Nach Beilegung des Rechtsstreits mit den US-Behörden hat die UBS nun beide Hände frei, um sich auch in der Schweiz wieder dem Tagesgeschäft zuzuwenden. Und die Ansage der Grossbank Anfang dieses Jahres war eindeutig: Mit aller Kraft wolle man verlorene Marktanteile zurückerobern.

Für die Regional- und Kantonalbanken, die 2008 wie nie zuvor zum Zufluchtsort enttäuschter Grossbankkunden geworden waren, wird es damit höchste Zeit, Verteidigungsstellungen zu beziehen. Gilt es doch zu beweisen, dass die gewonnenen Neugelder langfristig gehalten und ausgebaut werden können. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Bei der St. Galler Kantonalbank SGKB ist das Neugeldwachstum bereits rückläufig. Wurden im 2. Semester 2008 noch Kundenvermögen in der Höhe von knapp 2,5 Mrd Fr. gewonnen, waren es im 1. Halbjahr 2009 noch 882 Mio Fr. Den Grund dafür sieht SGKB-CEO Roland Ledergerber neben Konditionsgründen und Abflüssen bei Firmenkunden auch bei den ehemaligen Grossbankkunden. «Diese Gelder haben sicher auch eine Rolle gespielt.»

Anzeige

Versiegende Neugeldquelle

Auch bei Krisengewinnerin Raiffeisen, die für das 1. Semester ein weiteres Glanzresultat präsentieren konnte, hat sich der Zustrom an Kundengeldern «normalisiert». Erzielte Raiffeisen 2008 hier rund 5 Mrd Fr., waren es im 1. Semester dieses Jahres 3,6 Mrd Fr. Die Genossenschaftsbank rechnet nun mit einer geringeren Dynamik beim Neugeld - eine Einschätzung, die auch PostFinance und weitere befragte Mitbewerber teilen.

Entsprechend wird um die versiegende Geldquelle gerungen, auch mit harten Bandagen. «Die Grossbanken treten vereinzelt mit Dumpingofferten auf», sagt Roger Müller, Mediensprecher der Luzerner Kantonalbank LUKB. Mi- chael Hobmeier, CEO der Valiant Bank, stösst ins gleiche Horn. «Wir nehmen die UBS nach wie vor als sehr aggressiven Konkurrenten war, gerade was die Konditionen betrifft.» Bei der UBS heisst es dazu lapidar: «Unsere Angebot bei Privat-, Spar- und Vorsorgekonti und den Termingeldern ist im Vergleich zu den wichtigsten Mitbewerbern konkurrenzfähig.»

Diese Mitbewerber unternehmen inzwischen etliche Anstrengungen, um ihr Terrain zu verteidigen. So forciert die SGKB in ihrem Verkauf die Kundenpflege - CEO Ledergerber spricht von «intensivierten und systematischen» Kontakten. Ganz konkret wird die LUKB: Sie hat an ihren Standorten Begrüssungsapéros für Neukunden durchgeführt, um ihnen die LUKB näher vorzustellen. Mit weit offenen Armen empfängt auch die Valiant. Für Neuzugänge habe die Bank ihre Prozesse überarbeitet, die Kunden würden speziell Willkommen geheissen und ihre Bedürfnisse in einer Auslegeordnung genau analysiert werden, so CEO Hobmeier.

ZKB heuert neue Kundenberater an

PostFinance wiederum bietet bei Vermögen ab 25000 Fr. das Plus-Set an. Dieses bietet stark vergünstigte Gebühren bei Spar- und Fondskonti sowie weitere Dienstleistungen. Den grössten Effort unternimmt aber wohl die Zürcher Kantonalbank ZKB. Diego Wider von der Pressestelle zufolge hat sie «zahlreiche» neue Kundenberater verpflichten können. Wie sich das auf die Neugelder ausgewirkt hat, wird der diese Woche fällige Halbjahresausweis zeigen.

Derweil arbeitet die UBS an der Rückkehr zu nachhaltiger Profitabilität - nur damit lasse sich der Ruf als «verlässlicher Partner» wieder herstellen, so Mediensprecher Andreas Kern. So hat die UBS Schweiz unter Leitung von CEO Franco Morra das Geschäftsgebiet in zwölf Regionen mit jeweils einem Regionaldirektor aufgeteilt. Diese erneute Reorganisation muss jetzt aber erst noch verdaut werden eine letzte Gnadenfrist für die Mitbewerber der UBS in der Schweiz.