HEDGE-FONDS.

Die Schweiz gilt als Mekka der Fund of Hedge Funds. Vom Finanzplatz Genf aus haben sich diese Finanzprodukte in die Region Zürich und ins Tessin ausgebreitet. Die verwalteten Vermögenswerte werden auf über 250 Mrd Dollar geschätzt und von den zehn grössten Fonds weltweit sind fünf in der Schweiz angesiedelt. Philipp Cottier, Managing Partner bei Harcourt Investment Consulting, führt diese starke Stellung auf eine «progressive und flexible Regulierung» zurück. Sie hat dem Schweizer Finanzplatz gemeinsam mit den USA die Leaderposition weltweit eingetragen. Rund 5000 Beschäftigte in gegen 500 Gesellschaften erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von über 3 Mrd Fr. Die rasche Expansion dürfte sich in der Zukunft fortsetzen. Cottier geht in dieser Anlagekategorie von einem jährlichen Wachstum von rund 25% aus.

Neuer EU-Binnenmarkt

Anders sieht es bei den Single Hedge-Fonds aus. In diesem Anlagesegment gibt es weniger als zehn etablierte Unternehmen und daneben über 100 kleinere Firmen, die rund 20 Mrd Fr. unter Management haben. Das neue Kollektivanlagen-Gesetz hat die Voraussetzungen für eine stärkere Expansion auch in diesem Segment geschaffen. Für Gérard Fischer, Präsident der Swiss Fund Association (SFA), nimmt der Finanzplatz zwar in der Vermögensverwaltung eine Spitzenstellung ein, verfügt jedoch über zu wenig eigene Produkte: «Damit verbindet sich die Gefahr, dass Teile des Asset Management und die Fondsmäntel aus der EU bezogen werden.» Die Hedge-Fonds wurden in den Sommermonaten durch die Krise am amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkt in Mitleidenschaft gezogen. Besonders betroffen waren jene Produkte, die im Bereich der Collateralized Dept Obligations (CDO) engagiert waren. Trotzdem geht Cottier davon aus, dass sich die Renditeverluste bei den Hedge-Fonds im August insgesamt lediglich auf knapp 3% beliefen. Er rechnet im laufenden Jahr mit einer Performance zwischen 4 bis 10%.Für Hans-Jörg Baumann, CEO der Swiss Capital Group und Vorsitzender des SFA-Ausschusses Alternative Investments, «neigen sich die Zeiten tiefer Volatilität in den verschiedenen Anlageklassen dem Ende entgegen». Die wachsende Unsicherheit an den Finanzmärkten führe dazu, dass sich die institutionellen und privaten Anleger vermehrt den Ergänzungsstrategien mit Hedge-Fonds-Anlagen zuwenden würden. Insgesamt gehört diese Anlageklasse mittlerweile zum Mainstream. Nachgefragt werden weniger die «Plain Vanilla»-Vehikel der ersten Stunde als vielmehr massgeschneiderte Nischenprodukte.

Rasantes Wachstum

In einem Langzeitvergleich wird das asymmetrische Rendite-profil von Aktien und Hedge-Fonds sichtbar. Sind die Risikopapiere in einem klaren Aufwärtstrend, liegt die Performance von Hedge-Fonds etwas tiefer. Umgekehrt verhält es sich bei einer markanten Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten. Das alternative Investment entwickelt sich in solchen Phasen wesentlich stabiler. In einer Krisensituation tendieren die Anleger vermehrt in Richtung Kapitalerhaltung und optimieren ihre Portfolios mit alternativen Investmentstrategien. Dazu gehören vor allem Fund of Hedge Funds, die sich gegenüber den Single Hedge Funds durch ihre breitere Diversifikation auszeichnen.Der globale Hedge-Fonds-Markt hat in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum erlebt. Insgesamt sind gemäss Hedge Funds Research Institute (HFRI) mehr als 1700 Mrd Dollar in dieser Anlageklasse investiert. Dabei kann es vorübergehend auch zu Mittelabflüssen kommen (siehe Kasten). Die Zahl der Hedge-Fonds nimmt jedoch laufend zu. Weltweit sind über 10000 Produkte registriert, die von rund 3500 Fondsmanagern betreut werden. Für den Finanzplatz Schweiz sieht Cottier in diesem Markt gute Chancen und folgert: «Wir müssen die Single Hedge-Fonds ausbauen.»

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