Früher donnerten die Ferienflieger der Schweizer Reiseveranstalter, voll mit Badeferientouristen, an die Stranddestinationen rund um den Globus. Diese Charter-Romantik ist seit dem Verkauf von Edelweiss Air (ehemals Kuoni) an Swiss und der 49%-Beteiligung von Air Berlin an Belair (ehemals Hotelplan) nicht mehr in reiner Form zu sehen. Die Öffnung der Verbindungen für den Einzelplatzverkauf haben endgültig dafür gesorgt, dass auf den ehemaligen «Ferienbombern» neben Pauschalreisenden auch Nur-Flieger oder sogar Geschäftsleute Platz nehmen. Laut Karl Kistler, Geschäftsführer der Edelweiss Air, beträgt der Anteil von Geschäftsreisenden und Nur-Fliegerauf Langstrecken bereits rund 25%, auf Mittel- und Kurzstrecken zirka 15%.

Auch optisch hat sich bei den Ferienfliegern, etwa am Flughafen Zürich, einiges verändert. Belair, die nach dem Grounding der Swissair als Auffanggesellschaft aus der legendären Balair hervorgegangen war, wird ab der Wintersaison 2009/10 als Marke vollständig verschwinden. Aus wirtschaftlichen Gründen hat Air Berlin entschieden, den Betrieb der Langstreckenmaschine Boeing B-767 einzustellen.

Belair: «Produktionsstätte»

Belair bleibt zwar als Schweizer Firma mit eigener Betriebsbewilligung bestehen, ist faktisch aber nur noch eine «Produktionsstätte» für Air Berlin. «Alle kommerziellen Entscheide wie Flugplanerstellung, Produktgestaltung, Marketing oder Vertrieb werden von Air Berlin getroffen», erklärt Stefan Gutknecht, Verkaufsdirektor Schweiz der deutschen Mutter.

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Vom gänzlichen Verschwinden der Konkurrenz profitieren möchte Edelweiss Air. Der ehemalige Kuoni-Ferienflieger gehört heute zu 100% der Swiss und positioniert sich als «die Schweizer Fluggesellschaft».

Hilfreich dafür ist, dass die Airline nach wie vor mit einem Airbus A330 für Langstrecken sowie drei Airbus A320 für Kurz- und Mittelstrecke in der bekannten Edelweiss-Air-Bemalung operiert. «Zudem sind wir eine eigene rechtliche Einheit mit eigener Betriebsbewilligung, eigenem Management, eigener Buchhaltung und eigener kommerzieller Verantwortung», sagt Kistler. Dank der Aufrechterhaltung ihrer gut eingeführten Marke besitzt Edelweiss Air im Schweizer Ferienflugmarkt einen Wettbewerbsvorteil. Dazu kommt aufgrund des Rückzuges von Air Berlin ab der Wintersaison 2009/10 quasi eine Monopolstellung auf der prestigeträchtigen Langstrecke.

Edelweiss Air: Neue Maschine

Neben dem Airbus A330 von Edelweiss Air (Malediven, Indien, Thailand und Karibik) wird daher ab/bis Zürich kurzerhand eine zweite Maschine des gleichen Typs von Swiss (Malediven und Kenia), jedoch mit Besatzung der Edelweiss Air, eingesetzt. Air Berlin scheint diesbezüglich mit ihren Umsteigeverbindungen ab/bis Zürich via Düsseldorf oder Berlin deutlich im Nachteil.