Ende 2005 hing das Schicksal der Firma an einem dünnen Faden. Nachdem Sulzer erfolglos nach einem Käufer für das Brennstoffzellengeschäft gesucht hatte, lief der Liquidationsprozess. Doch Bruno Walser, heute VR-Präsident, und Alexander Schuler, aktuell Geschäftsführer, wollten das Handtuch nicht werfen.

«Auf fünf Power-Point-Folien stellten wir dar, was wir brauchten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und das seit 1989 erarbeitete Know-how zu halten: 3 Mio Fr. im ersten Jahr und zwölf Mitarbeiter. Damit gingen wir auf die Reise», schildert Schuler die dramatischen Tage von Hexis. Im Dezember waren die Verhandlungen mit einer englischen Investmentbank weit fortgeschritten. Sie standen kurz vor dem Abschluss, als sich die Stiftung des vermögenden Winterthurer Immobilienbesitzers sowie Kunstsammlers Bruno Stefanini meldete und ein Angebot vorlegte. Der Entscheid fiel zugunsten der Stiftung als lokale Lösung und vor allem gegen den Börsengang, den die Engländer bereits nach einem Jahr geplant hatten.

Unter der Führung von Schuler und Walser startete Hexis Anfang 2006 – als kleine Firma. Einquartiert ist man noch in der gleichen Oberwinterthurer Industriehalle, wie zu den Sulzer-Zeiten, «und hier können wir langfristig bleiben, da die Stiftung auch die Liegenschaft übernommen hat», so Schuler. Geblieben ist auch das Ziel, mit Hochdruck dem Hexis-Brennstoffzellensystem «Galileo» fürs Einfamilienhaus zum Durchbruch zu verhelfen.

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Hohe Wirkung, wenig Schadstoff

Brennstoffzellen sind elektrochemische Energieumwandler, die ähnlich wie Batterien funktionieren, mit dem Unterscheid, dass sie sich nicht entladen, weil permanent Brennstoff zugeführt wird. Das Hexis-System läuft mit einer keramischen Zelle und der Prozess bei einer Temperatur von 800 bis 900 Grad. Durch die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung sowie den sehr hohen Wirkungsgrad von 95% ist der Primär-Energieverbrauch und damit der Kohlendioxid-Ausstoss markant tiefer als bei motorischen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Das System läuft mit Erdgas und ersetzt in Einfamilienhäusern den Heizkessel. Es funktioniert quasi als «Mini-Kraftwerk» und produziert den Wärmebedarf für Brauchwarmwasser und Heizung sowie 70 bis 75% des Strombedarfs. Der Zusatzstrom wird aus dem Netz bezogen.

Zehn Testgeräte stehen im Labor, zehn weitere Apparate sind in Feldtests im Einsatz. Sie wurden an Energieversorger verkauft und laufen unter Realbedingungen in Einfamilienhäusern. Hauptknackpunkt ist im Moment noch die zu geringe Lebensdauer, um das System in Serienproduktion zu bringen. Schuler erklärt: «Rund 40000 Betriebsstunden müssen wir erreichen. Zurzeit haben wir ein System mit knapp 10000 Stunden Betrieb im Test. Wir müssen statistisch belegen, dass wir eine viel höhere Dauer erreichen, und dies ohne substanziellen Leistungsverlust.» Daher sind die Feldversuche so wichtig – kontra Störeinflüsse und pro Optimierungen.

Für Hexis werden vor allem jene Länder interessant, wo auf die dezentrale Energieversorgung gesetzt wird. Dies ist in Deutschland der Fall, wo die Technologie gefördert wird. «In der Schweiz ist die Situation leider anders. Die Politik setzt auf Kernkraft», sagt Schuler. Was aber nicht bedeute, dass die Schweiz kein Markt werde.

Unabhängig von Stiftung werden

Bis 2012 glaubt Schuler, die ers-ten Endkunden beliefern zu können, wobei auch Energieversorger weiter als Abnehmer in Frage kommen. Der Aufbau bei Hexis habe schon einen hohen Stand erreicht und könne mit den sich in Entwicklung befindlichen Konkurrenzprodukten mithalten.

«Bis sich unser System wirtschaftlich rechnet und durchsetzt, wird es noch zehn Jahre dauern. Das ist bei jeder neuen Technologie so. Der Gas-Brennwertkessel brauchte 20 Jahre», so Schuler. In zehn Jahren werde Hexis ein gutes KMU mit rund 30 Mitarbeitern (ohne Produktion) sein; und man werde von den Geldern der Stiftung unabhängig sein. Diese bleibe wichtig. «Sie hält uns den Rücken frei und soll auch dann mehr als 50% an Hexis halten, wenn wir zusätzliche Investoren finden.»