Ein Auto ist nicht ausschliesslich dazu da, eine Person möglichst komfortabel und sicher von Punkt A nach Punkt B zu bringen; vor allem dann nicht, wenn ein Stern die Motorhaube ziert. Ein Auto hat immer auch mit Emotionen, vielfach zusätzlich mit Prestige zu tun – daran hat sich auch vor dem Hintergrund der Umweltdiskussionen und der ständig rasant steigenden Treibstoffpreise wenig bis nichts geändert.

Die neueste Mercedes-Kreation, die fünfte dieser Art aus Stutt-gart, gehört aus mehreren Gründen nicht nur in die Kategorie emotionsbeladener, sondern auch in jene der umstrittenen Fahrzeuge. Denn mancher mag sich fragen, ob sich Mercedes nicht besser Gedanken über eine andere Art von Autos machen müsste, als einen GLK zu entwickeln. Ganz so rigide sollte man Umweltschutzpolitik allerdings nicht sehen, haben doch die Mercedes-Ingenieure sich ausserordentlich Mühe gegeben, das neueste und für die Marke wichtigste Modell dieses Jahres sozialverträglich zu gestalten. Will heissen: Wer einen GLK fährt, ist nicht mit einem «Säufer» unterwegs, denn für Dieselmotoren pendelt der Verbrauch zwischen knapp 7 und 8,5 l/100 km. Die entsprechenden Werte für Benziner werden vom Werk mit 10 bis 11,5 l/100 km angegeben.

Von der Entwicklung überrascht

Ein Wermutstropfen ist allerdings zu schlucken und berechtigt zum Tadel an Mercedes: Das sparsamste Triebwerk (220 CDI) steht erst im 2. Quartal 2009 zur Verfügung (Verbrauch gemäss Werk 6,9 l/100 km). Ingenieure wie Marketingverantwortliche räumen ein, von der Situation auf dem Treibstoffmarkt überrascht worden zu sein. Denn als der GLK aufgelegt wurde, rechnete die Marketingabteilung damit, dass zuerst die stärkeren Motorversionen gefragt seien, wie das bis anhin für Mercedes üblich war. Wenn einmal der Entwicklungsplan festgelegt ist, lässt dieser sich nicht einfach von einem Tag auf den anderen ändern.

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Auf dem Gebiet der verbrauchsarmen Dieseltriebwerke hatte die Konkurrenz von Audi (neuer Q5) und BMW (X3) bisher die Nase vorn. Zudem erkannte vor allem BMW schon vor Jahren, dass sich ein kompaktes SUV neben dem stattlichen X5 sehr gut verkaufen lässt, auch mit kleineren Motoren.

In einem Wagen mit kompakteren Abmessungen fühlen sich Fahrer und Mitfahrer zudem vor allem deshalb wohler, weil ihnen das Gefühl vermittelt wird, das Auto –nicht zuletzt wegen seinen Dimensionen – wie eine konventionelle Limousine manövrieren zu können. So sind die Abmessungen des 1,8 t schweren GLK mit einer mittelgrossen Limousine vergleichbar (Länge: 4,52 m; Breite: 1,88 m; Höhe: 1,68 m). Dennoch sitzen die Insassen höher als in einer herkömmlichen Limousine, was einen besseren Blick über das Verkehrsgeschehen erlaubt.

Auf Strasse wie im Gelände sicher

Der neue Mercedes GLK ist zweierlei: Ein komfortabler, hochwertiger Reisewagen für Strassen und Autobahnen, aber auch ein Auto, mit dem man sich neben Feldwege trauen kann. Kernstück für die Geländetauglichkeit ist der bewährte, aber überarbeitete 4Matic-Allradantrieb. Er kommt ohne mechanische Sperren aus. Die Regelung des Kraftflusses auf die einzelnen Räder steuert die Elektronik. So ausgerüstet bewältigt der GLK Steigungswinkel bis zu 65 Grad.

Der GLK darf mit Recht als «Auto für jede Gelegenheit» bezeichnet werden, wenn auch nur wenige Fahrer wirklich extreme Situationen im Gelände zu meistern haben werden. Zusätzlich wirkt sich die ausgezeichnete Geländegängigkeit als Sicherheitsfaktor in extremen Fahrsituationen und bei widrigem Wetter positiv aus. Und dann kommen noch die Emotionen ins Spiel: Ein sich durch Schlamm wühlendes, Steine, Löcher und Hügel überwindendes Luxusfahrzeug ist und bleibt halt etwas Besonderes.

In einem weiteren Punkt fällt der GLK aus dem Rahmen, zumindest für Mercedes-Verhältnisse. Die Designer durften sich etwas stärker austoben als in diesem Hause sonst üblich. Es wurde weniger auf runde, fliessende Formen gesetzt als vielmehr auf Ecken und Kanten. Damit zeigt der Neue mit dem Stern das, was bei Autos so blumig als «Charakter» bezeichnet wird. Kein Schönling zwar – aber mit einem gut ausgebildeten Body.

Zudem ist die Frage erlaubt, was mit Fahrzeugen dieser Art nach 2012 passiert, wenn das geplante EU-Gesetz eine Flottennorm von 120 g/km CO2 vorschreibt? Mercedes Ingenieure können – oder wollen – darauf keine verbindliche Antwort geben. Der sparsame 220 CDI Diesel kommt heute auf einen Wert von 183 g/km.