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Mit diesen strittigen Methoden arbeitet Syngenta

Mit diesen dubiosen Methoden arbeitet Syngenta
Syngenta: Ein Kassenschlager steht im Verdacht, Bienen zu töten.   Keystone

Um Chemikalien als unbedenklich zu erklären, gehen die Basler von Syngenta weit. Den Verdacht, dass ein Pestizid Bienen tötet, sollte eine Studie ausräumen. Doch hinter dieser stehen obskure Methoden.

Der Agrochemie-Konzern Syngenta behauptet von sich, nach den «höchsten ethischen Massstäben und wissenschaftlichen Standards» zu arbeiten. Eine Recherche des Wirtschaftsmagazins Eco des Schweizer Fernsehens SRF lässt daran starke Zweifel aufkommen.

Worum gehts? Eco berichtete über Syngentas Pestizid Thiamethoxam – es steht im Verdacht, Bienen zu töten. Im Zusammenhang mit dem weltweiten Bienensterben hat Syngenta damit ein Problem in der Öffentlichkeit. Wirtschaftlich wäre ein Verbot für den Agrochemie-Konzern gravierend.

Job für Überwacherin

In einer Studie versuchte der Konzern zu beweisen, dass Thiamethoxam für Bienen harmlos ist. Doch Eco zeigte, dass die Studie gravierende Mängel aufweist. Es gelang dem Konzern, die Langzeitstudie im Wissenschaftsmagazin «Plos One» zu veröffentlichen. Renommierte Bienenforscher wie der Schweizer Boris Baer sind überrascht: «Ich habe diese Studie gelesen, wie viele meiner Kollegen, die Honigbienen-Forschung betreiben, und wir schütteln den Kopf.» Zum einen seien Bienenvölker zu wenig weit voneinander entfernt gewesen. Zum anderen habe Syngenta bei einem der Experimente drei von vier Völkern verloren. «Bei derart grossen Mortalitäten stellt sich die Frage, was man tatsächlich noch aussagen kann», kritisiert Baer.

Kurz vor Publikation der Studie wechselte eine der Reviewerinnen, die die Studie für Plos One kontrollieren sollte, zu Syngenta. Sie hatte schon während der Durchsicht der Studie Kontakt mit Syngenta. Dazu Bienen-Experte Boris Baer: «Das verstösst gegen grundlegende Gepflogenheiten in der Wissenschaft.»

«Mogelpackung»

Im Beitrag wurde ihr von ETH-Statistiker Werner Stahel jegliche Aussagekraft abgesprochen: «Es ist eine Mogelpackung. Wenn ein Student bei mir vorbei käme mit einem Projekt einer solchen Diplomarbeit, müsste man sagen: Am Schluss kann man gar nichts aussagen, fang gar nicht erst an.»

Während den Recherchen zum Beitrag stiess Eco auf einen regelrechten Skandal in den USA, wo Syngenta im Mittelpunkt stand. Dort ging es ums Pestizid Atrazin, das in der Schweiz verboten ist, in den Vereinigten Staaten aber benutzt wird.

«Schizo und narzisstisch»

Gemäss Unterlagen, die die Journalisten-Vereinigung «100 Reporters» publizierte, bezahlte Syngenta in den USA Wissenschaftler der Gesundheitsorganisation ACSH dafür, dass sie wohlwollende Artikel über Atrazin in Fachzeitschriften publizierten.

Zudem engagierte Syngenta eine Privatdetektei, um Berater der Aufsichtsbehörde zu bespitzeln. Syngenta plante offenbar auch, was der Konzern bestreitet, eine Diffamierungskampagne gegen den kritischen US-Wissenschaftler Tyrone Hayes. In handschriftlichen, syngenta-internen Unterlagen ist zu lesen: «TH paranoid, schizo und narzisstisch».

Syngenta bestritt gegenüber Eco alle relevanten Punkte und äusserte sich nur schriftlich.

(chb)

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