An den Fussball-Weltmeisterschaften in Südafrika haben sich die australischen «Socceroos» mit 0:4 von Deutschland böse vorführen lassen. Doch was das Wirtschaftswachstum anbelangt, hat «Down Under» Deutschland den Rang eines Spitzenteams längst abgejagt. Noch im Krisenjahr 2009 haben die Australier einen Zuwachs von 1,3% erzielt. Dieses Jahr sollen es 3% werden.

Gesunde Bankbranche

Der australische Dynamo wird vor allem von der Nachfrage aus Asien angetrieben. «China ist der Schlüsselmarkt für die australischen Rohstoffe», sagt Stuart James, Fondsmanager bei der Investmentgesellschaft Aberdeen aus Sydney.

Denn Australien besitzt im Überfluss, was die boomende asiatische Volkswirtschaft so dringend braucht. Das Land ist der weltweit grösste Produzent von Steinkohle, die Nummer drei bei Eisenerz sowie Uran und zählt auch bei anderen Rohstoffen wie Gold und Diamanten zu den Top-Fördernationen. Bei den Reserven ist das Riesenland teils noch besser aufgestellt - etwa mit einer Spitzenposition bei Uran und Nickel.

Die Exporte nach China haben sich laut IWF in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht und machten 2009 mehr als 21% der Gesamtausfuhren aus. 2015 könnten es bereits 33% sein. Auch die Nachfrage aus Indien wächst kontinuierlich. In fünf Jahren wird der Subkontinent mit rund 11% der australischen Exporte dieselbe Bedeutung für den Aussenhandel haben wie in etwa die USA heute.

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Doch das Land besteht nicht nur aus Bodenschätzen. «Der Rohstoffsektor macht am Standardbörsenindex ASX 200 rund 30% aus und damit genauso viel wie die Finanztitel.» Ohnehin steht die heimische Finanzbranche im internationalen Vergleich exzellent da. «Keine australische Grossbank ist wegen der Finanzkrise in die roten Zahlen gerutscht.» Die Institute sind vor allem binnenorientiert, ihre Bilanzen deshalb frei von toxischen Papieren. Auch der private Konsum ist laut der Industrieländerorganisation OECD mit mehr als 50% des Bruttoinlandprodukts eine zentrale Stütze der australischen Wirtschaft. Im Boomjahr 2007 wuchsen die Verbraucherausgaben um fast 5% und selbst 2009 noch um 2,2%.

Die Quittung fürs Paket

Die gute Laune der australischen Verbraucher hat auch damit zu tun, dass Australien eines der ersten Länder war, das zur Bekämpfung der globalen Finanzkrise mit einem massiven Konjunkturpaket konterte. 19 Mrd australische Dollar (rund 18 Mrd Fr.) wurden vor allem an einkommensschwache Haushalte verteilt, die diese dann zurück in den Wirtschaftskreislauf pumpten. Die expansive Ausgabenpolitik hat ihren Preis. Nach neun fetten Jahren, in denen der Staat Gewinne erzielen konnte, ist das Land seit 2008 wieder ins Minus gerutscht. 2010 rechnet die Regierung mit einem Budgetdefizit von rund 3%. Allerdings kann sich Finanzminister Lindsay Tanner zu Recht über einen im weltweiten Vergleich «extrem niedrigen Verschuldungsgrad» freuen, der im laufenden Jahr 6% des BIP erreichen und bis 2013 auf maximal 10% anwachsen werde.

Die solide Finanzierung ist auch die Basis für die Stärke der einheimischen Währung. Die Zinsen liegen derzeit bei 4,25%. Mittelfristig könnte die Australische Zentralbank den Leitzins auf 5% anheben. Die Zinspolitik hat zusammen mit der robusten Wirtschaft dazu geführt, dass der australische Dollar in den letzten anderthalb Jahren kräftig aufgewertet hat. Gegenüber dem Euro gewann er rund 30%.

Belastende Sondersteuer

Zuletzt hat aber nicht nur die Währung, sondern auch der Aktienmarkt Rückschläge erlitten. Der ASX 200 sackte von Mitte April bis Anfang Juni von 5000 auf 4400 Punkte ab. Die Regierungspläne zur Einführung einer Sondersteuer auf die Gewinne der Rohstoffriesen drücken auf die Kurse. Grosskonzerne wie die australische BHP Billiton, Rio Tinto oder die Schweizer Xstrata haben mit der Aussetzung neuer Minenprojekte gedroht, sollte das Vorhaben Gesetz werden. Diese Form der Besteuerung existiert allerdings bereits für die Ölindustrie des Landes.

Und trotzdem bleibt der Aktienmarkt in Australien für Investoren attraktiv. Das zeigt der geplante Börsengang der Bilfinger-Tochter Valemus, der dem Unternehmen Anfang Juli rund 800 Mio australische Dollar in die Kassen spülen soll.