1. Home
  2. Unternehmen
  3. Mit diesem Plan will Boeing seinen 747-Jumbo retten

Strategie
Mit diesem Plan will Boeing seinen 747-Jumbo retten

Mit diesem Plan will Boeing seinen 747-Jumbo retten
Boeing 747: Der Jumbo hob 1970 zum Jungfernflug ab. Flickr/CC/John Crowley

Boeings legendärer 747-Jumbo droht, zum Ladenhüter zu werden. Der US-Flugzeughersteller hat aber einen Weg gefunden, um neue Käufer für die riesigen Maschinen zu finden. Und geht damit eine Wette ein.

Boeing hat einen Plan um seinen berühmten, aber derzeit wenig beliebten 747-Jumbo zu retten: Der US-Flugzeughersteller kauft seine eigenen Maschinen und verleast sie anschliessend an Transportunternehmen.

Denn das Unternehmen hat zunehmend Mühe, Käufer für sein legendäres Modell zu gewinnen: Mit der Schliessung der Export-Import Bank durch den US-Kongress – die Bank hatte traditionell Fluglinien aus Übersee beim Kauf von Flugzeugen geholfen – verliert Boeing ein Schlüsselelement seines Vertriebs. Leasing-Firmen sind zudem zurückhaltender geworden, wenn es um die Finanzierung von Flugzeugen geht.

Boeing wird zum Flugzeugvermieter

Also vermietet Boeing nun die riesigen, buckligen 747-Jumbos an Fracht-Fluglinien in Ländern wie Russland oder Aserbaidschan. Aber damit wird das Unternehmen anfälliger bei einem Anstieg der Zahlungsausfälle.

Bis zum Ende des vergangenen Jahres hatte Boeing über seinen Finanzierungsarm Boeing Capital ein Finanzierungsvolumen von 1,26 Milliarden Dollar mit 747-Kunden aufgebaut. Das entspricht ungefähr dem fünffachen Wert gegenüber Ende 2012. Tatsächlich machen Kredite und operative Leasingverträge im Zusammenhang mit der 747 inzwischen mehr als ein Viertel des Kreditportfolios von Boeing Capital aus.

Eine Wette auf bessere Zeiten

Wenn sich der Luftfrachtmarkt erholt, mag die Rechnung für Boeing aufgehen. Das Unternehmen hat erst kürzlich eine wichtige 747-Bestellung vom Logistikgigant UPS erhalten, die der Schlüssel zur weiteren Zukunft des Langstreckenfliegers sein könnte.

Aber die 747 von morgen hat vermutlich wenig mit der glorreichen Vergangenheit des Fliegers zu tun. Aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach grossen vierstrahligen Passagierflugzeugen wird die 747 wohl vor allem übergrosses Material, wie zum Beispiel Ausrüstung für Öl-Bohrungen, transportieren.  Früher war der Jumbo ein Symbol für luxuriöses Reisen, im Jahr 1970 feierte das Flugzeug bei Pan-American World Airways sein Debüt.

Der Luxusflieger wird zum Transportflugzeug

«Wir glauben, dass es langfristig eine Nachfrage für dieses Flugzeug gibt», sagt George Dimitroff, Chef der Bewertungsabteilung vom Beratungsunternehmen Flight Ascend Consultancy. «So lange sie keine Überproduktion erzeugen – was Boeing derzeit nicht tut – glauben wir, dass es eine langfristige Nachfrage geben wird.»

Boeing häufte in den Jahren 2015 und 2016 mit der neusten Version der 747-8 über 2,1 Milliarden Dollar Verlust an, als das Unternehmen die Produktion verringerte, um auf die sinkende Nachfrage zu reagieren. Im vergangenen Jahr profitierte Boeing aber von der UPS-Bestellung über 14 Jumbo-Jets und der Option, den Auftrag auf das Doppelte zu erhöhen. Laut seiner Webseite landete Boeing damit den grössten Auftrag seit der Neugestaltung der 747 im November 2007.

(bloomberg/mbü/gku)

Anzeige