Wie stark schmerzen die Auflagen der Wettbewerbskommission?

Herbert Bolliger: Wir sind überrascht von den Auflagen. Wir haben wegen den positiven Gutachten gar keine Auflagen erwartet. Den Auflagen sind zweigeteilt. Jene, die Denner betreffen, können wir akzeptieren. Denn auch wir wollen, dass Denner Denner bleibt. Die Auflagen in Bezug auf die KMU-Lieferanten kann ich zustimmen. Denn diesen Lieferanten will man einen gewissen Schutz bieten.

Was stört Sie an den Auflagen?

Bolliger: Die Auflagen sind zum Teil auf sieben Jahre terminiert. Das ist sehr lange. Denn der Wandel im Detailhandel geht sehr schnell voran.

Werden Sie gegen die Auflagen opponieren?

Bolliger: Die Auflagen schränken die erfolgreiche Entwicklung von Denner nicht ein. Aber unsere Juristen müssen die Details der Auflagen noch studieren. Juristisch könnten wir gegen die Auflagen vorgehen. Aber wir haben uns noch nicht entschieden.

Werden die Auflagen Ihre Mitbewerber Coop, Aldi und Lidl freuen?

Bolliger: Ich kann nicht für diese sprechen.

Das Duopol von Migros und Coop wird als Gefahr betrachtet, sei das auf der Nachfrageseite, auf der Angebotsseite oder auch als politisches Druckmittel.

Bolliger: Im Markt war der Wettbewerb noch nie so hart wie heute. Wir haben einen sehr starken Preiswettbewerb. Es gibt keine Absprachen. Die Preise sinken laufend seit dem Eintritt von Aldi. In der Politik geht es um Rahmenbedingungen, die der Staat setzt, sei es in der Agrarpolitik oder beim Parallelimport. Wir setzen uns für bessere Rahmenbedingungen ein.

Das Duopol kann aber nun noch mehr politischen Druck ausüben, sei es zum Beispiel für längere Öffnungszeiten.

Bolliger: Flexible Öffnungszeiten wären ja nur im Interesse der Konsumenten.

Weshalb sind Sie überzeugt, dass Denner mit Migros erfolgreich sein wird? Denner-Chef Philippe Gaydoul hat sich das allein nicht mehr zugetraut.

Bolliger: Der Discountmarkt wird in den nächsten Jahren in der Schweiz stark wachsen. Das ist unbestritten. Das zeigt sich ja bereits im starken Wachstum von Denner und Aldi. Die Schwäche von Denner liegt in der Beschaffung, vor allem in der internationalen Beschaffung. Zusammen mit dem Volumen der Migros können Migros und Denner nun bessere Konditionen herausholen und preiswerter beschaffen.

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Migros und Denner haben bereits Umsatz an Aldi verloren. Nun kommt mit Lidl nächstes Jahr ein weiterer Discounter in die Schweiz, der wie Denner auch stark auf Markenartikel fährt. Wie viel Marktanteil wird das Gespann Migros-Denner 2008 verlieren?

Bolliger: Das hängt von der Anzahl Filialen ab, die eröffnet werden. Wir verlieren in der Tat Umsatz an jeden neuen Player, der in den Schweizer Markt eintritt, aber wir holen auch Umsatz zurück, der früher im Ausland gemacht wurde. Aus dem grenznahen Ausland kommen immer mehr Kunden in die Schweiz. Wir haben wieder vermehrt ausländische, vor allem deutsche Kunden in unseren Filialen. Das freut uns natürlich.

Welche Player werden in den nächsten Jahren den Lebensmitteldetailhandel beherrschen?

Bolliger: Beherrschen ist das falsche Wort. Die grössten Player im Markt werden sicher Migros und Coop sein. Starke Positionen werden Aldi und Lidl haben und als Nahversorger Volg und Spar.

Wird Migros in zehn Jahren noch unabhängig sein oder mit einem Ausländer eine Kooperation eingehen?

Bolliger: Migros wird als Unternehmen sicher unabhängig bleiben, aber auf dem Beschaffungsmarkt mit anderen Detailhändlern zusammenarbeiten.

Nun wird Migros dank Denner Alkohol und Tabak verkaufen. Was würde Übervater Gottlieb Duttweiler dazu sagen?

Bolliger: Der hätte Freude gehabt, weil er gerne einen guten Schluck Wein getrunken und eine gute Zigarre geraucht hat. Er hätte diese nicht mehr bei der Konkurrenz einkaufen müssen.

 

AuflagenDie Wettbewerbskommission bewilligt die Übernahme von 70% an Denner durch Migros. Die Übernahme ist mit Auflagen verbunden. So muss die Marke Denner weiterbestehen. Migros darf in den nächsten drei Jahren kein M-Budget-Geschäft eröffnen und in den nächsten sieben Jahren in der Schweiz keinen weiteren Lebensmittelhändler übernehmen. Denner und Migros müssen bei Schweizer KMU während sieben Jahren getrennt beschaffen. Die Migros Industrie darf Eigenmarkenlieferanten nur ersetzen, wenn sie günstiger liefert. 

MarktanteileLaut IHA-GfK besitzt Migros 16,6% und Denner 2,3% am Detailhandelsumsatz von 86,9 Mrd