Mit dem medialen Grossereignis namens Facebook ist dieser Börsengang natürlich nicht vergleichbar - und dennoch gehen in der deutschen Finanzwelt alle Blick derzeit nach Essen. Dort hat der Spezialchemiekonzern Evonik alles für das grösste deutsche IPO seit Jahren vorbereitet - doch die Hängepartie geht weiter.

«Jetzt schaut alles gebannt auf die politische Krise in Griechenland und die Auswirkungen auf die Märkte», beschreibt «Welt Online» die Stimmung. Wenn sich das Klima zu sehr verschlechtere, könnte der für Ende Juni oder Anfang Juli geplante Börsengang erneut abgesagt werden. «Bisher sieht es unter dem Strich noch gut aus, aber das kann sich von Tag zu Tag ändern», liess sich ein Insider zitieren.

Gemäss der deutschen Ausgabe des «Wall Street Journal» wolle das Kuratorium der RAG-Stiftung am Montag darüber entscheiden, ob die Vorbereitungen für den Börsengang des Spezialchemiekonzerns Evonik «in die heisse Phase treten sollen». Der Zeitplan für den Börsengang stehe, die Prospekte seien praktisch fertig, schreibt «Welt Online».

Anzeige

«Wir sind technisch, wirtschaftlich und von der Story her startklar, aber auf den Knopf drücken müssen unsere Eigentümer», sagte Evonik-Chef Klaus Engel bereits Mitte März. Angesichts der Unsicherheiten um Griechenland spreche gemäss verschiedenen Medienberichten inzwischen aber wieder vieles dafür, dass auch am Montag keine endgültige Entscheidung fallen wird.

Evonik ist mit der Frage des richtigen Timings nicht allein: Auch bei Rheinmetall erhielten die Ambitionen für einen Börsengang der Autosparte am Donnerstag einen Dämpfer - die Pläne, KSPG, die ehemalige Kolbenschmidt Pierburg, an die Börse zu bringen, wurden vorerst sistiert. «Wir nehmen uns angesichts der derzeit unsicheren europäischen Märkte alle zur Verfügung stehende Flexibilität, um vor der Sommerpause einen Börsengang von KSPG durchzuführen», äussert sich ein Rheinmetall-Sprecher auf «Welt Online».

Die Vorsicht ist berechtigt: Von den vergangenen 30 deutschen IPO notieren jetzt nur noch fünf Aktien im Plus. Einen solchen Misserfolg wollen sich die Börsenaspiranten ersparen. «Ausserdem wollen die Alteigentümer das Unternehmen nicht unter Preis an die Börse bringen», so der Bericht.

Bei Evonik ist zudem die Bundesregierung, die mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im Kuratorium des Mischkonzerns vertreten ist, hochgradig an einem Erfolg interessiert. Aus den Erlösen des Börsengangs sollen nämlich die Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus etwa für das Abpumpen von Wasser in den Abbaugebieten dauerhaft bezahlt werden.

(vst)