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Minenkonzern Anglo American vor Massenentlassung

Hauptsitz des Konzerns in Johannesburg im Januar 2013. (Bild: Keystone)

Minen vor dem Aus: Anglo American Platinum will in Südafrika rund 14'000 Arbeiter entlassen. In dem Land am Kap brodelt es.

Veröffentlicht am 15.01.2013

Ein Ende der heftigen Arbeitskonflikte in Südafrika ist nicht in Sicht: Der weltgrösste Platinförderer Anglo American Platinum (Amplats) will Minen stilllegen und 14'000 der 57'000 Mitarbeiter entlassen.

In der in Johannesburg veröffentlichten Mitteilung der Tochter des Rohstoffkonzerns Anglo American wird die mangelnde Profitabilität beklagt. Auch in anderen Sektoren wie den Goldminen und der Landwirtschaft gärt es. Neuer Tiefpunkt der gewalttätigen Streiks von Landarbeitern in der Provinz Westkap war der Tod eines 25-Jährigen.

Südafrikas Regierung verurteilte die Pläne des Platinkonzerns scharf. Amplats eigne sich die Bodenschätze des Landes an, entziehe sich aber der sozialen Verantwortung und einem Beitrag zum Wirtschaftswachstum des Landes, meinte Bergbauministerin Susan Shbangu. Die Regierung werde jetzt genau untersuchen, ob Amplats mit seinen überraschenden Massnahmen nicht gegen seine vertraglichen Verpflichtungen verstosse. Arbeitsministerin Mildred Oliphant forderte neue Verhandlungen zwischen den Tarifparteien.

Die Gewerkschaften reagierten empört. «Wir sind sehr schockiert», sagte der Sprecher der Nationalen Minengewerkschaft (NUM), Lesiba Seshoka, der Nachrichtenagentur dpa. «Wir fordern von den Arbeitnehmern nun Einigkeit und Disziplin, um gemeinsam mit der Betriebsverkleinerung umzugehen.» Triebfeder der gewalttätigen Minenarbeiterstreiks 2012 war die kleine, militante Gewerkschaft Amcu.

14'000 Neuanstellungen angekündigt 

Am stärksten würde es nach Angaben des Unternehmens den Standort Rustenburg mit 13'000 Arbeitern treffen. Das neue jährliche Platin-Förderziel wurde nach unten auf 2,1 bis 2,3 Millionen Unzen pro Jahr korrigiert. Das würde eine Reduzierung um 400'000 Unzen bedeuten. Der Platinumpreis stieg auf dem südafrikanischen Rohstoffmarkt heute um mehr als 2 Prozent.

Insgesamt will der Konzern die jährlichen Aufwendungen um 3,8 Milliarden Rand (327 Millionen Euro) senken und Investitionen zurückfahren. 2011 war der Gewinn des Unternehmens trotz eines zweistelligen Umsatzwachstums um 28 Prozent gefallen. Der Bergbaukonzern steuerte zuletzt rund 40 Prozent zur weltweiten Platin-Förderung bei.

Amplats verwies auf die «sinkende Profitabilität» in den letzten Jahren und einen «bedenklichen wirtschaftlichen Druck seit geraumer Zeit». In der Mitteilung des Unternehmens wird allerdings auch angekündigt, dass es Neueinstellungen von 14'000 Mitarbeitern in neuen Bereichen plane.

Auch Farmarbeiter im Streik

In Rustenburg hatten die Arbeitgeber 2012 nach heftigen Streiks die Löhne zum Teil deutlich erhöht. Amplats hatte die Streiks als illegal bezeichnet und deshalb zwischenzeitlich 12.000 Arbeiter entlassen. Die Streiks waren Teil von Arbeitskämpfen in vielen Minen des Landes. Bei Polizeieinsätzen und Gewalttaten von Arbeitern kamen insgesamt mehr als 60 Menschen ums Leben.

Auch in anderen Minen Südafrikas gärt es. Das Unternehmen Harmony Gold hat den Arbeitnehmern der Kusasalethu Mine nahe Johannesburg 60 Tage Zeit zur Lösung einen lange schwelenden Arbeitskonflikts gegeben. Sollten die Verhandlungen scheitern, droht die Firma mit dem Abbau von 6000 Arbeitsplätzen. Angesichts der Gewalttaten und Zerstörungen während der Streiks hatte Firmenchef Graham Briggs betont, dass «dies nicht mehr so weiter gehen kann».

Im Streik befinden sich auch Tausende von Farmarbeitern in der Provinz Westkap. Ein Arbeiter wurde am Montag nach Zeugenaussagen von Gummigeschossen der Polizei getötet. Landarbeiter Monwabisi Kondile schilderte im Radio, wie ein Kollege bei dem Polizeieinsatz geflohen und dann von einem Gummigeschoss am Kopf getroffen worden sei. Der Mann sei später im Krankenhaus gestorben

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