Bauen nach Minergiestandard ist eine schweizerische Erfolgsgeschichte: Gab es vor zehn Jahren noch null zertifizierte Objekte, so waren es Ende 2008 bereits 25% der Neubauten in der Schweiz. Damit ist der Anteil der Bauten mit einem vergleichbar tiefem Energieverbrauch in der Schweiz heute rund zehnmal höher als in Deutschland, dem Land mit der weltweit zweiterfolgreichsten Auszeichnung für nachhaltiges Bauen.

Umfassender Baustandard

Die technischen Massnahmen sind bei allen Bauauszeichnungen ähnlich, jedoch hebt sich das Label Minergie mit seiner Kommunikation deutlich ab: Es berücksichtigt nicht nur die Umwelt, sondern alle drei Faktoren der Nachhaltigkeit, mit der Lebensqualität auch die Gesellschaft und mit Konkurrenzfähigkeit und Werterhalt die Wirtschaft. Der umfassende und marktnahe Ansatz dieses Baustandards dürfte auch der Grund sein, dass im winzigen Markt Schweiz bereits mehr als 12000 zertifizierte Bauten mit total mehr als 12 Mio m2 beheizter Fläche stehen. Zusammen mit den minergieähnlichen Objekten dürften dies etwa gleich viele energieeffiziente Bauten dieses Niveaus sein wie in der ganzen EU und den USA zusammen.

Wirtschaftliche Relevanz

Bauten nach Minergiestandard erfordern etwa 5% höhere Investitionen. Insgesamt sind in den letzten zehn Jahren also Mehrinvestitionen von 2 bis 3 Mrd Fr. in minergie zertifizierte und ähnlich ausgeführte, aber nicht zertifizierte Bauten getätigt worden. 2008 allein etwa 700 Mio Fr., ein wichtiger Aspekt im Zeichen von Krise und steigenden Arbeitslosenzahlen. Dies hat einzelne Branchen der Bauindustrie gestärkt, etwa Anbieter von Fenstern, Wärmedämmung, Wärmepumpen, Solarkollektoren oder Komfortlüftungen. Damit wächst in der Schweiz das Know-how mit die-sem Standard und stärkt die Schweizer Firmen auch als Exporteure.

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Zudem benötigen die 22 Mio m2 Bauten dieser Kategorie weniger importierte Energie, jährlich für knapp 100 Mio Fr. Minergie-bauten sind somit lohnende Ziele für Förderung jeder Art, da trotz offener Volkswirtschaft die Inlandinvestitionen angekurbelt und der Mittelabfluss ins Ausland minimiert werden.In einer jüngsten Studie hat die ZKB die Verkaufspreise von Minergiebauten analysieren lassen: Danach liegt für diesen Bautyp die Zahlungsbereitschaft bei Einfamilienhäusern 7% höher, bezogen auf die Anlagenkosten inkl. Baugrund, bei Mehrfamilienhäusern um 3,5%. Die Mehrinvestitionen werden vom Markt honoriert und der Standard zahlt sich für Eigenheimbesitzer und Investoren aus.

Diese höhere Wertsicherheit von Minergieobjekten ist auch der Grund für die bis 1% tieferen Hypothekarzinsen, die einige Banken für zertifizierte Bauten anbieten. Bei der nächsten Energiepreissteigerung werden deren Betriebskosten nur wenig betroffen und diese können problemlos weiterhin ihrer Bestimmung entsprechend genutzt werden. Für die 12 Mio m2 zertifizierten Minergiehäuser betrifft dies einen Wert von etwa 40 Mrd Fr.