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Mindestens 70 UBS-Leute in Libor-Affäre verstrickt

«Die Manipulation von Eingaben war Routine, weitverbreitet und wurde gebilligt.»(Bild: Keystone)

Bei der UBS waren etwa 40 Personen direkt in Zins-Manipulationen involviert. Doch der Kreis von Mitwissenden innerhalb der Bank ist grösser. Ausserdem schmierten UBS-Händler externe Broker.

Von Timo Nowack
am 19.12.2012

Rund drei Dutzend Banker und Manager der UBS sind in den Libor-Skandal bei der Bank verwickelt - davon gingen Medienberichte noch am Dienstag aus. Einen Tag später zeigt sich: Es sind deutlich mehr.

Aufschluss gibt der Bericht der britischen Financial Services Authority (FSA), der zur Einigung der UBS mit Aufsichtsbehörden aus Grossbritannien, den USA und der Schweiz veröffentlich wurde. «Eine Reihe von UBS-Managern wusste von den Versuchen der UBS, die Libor- und Euribor-Eingaben zu manipulieren und war in einigen Fällen aktiv beteiligt», ehisst es darin.  

Die Autoren nennen auch Zahlen: 
«Insgesamt waren rund 40 Personen bei der UBS in regelwidrige Anfragen involviert, 11 davon Manager.» Mindesten zwei weitere Manager und fünf Senior Manager seien sich ausserdem bewusst gewesen über die Praxis der Manipulation von Eingaben zum Zweck, Profite bei den Handeslpositionen herauszuschlagen.

Doch das ist nicht alles: Etliche Personen hätten in Chat-Foren und Gruppen-E-Mails, zu denen mindestens 70 Personen bei der UBS Zugang hatten, über die Vorgänge kommuniziert. Sind darin alle direkt Involvierten enthalten, sind es insgesamt etwa 70 UBS-Leute, die in die Manipulationen verwickelt waren oder davon wussten. Decken sich die Gruppen nicht komplett, könnten sogar mehr als 100 Individuen betroffen sein.

«Ich zahle dir, was du willst»

UBS-Chef Sergio Ermotti hatte heute gesagt, einige Angestellte hätten sich inakzeptabel verhalten. Die UBS habe disziplinarische Massnahmen ergriffen: Zwischen 30 und 40 Mitarbeitenden sei gekündigt worden. Ihr Verhalten entspreche nicht den Werten und ethischen Grundsätzen der UBS. 

Wie gravierend das Fehlverhalten war, zeigt ebenfalls der FSA-Bericht, der protokolliert, was ein UBS-Händler am 18. September 2008 im Chat mit einem externen Broker sagte:  «Wenn du den Sechsmonats-Libor heute unverändert hältst, werde ich einen verdammt riesigen Deal mit dir machen... Halt ihn so tief wie möglich... Ich zahle dir 50'000 Dollar, 100'000 Dollar, was du willst... Ich stehe zu meinem Wort.» 

Allein diese Brokerfirma sei in neun solchen Fällen mit insgesamt mehr als 170'000 Pfund geschmiert worden. 

Jede Eingabe in Gefahr

Die FSA-Autoren fassen zum Verhalten der Schweizer Grossbank zusammen: «Die Manipulation von Eingaben war Routine, weitverbreitet und wurde gebilligt von einer Reihe von Managern mit direkter Verantwortung für den relevaten Geschäftsbereich.» 

Die Dauer und das Ausmass des Fehlverhalten der UBS seien dabei durch unzureichende Systeme und Kontrollen verschlimmert worden, so die britische Aufsichtsbehörde. Angesichts dessen sei jede Libor- und Euribor-Eingabe bei Währungen und Laufzeiten, an der die UBS beteiligt war, in Gefahr beeinflusst worden zu sein.

Mehr zum FSA-Bericht auf finews.ch

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