Der Einstieg in die Saison 2008 ist für André Bossert mühselig verlaufen. Im Mai erkrankte er während eines Turniers in Polen an Spitzen Blattern. Hierauf war er für einige Wochen, in denen wichtige Turniere im Programm standen, geschwächt. Umso erfreulicher war für ihn die rasche Wende zum Guten im Juli. An der Credit Suisse Challenge in Luterbach schaffte er den Cut und wurde 32. Nur eine Woche später siegte er in Österreich. Von den schönen Tagen in der Ramsau berichtet er gern. Er legt seine Golferseele offen.

Sie haben 1995 in Cannes als bis heute einziger Schweizer Golfer ein Turnier der PGA European Tour gewonnen. Nach langen 13 Jahren danach haben Sie nun einen Erfolg auf der kleineren Tour realisiert. Sind da in Ihnen Erinnerungen erwacht?

André Bossert: Tatsächlich fühlte ich mich an die Zeit von 1995 erinnert. Plötzlich fiel mir auf, dass sich die Plätze in Cannes und in Ramsau ähnlich sind. Beide sind ziemlich coupiert und haben kleine Greens, für die man ein gutes «Target-Golf» benötigt.

Diese Spielart, für die Präzision verlangt ist, kommt Ihnen besonders entgegen?

Bossert: Es ist klar, dass ich nicht der Power-Typ bin. Meine Stärke sind sicher eher die Konstanz und die Präzision. Ich mag es, einen Platz strategisch zu spielen.

Sie waren am Turnier in der Ramsau von der ersten Runde an vorne dabei. Wann haben Sie realisiert, dass Sie gewinnen können?

Bossert: Der Gedanke, dass ich gewinnen kann, ist gar nie gekommen. Ich kam aber auch nie zum Punkt, an dem ich mir sagte, dass ich nicht würde gewinnen können. Ich fühlte mich die ganze Zeit sehr wohl. Ich konnte die Greens sehr gut lesen, deshalb glückten mir viele Putts.

Turniersiege von Schweizer Profis sind nicht gerade alltäglich. Sie haben den renommierten Österreicher Markus Brier in einem Stechen niedergerungen. Wie haben Sie die Entscheidung am letzten Spieltag erlebt?

Bossert: Am 17. Loch glückte mir ein wunderbares Birdie. In diesem Moment fühlte ich einen grossen Stolz und eine grosse Freude. Als der Ball ins Loch fiel, spürte ich einen Adrenalin-Schub. Als ich am 18. Loch fertiggespielt hatte, wusste ich, dass ich zumindest im Stechen sein würde. Markus Brier hatte einen Putt aus 8 m, den er machen musste. In dem Moment sagt ich mir: «Ich darf jetzt nur ja nicht denken, dass ich schon gewonnen hätte. Er wird den Putt sicher versenken.» So ist es auch gekommen. Ich war dadurch auch nicht überrascht. Ich konnte mich dann ruhig auf das Stechen vorbereiten...

... das Sie ja dann auch gewannen. Es muss für Sie wohl der bedeutendste sportliche Erfolg der letzten Jahre gewesen sein.

Bossert: Ich habe mich vor ein paar Jahren mit Marc Chatelain für den World Cup qualifiziert. Damals versenkte ich einen entscheidenden 3-m-Putt. Aber ohne Zweifel ist dieser jetzige Sieg bedeutender. Man muss sehen, dass die Konkurrenz in der Challenge Tour heute sehr gross ist. Immer hat mir ein kleines Stück gefehlt, um ganz nach vorne zu kommen. Der Sieg ist für mich im Alter 45 ein grosser Schritt vorwärts.

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Im Golf spielt sich vieles im Kopf ab, das Selbstvertrauen ist enorm wichtig. War es auch für Sie der Schlüssel?

Bossert: Sicher hat sich an meinem Spiel in den letzten Monaten nichts oder nicht viel geändert. Entscheidend war die Credit Suisse Challenge in Luterbach. Dort schaffte ich um einen Schlag und mit einem guten Putt am letzten Loch den Cut. Ich war dann mental gut drauf. Ich habe mit Paul Dougan an der Technik gearbeitet, ein grosses Verdienst hat aber auch mein Mentaltrainer John Pates.

Sie haben nun die Chance, mit einem Platz unter den besten 20 in der Jahreswertung der Challenge Tour auf die grosse Europa-Tour zurückzukehren. Wie planen Sie die Fortsetzung der Saison 2008?

Bossert: Der Rest der Saison bleibt für mich eine Mischung. Ich werde zur Hauptsache auf der Challenge Tour spielen. Daneben werde ich aber sicher auch das European Masters in Crans-Montana bestreiten. Ein weiteres Ziel ist, im Schweizer Team am World Cup ? dies in Mission Hills in China ? teilzunehmen. Auf der Challenge Tour setze ich nicht auf Quantität. Mit Klassierungen in den 30ern oder 40ern erreicht man nichts. Ich habe aber eine Chance, wenn ich mich noch zwei-, dreimal weit vorne klassiere.