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Devisenspekulation
Millionenbetrug in der Schweiz, 25 Jahre Gefängnis in USA

Langjährige Haftstrafen für Jason Beckman (m.), Gerald Durand (l.) und Patrick Kiley. (Bild: StarTribune/Montage HZ)

700 Opfer, dreistelliger Millionenschaden durch Forex-Geschäfte: Drei Finanz-«Berater» erwarten in den USA langjährige Haftstrafen. Für ihr Betrugsmodell operierten sie aus der Schweiz.

Von Christian Bütikofer
am 14.06.2012

Jason «Bo» Beckman (42) sowie seine zwei Partner Gerald Durand (61) und Patrick Kiley (73) wurden gleich nach dem Verdikt des Geschworenengerichts in Minneapolis am Dienstag in Haft genommen, auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Es besteht Fluchtgefahr, denn die drei erwarten derart lange Haftstrafen, dass sie einer lebenslänglichen Verurteilung gleichkommen.

Luxusjacht samt Striptease-Bühne

Die Geschworenen befanden sie in allen Punkten für schuldig. Sie alle wurden unter anderem wegen mehrfachen Betrugs sowie der Geldwäscherei angeklagt. Der Kopf der Bande, Trevor Cook, erhielt bereits 2010 eine Strafe von 25 Jahren Gefängnis. Als ihn die amerikanische Finanzmarktaufsicht SEC im Jahr 2009 hochnahm, trafen die Beamten auf eine eindrückliche Sammlung: Der damals 37-Jährige hortete über 10 Luxusautos, besass eine Insel in Kanada, ein Unterseeboot mit Platz für zwei Personen, eine 60-Meter-Jacht samt Striptease-Plattform und eine pompöse Privatresidenz in Minneapolis.

Bekifft Millionen Dollar eingesammelt

Die Finanzspezialisten sammelten à la Madoff-Schneeballsystem in den USA bei mehr als 720 Opfern über 194 Millionen Dollar ein und behaupteten, damit lukrative Devisengeschäfte anzubahnen.

Gegen aussen präsentierten sich die Financiers als bodenständig. In ihrem Hauptquartier gings aber ganz anders zur Sache: Trevor Cook stellte eine Ex-Stripperin als Sekretärin an. Sie war vor allem damit beschäftigt, für sein «persönliches Wohl» zu sorgen und Alkohol zu kaufen. Während den Geschäftszeiten tranken die Angestellten Bier und rauchten Marihuana. Nach getaner Arbeit liess man regelmässig Prostituierte kommen und feierte die Nacht durch. Am nächsten Tag war dann oft nicht das Geschäft ein Problem, sondern der Hangover.

Die Truppe belog ihre Kunden über ihre fachliche Qualifikation, gab gefälschte Gewinnzahlen ab und seifte die Opfer mit schönfärberischen Prospekten ein. Werbung wurde auf CNBC geschaltet und VIP-Events besucht, um neue Geldquellen anzuzapfen. Über eine eigene Radioshow mit Namen «Follow the Money» kauften sie in den USA bei über 200 Radiostation Sendezeit und sammelten so bevorzugt in christlichen Zirkeln Gelder ein - es winkten garantierte «risikolose» Gewinne im zweistelligen Bereich.

Name der UBS missbraucht

Ab 2005 operierte die Beckman-Cook-Gruppe unter diversen Namensvariationen ihrer «Universal Brokerage Services». Obwohl sie mit der Schweizer UBS AG in keinerlei Geschäftsverbindung standen, benutzten sie gerne die Abkürzung «UBS». 2007 leitete die Grossbank deshalb gegen die Gruppe eine Markenschutz-Klage ein.

Darauf hörte die Gruppe mit der UBS-Masche auf, setzte aber ihr Treiben fortan unter Namen wie «Oxford Global Advisors and Universal Brokerage FX (UBFX)» fort und war im Internet mit der Website www.theoxfordpcg.com unterwegs.

Die Devisenspekulationen über diverse Forex-Händler liefen schlecht, die Verluste türmten sich. Doch beim Geldsammeln rollte der Rubel: Ende Juli 2008 verwaltete die Gruppe bereits 117 Millionen Dollar an Kundengeldern. Bis Juli 2009 kamen nochmals mindestens 74 Millionen Dollar hinzu. Etwa 52 Millionen Dollar wurden den Opfern ausbezahlt, um fiktive Gewinne auszuweisen. 68 Millionen Dollar verschwanden als Verluste aufgrund von Spekulationen und mindestens 30 Millionen verbrannten die Hintermänner für ihre persönlichen Aufwendungen und anderen Investments.

Zentrale Vehikel in der Schweiz

Zentral für die Forex-Spekulationen war die Schweiz. Bei der JDFX-Gruppe, zu der neben Niederlassungen auf exotischen Inseln die Zuger JDFX Holding und die Zürcher JDFX Technologies gehörten, verspekulierten die Täter mindestens 38 Millionen Dollar. Den Opfern wurde weisgemacht, die JDFX verfüge über intelligente Computersoftware, mit deren Hilfe man «ungünstige» Kursentwicklungen kontern könne. Wenige Tage nach der erwähnten SEC-Meldung ging das JDFX-Konstrukt Konkurs.

Diese Affäre dürfte damit jedoch noch nicht beendet sein. Wie die «StarTribune» berichtet, verschwanden in JDFX-Konstrukten mindestens 15 Millionen Dollar spurlos. Nun machen sich spezialisierte Anwälte daran, diese Schwarzen Löcher aufzuspüren. Von besonderem Interesse ist dabei JDFX-Gründer und Inhaber James Pieron, der in Genf auch noch das Bademode-Luxuslabel «Kompliqué» betreibt. Ferner interessieren sich die Anwälte für die Tradingfirma JP Fund Services in Nyon, die Capricorn Asset Management aus Zürich und den deutschen Panama-Spezialisten Holger Bauchinger.

Neben der JDFX spielte im Betrugssystem eine weitere Firma eine Rolle: Auch in den Kanton Jura expandierte die Gruppe - zur Crown Forex mit CEO Shadi Swais aus Jordanien und Hauptkonten bei der Credit Suisse. Dort wurden wieder zweistellige Millionenbeträge in Forexspekulationen versenkt.

Den Anlegern wurde vorgegaukelt, die Crown Forex würde Geschäfte nach der Scharia tätigen. Und weil nach islamischem Gesetz für Geldgeschäfte keine Zinsen verlangt werden dürften, wären Investitionen über Crown Forex besonders lukrativ. Die Crown Forex arbeitete nie nach islamischen Finanzstandards.

Den Opfern erklärten die Täter jedoch nicht, dass sie nicht nur über die Crown Forex Devisengeschäfte vornahmen, sondern dort auch Mehrheitsbeteiligte waren. Und dies, obwohl die Crown in einem desolaten Zustand war.

Millionen an Büchern vorbei transferiert

Bereits am 27. Februar 2008 erhielt die Gruppe um Cook und Beckman zu Crown Forex einen Bericht von Felix Tschopp. Er war auch Verwaltungsrat der JDFX Holding. Tschopp schrieb den Amerikanern, dass von der Crown Millionen von Franken abgezügelt wurden, was in den Büchern nicht dokumentiert wurde. Es scheine, dass dahinter Absicht bestanden habe, informierte Tschopp. Er warnte auch vor einem Schuldenberg von mindestens 14 Millionen Franken. Wenige Monate später gab Tschopp sein Mandat in der JDFX Holding ab.

Der Truppe um Cook und Beckman waren die schummrigen Geschäfte der Crown Forex herzlich egal. Sie sammelten über die jurassische Firma weiter munter Gelder für ihre «sicheren» Einlagen. Zudem richteten sie in den USA Konti auf eine «Crown Forex LLC» ein und spielten den Opfern vor, diese Konti gehörten der Schweizer AG, sie müssten das Geld für die Crown Forex SA aufs Konto der LLC einzahlen. Auch dies gehörte zur Betrugsmasche.

Investment in NHL-Club

Während diesen Täuschungsmanövern wagte sich Jason «Bo» Beckman an eine neue Aufgabe heran: Er wollte ins NHL-Eishockeyteam Minnesota Wild einige der ergaunerten Millionen investieren. In Tat und Wahrheit versuchte er auch dort, den Club zu schädigen. Einer Überprüfung durch die Wirtschaftsdetektive von Kroll hielt sein Luftgebäude nicht stand.

Finma bemerkte Ponzi-Masche nicht

Am 27. Mai 2009 erhielt Jason Beckmann dann Post von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Man habe die Crown Forex in Konkurs geschickt, beschied man dem Amerikaner - die Forex-Geschäfte der Crown waren in der Schweiz illegal. Zwei Tage später wurde dieser Entscheid im Schweizerischen Handelsamtsblatt publiziert.

Die Finma erstellte einen 108-seitigen Bericht, bemerkte aber vom international angelegten Ponzi-System von Trevor Cook und Jason Beckman nichts. So ist im Dokument etwa zu lesen: «Es wäre übereilt, den Schluss zu ziehen, dass Trevor Cook die Crown Forex zu seinen persönlichen Vorteil missbraucht. Das ändert aber nichts daran, dass seine Rolle in der Firma alles andere als klar ist.»

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