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Übernahme
Milliardenkauf in den USA: Roche baut Portfolio aus

Roche-Tower in Basel im Bau: Der Konzern stellt auch seine Struktur neu auf.   Keystone

Roche übernimmt das kalifornische Unternehmen Intermune für über acht Milliarden Dollar. Es ist der grösste Zukauf seit fünf Jahren. Grund dafür sind überzeugende Daten von einem wichtigen Medikament.

Veröffentlicht am 24.08.2014

Der Pharmakonzern Roche übernimmt das US-Biotechnologieunternehmen Intermune für 74 Dollar pro Aktie, was einem Transaktionsvolumen von 8,3 Milliarden Dollar entspricht. Der Preis entspreche einem Aufschlag gegenüber dem Schlusspreis vom 22. August von 38 Prozent, teilt Roche am Sonntagabend mit und verweist auf eine definitive Vereinbarung. Der Zusammenschluss sei bereits von beiden Verwaltungsräten abgesegnet worden. Es ist der grösste Zukauf von Roche seit 2009, als die Schweizer den verbliebenen Anteil am US-Konzern Genentech für rund 47 Milliarden Dollar erwarben.

«Wir sind sehr froh, dass wir eine Übereinkunft mit Intermune erzielen konnten», lässt sich Roche-CEO Severin Schwab zitieren. Das Angebot offeriere den Aktionären von Intermune einen signifikanten Mehrwert. Gleichzeitig profitiere Roche vom Zusammenschluss. Roche geht davon aus, dass die Transaktion noch im laufenden Jahr abgeschlossen sein wird.

Wichtige Ergänzung im Portfolio

Intermune galt bereits als Übernahmekandidat. Zuletzt war aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen verlautet, dass grössere Arzneimittelhersteller Interesse angemeldet hätten und die Firma daher Finanzberater engagiert habe. Hintergrund sind gute Aussichten für das vielversprechende Lungenmittel Pirfenidone, dem Branchenexperten in einigen Jahren Umsätze von bis zu einer Milliarde Dollar zutrauen. Es hat bereits Zulassungen für Europa und Kanada erhalten. Roche erwartet, dass das Medikament nach Prüfung der Arzneimittelaufsicht FDA noch in diesem Jahr in den USA auf den Markt kommt.

Pirfenidone bedeutet eine wichtige Portfolio-Ergänzung für den Schweizer Konzern, der Weltmarktführer bei Krebsmitteln ist. Roche hat zwar bereits andere Atemwegs-Medikamente im Angebot und in der Entwicklung. Aber in den Bemühungen, sich auch ausserhalb der Krebsmedizin stärker zu etablieren, gab es in den vergangenen Jahren mitunter Rückschläge.

Kaufangebot von Roche bis zum 29. August

Das Abkommen sieht vor, dass Roche bis am 29. August ein öffentliches Kaufangebot für alle ausstehenden Aktien von Intermune macht. Intermune hingegen wird seinen Aktionären die Annahme des Angebots empfehlen. Es werde erwartet, dass die Transaktion neutral für die Kerngewinne pro Aktie im nächsten Jahr sei, ab 2016 werde dann mit einem Beitrag gerechnet, heisst es weiter.

Intermune konzentriert sich vor allem auf die Forschung, Entwicklung und Kommerzialisierung von innovativen Therapien bei pulmonalen und fibrotischen Erkrankungen. Das wichtigste Medikament Pirfenidone ist bereits in der EU und Kanada für die Behandlung von idiopathischer Lungenfibrose (IPF) zugelassen und wird derzeit von der zuständigen Arzneimittelbehörde in den USA geprüft. IPF ist eine fortschreitende, unheilbare und schliesslich tödliche Erkrankung.

Die mediane Lebenserwartung nach der Diagnose betrage noch zwei bis drei Jahre, sagte Daniel O'Day, Pharma-Chef (COO) von Roche, am Sonntagabend an einer Telefonkonferenz. «An Intermune haben vor allem die klinischen Testergebnisse aus der dieses Jahr veröffentlichen ASCEND-Studie für Pirfenidon, aber auch aus vorhergehender Studien überzeugt», so O'Day weiter. Pirfenidon senke gemäss den Studien das Todesfallrisiko im ersten Jahr um fast die Hälfte. An IPF sind in den USA und in Europa je rund 100'000 Menschen erkrankt.

Fusionsfieber in der Pharmabranche

Dem Kauf von Intermune könnten weitere Zukäufe durch Roche folgen. Der japanische Pharmakonzern Chugai hatte zuletzt einen Medienbericht zurückgewiesen, wonach Roche für zehn Milliarden Dollar die restlichen Chugai-Anteile übernehmen will. Roche-Chef Severin Schwan wollte sich nun nicht dazu äussern.

In der internationalen Pharmaindustrie grassiert derzeit das Fusionsfieber so stark wie nie zuvor. In diesem Jahr gab es nach Daten von Thomson Reuters bislang Transaktionen im Volumen von 346 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr waren es bis dato nur 212 Milliarden. 

(awp/reuters/sda/dbe/me)

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