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Prozess
Milliardenverlust: Libyen klagt gegen Goldman Sachs

Saif Gaddafi: Beauftragte Goldman Sachs.   Keystone

Die Finanzindustrie riss sich jahrelang um Libyens Ölmilliarden. Nun ist das angelegte Vermögen kaum mehr etwas wert. Tripolis prozessiert jetzt gegen Finanzgiganten Goldman – und eine weitere Bank.

Von Christian Bütikofer
am 25.08.2014

Die Monate Oktober und November werden spannend in London. Denn gleich zwei verschiedene Prozesse werden sich schon bald mit den Milliardenverlusten des libyschen Staatsfonds beschäftigen, wie das «Wall Street Journal» schreibt.

Der libysche Staat will sich gegen zwei internationale Grossbanken zur Wehr setzen. Tripolis behauptet, Goldman Sachs habe dem Landesfonds mit hochspekulativen Anlagen einen Milliardenverlust eingefahren, selbst aber 350 Millionen Dollar Kommissionen kassiert. Im zweiten Prozess klagt der Staat gegen die französische Bank Société Générale unter anderem wegen Bestechung in Millionenhöhe.

Goldrausch im September 2003

Mit dem Prozess könnten die hohen Gewinnerwartungen für die beiden Banken zu einem Bumerang werden. Dabei herrschte in der Finanzbranche vor gut zehn Jahren noch Goldgräberstimmung: Im September 2003 liess die Weltgemeinschaft über die Uno Sanktionen gegen Libyen fallen. Das Land sass auf über 60 Milliarden Dollar Erdölgewinnen, die nun an den internationalen Märkten investiert werden konnten.

2006 beauftragte der damalige Diktator Muammar al-Gaddafi seinen Sohn Saif damit, Dutzende Milliarden Dollar der Zentralbank über den libyschen Staatsfonds «Libyan Investment Authority» (LIA) anzulegen. Saif kontaktierte daraufhin Landsmann und Goldman-Sachs-Investmentbanker Tarek Ben Halim in London und bat ihn, Libyens Finanzmarkt zu modernisieren. So startete die Partnerschaft zwischen Goldman Sachs und Gaddafi.

Geschenke und Ferien

Kurze Zeit darauf standen laut dem Medienbericht zwei Goldman-Sachs-Banker, Youssef Kabbaj und Driss Ben-Brahim, in Tripolis auf der Matte und bekamen vollen Zugang zur LIA. Sie und ihr Umfeld investierten 1,8 Milliarden Dollar in offenbar spekulative Finanzanlagen. Die Mitarbeiter von LIA wurden laut «Wall Street Journal» mit Geschenken und Ferientrips nach Marokko bei Laune gehalten.

Dann jedoch kam die Finanzkrise und die von Goldman Sachs getätigten Investitionen verloren drastisch an Bedeutung: Ende 2008 waren die ursprünglich 1,8 Milliarden Dollar nur noch kümmerliche 25 Millionen wert. Die Libyer tobten, die zwei Goldman-Sachs-Banker Kabbaj und Ben-Brahim flohen ausser Landes.

Schaden wird zur Chefsache

Um das Verhältnis wieder zu kitten, soll das Libyen-Problem bei den US-Investmentbankern zur Chefsache erhoben worden sein: Sowohl Lloyd Blankenfein als auch Europachef Michael Sherwood bemühten sich um Schadensbegrenzung, man offerierte der LIA laut Bericht sogar eine Beteiligung von 3,7 Milliarden Dollar.

Auch die französische Bank Société Générale soll die Gunst des Gaddafi-Clans einiges gekostet haben. Gegen 60 Millionen Dollar hat das Institut laut den Gerichtsakten in London dem Gaddafi-Umfeld über die Panama-Firma Leinada an Bestechungsgeldern offenbar zugeschanzt. LIA klagte darüber hinaus die Franzosen wegen Anlageverlusten in der Höhe von 1,5 Milliarden Dollar ein.

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