«Der Deal ist in allen Punkten sinnvoll.» Novartis-Chef Joe Jimenez ist in der Telefonkonferenz zu den heute publik gemachten Milliardentransaktionen geradezu euphorisch. Muss er auch, denn wenige Augenblicke später rechnet Finanzchef Harry Kirsch die Details vor: «Unter dem Strich verbessert sich unsere Profitabilität um 2,5 Basispunkte.»

Im Detail: Während sich der Umsatz des «neuen» Portfolios in einer Ist-Aufnahme von 57,3 auf 53,5 Milliarden Dollar verringert, steigt der theoretische Gewinn von 14,2 auf 14,6 Milliarden Dollar.

Die Eckdaten der Transaktionen sind eindrücklich: Bis zu 16 Milliarden Dollar blättert der Basler Pharamriese für die Onkologiesparte von GlaxoSmithKline (GSK) auf den Tisch – und nimmt im Gegenzug durch die Devestition der Tiergesundheitssparte (5,4 Milliarden an Eli Lilly) und des Impfstoffgeschäfts (5,3 Milliarden Dollar an GSK) kräftig ein. «Wir benötigen netto maximal 7,6 Milliarden Dollar», so Kirsch – werden vereinbarte Meilensteine nicht erreicht, so könnten es auch «lediglich» 6,1 Milliarden sein.

Fragezeichen hinter dem Kaufpreis

Die genannten Preise werden unterschiedlich kommentiert, doch das wohl ehrlichste Urteil wird an der Börse gesprochen: Die Aktien von Novartis werden nach knapp zwei Handelsstunden mit einem satten Plus von 2,5 Prozent gehandelt – was soviel bedeutet, dass die Investoren hinter dem Hin- und Hergeschiebe der Sparten den Worten von Novartis-Chef Jimenez folgen und einen Sinn erkennen.

Klar ist, dass die Basler für bereits lange Zeit bekannte Problemkinder (sprich: tiefmargige) Abnehmer gefunden haben. Dennoch wird der Umfang der Transaktionen unisono als «sehr überraschend» betitelt. Was für Jimenez einen «historischen Wendepunkt in der Novartis-Geschichte» darstellt, wird von Analystenseite kritisch hinterfragt: So setzt die Bank Notenstein hinter den Kaufpreis der GSK-Onkologie von mindestens 14,5 Milliarden Dollar (weitere 1,5 Millionen werden bei Erreichen von Meilensteinen fällig) «ein gewisses Fragezeichen».

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Für die Bank of America Merrill Lynch ist der Preis schlicht zu hoch. Der Analyst argumentiert mit dem Blick auf das Spitzenumsatzpotenzial im Jahr 2023 von geschätzten drei Milliarden Dollar für die übernommenen Produkte.

Fokussierung auf Kernbereiche

Die Portfolio-Verschiebungen sind ein weiterer Mosaikstein in der Bereinigung der Pharmabranche: Nur wer in einzelnen Therapiegebieten wirklich im Konzert der ganz Grossen mitspielen kann, tut dies mit genügender Profitabilität. Kommt hinzu, dass die günstigeren Nachahmerpräparate (Generika) punkto Wachstum den alteingesessenen Platzhirschen seit geraumer Zeit den Rang ablaufen.

«Big Pharma» steht unter Druck, durch echte Innovationen einen Mehrwert generieren zu können. Denn Gesundheitsbehörden sind im Zuge der stetig steigenden Kosten bei der Zulassung von neuen Medikamenten und Wirkstoffen äusserst restriktiv geworden.

Novartis fokussiert sich nun mit der Onkologie, der Augenheilkunde und Generika (insbesondere über die Tochter Sandoz) auf Gebiete, in denen die Basler an der Weltspitze mitspielen.

(mit Material der Agentur sda)