 2,5 Milliarden Franken wert

«Geld fliesst bei der Transaktion keines», sagte Cosmo-Finanzchef Chris Tanner gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP. «Wir erhalten aber im Gegenzug 19,2 Millionen Aktien an der neuen Salix, was beim aktuellen Börsenkurs einem Wert von gut 2,7 Milliarden Dollar entspricht. Damit sind wir der grösste Aktionär von Salix.»

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Zum Vergleich: Die ganze Cosmo-Gruppe ist derzeit an der Schweizer Börse 2,5 Milliarden Franken wert. Die Aktie reagierte auf die Pläne am Vormittag mit einem Kurssprung von über 10 Prozent. Schon in den letzten Monaten hatte der Titel stark an Wert zugelegt.

Cosmo kann in der neuen Salix einen Verwaltungsrat stellen, muss sich aber während mindestens zehn Jahren «gewissen Stillhalteregelungen« unterwerfen. Mit den Salix-Aktien kann sie also wohl kaum sofort Kasse machen. Für den VR-Sitz vorgesehen ist Cosmo-Chef Alessandro Delle Chà. Für Salix-CEO Carolyn Logan ergibt der Schritt «in strategischer und finanzieller Hinsicht viel Sinn«. Zudem kann Salix mit der Wandlung zu einem irischen Konzern Steuern sparen.

Irland ist für viele US-Konzerne zum beliebten Steuerstandort geworden. Ob dabei gegen EU-Beihilferegeln verstossen wird, ist Gegenstand einer laufenden Untersuchung der EU-Kommission am Beispiel von Apple.

Irland lockt mit ordentlichen Gewinnsteuersätzen von 12,5 Prozent, in den USA betragen diese 35 Prozent. Die irische Regierung weibelt intensiv: So hat in den letzten Wochen unter anderem der texanische Ölförderdienstleister Weatherford den Umzug von Zug nach Irland angekündigt.

Der US-Medizinaltechnikkonzern Medtronic will den Sitz ebenfalls auf die Insel verlegen und dazu für 42,9 Milliarden Dollar den irischen Konkurrenten Covidien kaufen. Der US-Pharmariese AbbVie hat seine Übernahmeofferte für den britisch-irischen Rivalen Shire am Dienstag auf umgerechnet 46 Milliarden Franken erhöht.

Konzerne ergänzen sich

Salix macht bei dem Deal mit Cosmo aber auch operative Motive geltend. Beide Firmen entwickeln und vermarkten hauptsächlich Medikamente zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen. Die irische Tochterfirma ist für Salix interessant, weil sie die US-Patente für die Medikamente Uceris, Rifamycin und Methylene Blau besitzt. Dazu kommen einige weitere Länderpatente, unter anderem jenes für Uceris in Japan.

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«Salix besitzt schon heute eine Lizenz für das Medikament Uceris für den US-Markt«, sagte Cosmo-Finanzchef Tanner. «Weil sich die Verkäufe gut entwickelt haben, hätte Salix gerne die ganze Cosmo-Gruppe übernommen. Das kam für uns nicht in Frage.»

Cosmo werde die Produkte, deren US-Rechte Salix übernimmt, weiterhin exklusiv herstellen und erhalte dafür fortan 5 Prozent des Nettoverkaufswerts. 2015 winken zudem laut Tanner weitere erfolgsabhängige Zahlungen über 42 Millionen Dollar.

(awp/me/sim)