Der weltweit tätige Spezialist für den gesamten Bereich der Intralogistik, der SSI-Schäfer-Konzern, entwickelte ein neues System in der Lagertechnik. Das SSI-Schäfer-Orbiter-System (SOS) ist eine Weiterentwicklung bestehender Kanallagertechnologien mit verschiedenen Vorteilen in Bezug auf Personensicherheit, Bedienkomfort und Energieversorgung.

Insgesamt profitieren Benutzer des SOS von deutlich schnelleren Handlingsabläufen und einem hohen Schutz für Bedienpersonen, Shuttle und Lagergut. Weitere entscheidende Merkmale sind eine schnelle Fixierung im angewählten Regalkanal, eine höhere Geschwindigkeit des Shuttle-Fahrzeuges, vergrösserte Toleranzen beim Einheben der Docking Station/Orbiter und letztlich mehr Dynamik als bei anderen Lagersystemen. Das Kanallagersystem leistet wichtige Beiträge zur Optimierung der innerbetrieblichen Logistikprozesse.

Ein Lagerbetrieb funktioniert dann, wenn die Wege des Warentransportes so kurz wie möglich sind und die Lagerung platzsparend gestaltet ist. Lagerstudien und Zeitaufnahmen haben ergeben, dass für den Umschlag von Paletten etwa 60% der Zeit auf die Transportwege der Flurförderzeuge und nur 40% auf die reinen Ein- und Auslagervorgänge entfallen.

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Da die Shuttle-Fahrzeuge innerhalb der Regalanlage den Palettentransport durchführen, reduzieren sich die unproduktiven Nebenzeiten auf ein Minimum, dazu ergibt sich der Nutzeneffekt einer deutlich höheren Durchsatzleistung bei geringerem Personaleinsatz. Anderseits sind Kanal- lager weniger geeignet, wenn ein Lagerbetrieb einen permanenten Direktzugriff auf die Ladungsträger erforderlich macht.

Green Logistics im Lager

Die Orbiter werden mit jeweils vier hochauflösend geregelten Antrieben, Hochleistungskondensatoren und einer integrierten Stromversorgung am Regalsystem in Bewegung gehalten - der sogenannten Power-Cap-Technologie. Das System ist sehr langlebig und ermöglicht darüber hinaus einen problemlosen Einsatz im Tiefkühlbereich. Batteriewechsel sowie deren Entsorgung und die dadurch anfallenden Entsorgungskosten entfallen bei diesem System ganz. Dadurch werden die Lebenszykluskosten der Anlagen auf ein Maximum reduziert.

Trotz steigender Energie- und Ressourcenkosten befindet sich der Umsetzungsstand von Umweltmassnahmen in rund 70% der Industrieunternehmen noch weitgehend in den Anfängen. Oftmals wird die «grüne Logistik» reduziert auf die reine Transportlogistik.

In der Intralogistik gibt es dank modernen Lösungen jedoch deutliche Potenziale, um den vermeintlichen Gegensatz von Ökonomie und Ökologie nicht nur zu nivellieren. Als Beispiel hierzu sei die Verschieberegaltechnologie erwähnt. Etwa 80% aller Kühlhäuser werden mit dieser Technologie ausgestattet, Dafür gibt es einen plausiblen Grund: Gegenüber einer stationären Regaleinrichtung kann durch Verschieberegale auf ein und derselben Fläche die Lagerkapazität um über 90% gesteigert oder die Fläche eines Kühlhauses 40% kleiner konzipiert werden. Dies kommt dem Anwenderbedarf exakt entgegen, da sowohl die grössere Lagermenge als auch das geringere Bauvolumen einen wirtschaftlichen Gegenpol zum Energieaufwand der Kältehaltung bilden. Dies bedeutet einen optimalen Energieeinsatz auf den gelagerten Palettenplätzen.

 

 

nachgefragt


«Die Sicherheit steht im Mittelpunkt»

Benno Reichmuth, Leiter Geschäftsbereich Dynamische Systeme bei SSI Schäfer AG, Neunkirch.

Durch welche Funktionen unterscheidet sich das SOS-System vom Wettbewerb?

Benno Reichmuth: Die innovativen Elemente des SOS-Systems sind sehr vielfältig und reichen vom speziellen Antriebskonzept mittels Hochleistungskondensatoren und einer integrierten Stromversorgung am Regalsystem über das Sicherheitskonzept mittels der untrennbaren Funktionseinheit Dockingstation/Orbiter - welche den Zutritt in den aktiven Kanal erheblich erschwert - bis hin zur innovativen Hubmechanik und zur redundant ausgelegten Technik des Shuttle. Effizienz, Leistungsfähigkeit sowie die Sicherheit eines Kanallagers können dank dem SOS-System massgeblich erhöht werden. Mit einem einfachen Arbeitsprinzip sorgt die Lösung für eine effiziente Warenbereitstellung bei relativ geringem Automationsgrad und einer entsprechend überschaubaren Investition.

Im Lagerbereich treffen Mensch und Maschine häufig aufeinander. Inwieweit wurden bei der Entwicklung Sicherheitsaspekte berücksichtigt?

Reichmuth: Eine Shuttle-Lösung an sich ist keine Neuheit in der Intralogistik. Allerdings genügen bei weitem nicht alle Systeme den Sicherheitsanforderungen. Dies wurde von der Deutschen Berufsgenossenschaft im Detail untersucht und in einem Bericht festgehalten. Genau hier wollte SSI Schäfer ansetzen und ein System entwickeln, welches diesen hohen Anforderungen entspricht. Der Orbiter verfügt über ein abgerundetes Sicherheitskonzept. Dank der Docking Station ist die Lokalisierung der Einheit und damit der Arbeitsvorgänge im Regalsystem auf Anhieb ersichtlich. Das Absperren des Kanals durch den Bahnhof, der quer über den Regalkanal an den zwei seitlich platzierten Konsolen befestigt wird, erschwert den Zutritt erheblich. Eine Warnblinkleuchte signalisiert, wann und wo das System aktiv ist. Die Docking Station ist mit einem Not-Aus-Schalter, der Orbiter mit redundanten sicherheitsrelevanten Komponenten versehen. Der Betrieb des Systems wird durch die permanente Kommunikation zwischen Orbiter und Docking Station dank Sicherheitslichtschranken aufrechterhalten. Wird diese Kommunikation unterbrochen, stoppt das Gerät.

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Heute werden schlanke Prozessketten und verkürzte Durchlaufzeiten gefordert. Wie erfährt der Hersteller und Anbieter von Logistiksystemen, wo sich diese Schwachstellen befinden und wie sich diese beheben lassen?

Reichmuth: Nur durch eine systematische Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Kunden und seinen intralogistischen Prozessen können Schwachstellen aufgedeckt und entsprechende Lösungen ausgearbeitet werden. Gerade aufgrund der Produkte sowie der Anwendungsvielfalt der Lösungspalette kann SSI Schäfer bedarfsorientiert die beste Lösung anbieten und ist nicht auf ein schmales und unter Umständen suboptimales Sortiment begrenzt.

In welchen Bereichen der Intralogistik steckt noch Optimierungspotenzial?

Reichmuth: Globalisierte Warenströme für weltweit vernetzte Lieferketten, aber auch schwankende Losgrössen und Auslastungszyklen stellen die Logistik ständig vor neue Herausforderungen. Anstelle der schieren Grösse wird eher der Bedarf an neuen Techniken zur Verbesserung der Logistik in den Bereichen Lagern, Kommissionieren, Transportieren und Verteilen nachgefragt.