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Milliardenverlust: JPMorgan Chase räumt Fehler ein

Mittlerweile beschäftigt sich US-Börsenaufsicht SEC mit dem Spekulationsverlust bei JPMorgan. (Bild: Keystone)

Nach dem Milliardenverlust durch Fehlspekulationen gerät JPMorgan Chase weiter unter Druck. Nach der Abstufung durch Fitch kritisiert eine weitere US-Ratingagentur die Risikovorsorge der US-Grossbank.

Veröffentlicht am 13.05.2012

Die US-Ratingagentur Fitch senkte am Freitag die Kreditwürdigkeit des Instituts um eine Stufe von «AA-» auf «A+».  Auch Standard & Poor's reagierte und senkte den Ausblick von JPMorgan auf «negativ», wobei sie ihre Bewertung aber beibehielt.

Überdies gab es Spekulationen über Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC in dem Fall. Nach Angaben von Fitch ist der Verlust der Bank zwar handhabbar, gibt aber trotzdem Anlass zur Sorge um deren Stabilität.

Zudem stellte die Agentur das Risikomanagement der Bank in Frage. Eine weitere Herabstufung der Bonität sei möglich, warnte Fitch. Standard & Poor's monierte, der Verlust stehe im Widerspruch zu den Vorschriften zur Risikovorsorge bei JPMorgan Chase.

Das Bankhaus hatte den binnen sechs Wochen eingefahrenen Verlust am Donnerstag zugeben müssen. Grund waren Fehlspekulationen der Investmentabteilung mit Kreditausfallversicherungen. Solche Versicherungen standen auch im Mittelpunkt der Finanzkrise des Jahres 2008.

Durch diese war JPMorgan Chase ohne staatliche Hilfe gekommen. Für den nun eingefahrenen Verlust soll angeblich ein französischer Händler in London der Hauptverantwortliche sein.

Bankchef gesteht Fehler ein

Bankchef Jamie Dimon führte den Verlust am Donnerstag auf eigenes Verschulden des Instituts zurück. Demnach machte die Investmentabteilung «unerhörte Fehler».

«Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen», sagte Dimon. Der Bankchef gehört zu den schärfsten Kritikern von Plänen der US-Regierung, den Eigenhandel der Banken mit Kreditausfallversicherungen stark einzuschränken.

Der demokratische US-Senator Carl Levin, der die Bankenregulierung zusammen mit dem früheren Notenbankchef Paul Volcker ausgearbeitet hatte, forderte nun eine Befassung der US-Börsenaufsicht SEC mit dem Fall. Diese schaltete sich nach Angaben der US-Tageszeitung «New York Times» bereits ein.

UBS und Société Générale getroffen

Der Fall ähnelt den spektakulären Verlusten, die einzelne Händler bei anderen Grossbanken verursacht haben sollen. Der einstige Händler Jérôme Kerviel hatte der französischen Société Générale einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingebrockt.

Deshalb wurde er im Oktober 2010 zu fünf Jahren Haft und einer ebenso hohen Rekordbusse verurteilt.

Der frühere UBS-Investmentbanker Kweku Adoboli ist in London angeklagt, weil er der Schweizer Grossbank mit Fehlspekulationen einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar beschert haben soll.

Die Aktie von JPMorgan Chase verlor an der New Yorker Börse am Freitag 9,3 Prozent an Wert. Sie schloss bei 36,96 Dollar. Der Wert der Bank verringerte sich damit um etwa 14 Milliarden Dollar.

(aho/sda)

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