Das Solarunternehmen Meyer Burger will sein Restrukturierungsprogramm beschleunigen um weitere Effizienzsteigerungen und eine Reduktion der operativen Kosten um rund 30 Millionen Franken erreichen. Das Unternehmen geht davon aus, im laufenden Jahr 2012 einen Umsatz von leicht über 600 Millionen Franken zu erzielen und auf Stufe Betriebsgewinn (Ebitda) einen Verlust von 20 bis 40 Millionen Franken zu erwirtschaften, wie das Unternehmen mitteilte.

Die weiteren Restrukturierungsmassnahmen werden bei Roth und Rau in Deutschland voraussichtlich zu einem Abbau von 50 Stellen führen. An anderen Standorten weltweit würden Optimierungsmassnahmen und Kapazitätsanpassungen vorgenommen, die voraussichtlich zu einer Personalreduktion von rund 200 Stellen führen würden. Welche einzelnen Gruppengesellschaften und Länder davon betroffen sind, könne zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bezeichnet werden.

Ausgeglichenes Ergebnis angepeilt

In Zukunft strebt die Gruppe einen Personalbestand von rund 2'000 Mitarbeitenden an. Damit verfüge man über die notwendigen Strukturen, um «rasch, flexibel, kosten- und kundenorientiert auf sich verändernde Marktgegebenheiten reagieren zu können», heisst es weiter. Mit den Massnahmen wolle Meyer Burger seine Break-Even-Schwelle beim Ebitda reduzieren und in Zukunft bei einer Umsatzgrösse wie im 2012 auf Stufe Ebitda ein ausgeglichenes Ergebnis ausweisen.

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Dennoch will Meyer Burger die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in der Photovoltaik fortsetzen und seinen Technologie-Vorsprung wie auch die Prozessintegration zwischen Wafer-, Zell- und Modultechnologie ausbauen. «Verschiedene Projektgespräche mit Kunden bestärken Meyer Burger in ihrer Überzeugung, dass die langfristigen Perspektiven der Photovoltaik weiterhin positiv sind», heisst es.

Wann jedoch diese Projektgespräche in Neuaufträgen münden würden und wann die derzeit noch bestehenden Überkapazitäten bei Solarzell- und Modulherstellern abgebaut seien, sei nach wie vor schwierig zu beurteilen. Die Visibilität im gesamten Markt sieht Meyer Burger daher als «äusserst begrenzt» an.

Aktie taucht - Analysten stellen Frage der Liquidität

Die Aktien sind nach dieser Meldung stark unter Druck geraten. Analysten zufolge stellt sich die Frage nach der Liquidität, um die Krise durchzustehen; es könnte daher eine Kapitalerhöhung erforderlich werden. Kurz nach 10 Uhr lag die Aktie bei vergleichsweise hohen Volumen mit 7,9 Prozent im Minus bei 6,20 Franken. Der Titel erholte sich danach wieder leicht.

Seit Jahresbeginn haben die Papiere rund die Hälfte an Wert eingebüsst. Auf dem Höhepunkt des Solarbooms hatten die Papiere im Sommer 2011 gar fast 44 Franken gekostet.

Vor dem Hintergrund der heutigen «Bad News» stelle sich die Frage nach der Liquidität von Meyer Burger, meint die Bank Vontobel. Diese dürfte bis Ende 2013 sehr stark einbrechen, denn auf der Basis der neuen Prognose für das laufende Geschäftsjahr lasse sich ein Nettoverlust von 80 bis 90 Millionen Franken erahnen.

Daher könnten in den kommenden 6 bis 12 Monaten Kapitalerhöhungen erforderlich sein. Die gleiche Befürchtung hegt die UBS, wenngleich sie auf den Nettobestand an flüssigen Mitteln in Höhe von 104 Millionen Franken zur Jahresmitte verweist.

(vst/aho/sda)

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