Der Hausmeister schlägt vor, er könne an jeder Toilette einen grossen Anhang mit der Aufschrift «Bitte Hände waschen» anbringen. Bert Wolfs, akademischer Leiter der Swiss Business School (SBS), nickt anerkennend. Er ist sich durchaus bewusst, dass das kleine MBA-Institut beim Zürcher Flughafen auch ein Durchgangszentrum für Viren aus aller Welt ist. Die Schweinegrippe ist ein dominantes Thema und bei der SBS möchte man einer Massenansteckung möglichst aus dem Weg gehen.

Eine solche könnte in der kleinen, familiär strukturierten Kaderschmiede schnell einmal ganze Kurse vorübergehend lahmlegen. Eine MBA-Klasse an der SBS zählt nämlich höchstens 30 Studenten und ist deshalb nicht vergleichbar mit einer grossen Ausbildungsstätte wie IMD oder HSG. «Der familiäre Rahmen, in dem bei uns unterrichtet wird, ist zugleich eines unserer besten Verkaufsargumente», sagt Wolfs. Der 41-jährige Belgier hat 2000 die Leitung der SBS übernommen und lebt mit seiner Familie in Zürich.

Gegründet wurde das Institut 1998 von der University of South Australia, die über eine Schweizer Niederlassung ihre eigenen MBA-Programme in die Welt hinaus tragen wollte. Bis 2004 wurde an der SBS denn auch streng nach australischem Vorbild unterrichtet. Danach zogen sich die Gründer zurück und die SBS kreiert seither ihre eigenen MBA-Angebote. Die Unterrichtssprache Englisch ist bis heute geblieben.

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60 Prozent Ausländer

An der Entwicklung neuer Programme war Bert Wolfs massgeblich beteiligt. Heute können an der SBS diverse MBA mit den Vertiefungsrichtungen internationales Management, Marketing, Finanz und Banking oder Unternehmungsführung absolviert werden. Dazu kommt der populäre Executive MBA sowie der ungewöhnliche Flex MBA, eine erfolgreiche Eigenkreation der SBS, so Wolfs. Dieser Kurs ist berufsbegleitend und orientiert sich, wie der Name sagt, bezüglich Form und Inhalt an den Bedürfnissen der Studenten.

Der Flex MBA hat sich zum Flaggschiff des Instituts gemausert und ist vor allem bei den ausländischen Teilnehmern, die an der SBS immerhin 60% ausmachen, sehr beliebt. Die meisten von ihnen stammen aus Ländern der EU. «Zahlreiche ausländische Studenten reisen jeweils am Donnerstagmorgen per Billigflieger an, absolvieren ihre Unterrichtstunden und kehren am Sonntagabend zurück», ergänzt Wolfs. Neben jungen Europäern studieren an der SBS ebenfalls Amerikaner, Australier und Asiaten. Dazu kommen im Ausland wohnhafte Schweizer, die aufgrund der idealen Verkehrslage auch mit Vorliebe an der SBS studieren. In Anlehnung an ihre Ausbildung werden sie an der Schule «Flexpats» genannt.

«Wir sind frauenfreundlich»

Die Studenten aus dem In- und Ausland schätzen neben der familiären Atmosphäre laut Wolfs auch die hohe Praxisorientierung, welche die MBA-Programme an der Swiss Business School auszeichnet. «Viele Absolventen bestätigen uns noch Jahre nach ihrer Weiterbildung, dass sie an der SBS eine ideale Vorbereitung auf die Berufswelt geniessen konnten», sagt Wolfs, der selbst das Fach «International Business» unterrichtet, um laufend den Puls der Teilnehmer zu fühlen.

Regelmässig wird der Theoriestoff mit aktuellen Fallstudien ergänzt, um im Unterricht einen hohen Realitätsbezug zu gewährleisten. Ein MBA-Studium dauert an der SBS durchschnittlich 18 Monate, wovon 15 Monate auf die Ausbildung und drei Monate auf die Diplomarbeit fallen. Wolfs erklärt: «Vollzeit-Studenten können das Pensum auch in einem Jahr absolvieren.»

Familiäre und flexible Unterrichtsformen mögen für Bert Wolfs das hauptsächliche Argument für eine weitere Eigenart der SBS sein: Im Gegensatz zu traditionellen MBA-Instituten an Universitäten und Hochschulen, die zu 80 bis 90% von männlichen Teilnehmern dominiert werden, sind die Klassen am internationalen Institut beim Flughafen Zürich beinahe zur Hälfte mit Frauen besetzt.

Wolfs führt aus: «Wir sind eindeutig frauenfreundlich.» Ganz konkrete Gründe dafür könne er beim besten Willen nicht nennen, meint der akademische Leiter dazu. Über die gute Durchmischung der Geschlechter ist er aber mehr als nur erfreut. «Wir erreichen mit unserem Angebot offensichtlich Frauen in guten Kaderpositionen.» Wer sich an der SBS für ein MBA-Programm anmeldet, muss eine gewisse Berufs- und Führungserfahrung vorweisen können.

Die Nachfrage für die geschäftliche Weiterbildung auf hohem Niveau ist gemäss Wolfs weiter vor-handen. Darauf deuten zumindest die Zahlen der SBS hin. «Während wir im Firmensegment krisen- bedingte Anmelderückgänge verzeichnen», sagt Wolfs, «kommen dafür umso mehr Anfragen von Privatpersonen.»

Trotz Krise mehr Studenten

Der aktuelle Saldo für die Swiss Business School beim Flughafen Zürich sei erfreulich. «Für den kommenden Semesterstart im Oktober 2009 haben sich 12% mehr Studenten für unsere MBA-Programme eingeschrieben als vor einem Jahr.» Die Studiengebühr von 30000 Fr. - mit der die SBS im nationalen Vergleich zu anderen MBA-Instituten etwa im Mittelfeld liegt - bleibt für viele ehrgeizige Berufsleute scheinbar eine sinnvolle Investition in die eigene Zukunft - familiäres Ambiente mit internationalem Flair inklusive.