Während die Preise für Immobilien als Folge der Subprime-Krise zusammengebrochen sind, erleben die US-Farmer, wie ihr Land laufend an Wert gewinnt. Allein in den letzten drei Jahren explodierten die Preise für Farmland um über 50%. Es gibt keine Anzeichen, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren umkehren könnte. Die Katalysatoren für diese Entwicklung sind die Subventionen, die US-Farmer für den Anbau von zu Ethanol verarbeitbaren Produkten erhalten, die Gewissheit, dass Bedarf an Ethanol als Treibstoffzusatz weiter zunehmen wird, sowie der wachsende Wohlstand in Indien und China, der die Nachfrage weiter anheizen wird. Längst haben findige Investoren Nahrungsmittel und Agrarrohstoffe als lohnende Anlagen entdeckt.

Hohes Wachstum nötig

Um den grösser gewordenen und ständig weiter wachsenden Bedarf nach Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen zu decken, müsste die weltweite Produktion in nächster Zukunft um mindestens 3,3% jährlich steigen. Doch die Möglichkeiten, die weltweite Anbaufläche auszuweiten, werden überschätzt. Die zusätzlich benötigten Nahrungsmittel müssen überwiegend auf dem heute schon bewirtschafteten Land erzeugt werden. Gemäss jüngsten Schätzungen beträgt die weltweit produktive Flächenreserve nur noch rund 5%. Was darüber hinaus kultiviert würde, vertrüge sich nicht mit dem Klimaschutz. Auch von der Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität solle man sich nicht zu viel erwarten: In den vergangenen 20 Jahren lag die Steigerungsrate nur bei 1,3 und das trotz des Einsatzes gentechnisch veränderten Saatguts. Da die Ausweitung der Produktion begrenzt ist, steigen die Preise für Lebensmittel und die Nahrungsmittelindustrie an. Tatsache ist: Lebensmittel zu Schleuderpreisen werden künftig die Ausnahme sein.

Anleger profitieren vom Boom

Nicht nur in den USA erleben der primäre Sektor und die Nahrungsmittelindustrie einen beispiellosen Aufschwung. Food und Agrikultur gelten heute als die Industrien der Zukunft. Inzwischen existieren Investmentprodukte, mit denen sich am Agrarboom mitverdienen lässt. Der Milchpreis steigt, der Preis für Weizen hat sich innerhalb Jahresfrist fast verdoppelt, und auch Kaffee notiert an den Warenterminbörsen so hoch wie lange nicht mehr. Für all diese landwirtschaftlichen Produkte gibt es schon eine Reihe von Zertifikaten und anderen Investmentprodukten, über die Anleger auf weiter steigende Preise setzen können. Hinzu kommt, dass Brasilien, die USA und andere Nationen den Einsatz von alternativen Treibstoffen wie Ethanol aus Mais, Ölsaaten und Zucker fördern.

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Goldenes Agrarzeitalter

Die gesamte Wertschöpfungskette des Nahrungsmittelsektors bietet Investmentchancen. Ebenfalls interessant im neuen goldenen Zeitalter der Landwirtschaft werden Direktinvestments in Grund und Boden, also agrarische Nutzflächen. Statt in die risikoreichen Rohstoffe können Anleger aber auch in Unternehmen investieren, die vom Agrartrend profitieren. Durch den Aufschwung in den Schwellenländern gewinnen Hersteller von Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemitteln neue Absatzmärkte. Die Landmaschinenhersteller dürften in diesem Jahr die Verkäufe von Traktoren in Nordamerika um 20% steigern; in Brasilien dürfte die Verkaufszunahme gar 30% erreichen. Zu den Gewinnern gehören schliesslich die Händler und Verarbeiter von Agrarprodukten.

Das zunehmende Gesundheitsbewusstein, nicht nur in der westlichen Welt, führt zur Entwicklung immer neuerer Produkte auf natürlicher Basis, wie zum Beispiel von Danone, die sich grossen Wachstums erfreuen. Zwar kann es bei einzelnen Rohstoffen, die sich im vergangenen Jahr stark verteuert haben, Rückschläge geben, doch dürften diese vorübergehende Phänomene bleiben.

Kein kurzfristiger Trend

Die Gründe für diese Annahme sind mannigfaltig. Mit der Übernahme westlicher Konsumgewohnheiten dürften in Asien auch vermehrt Genussmittel wie Kaffee oder Kakao einen Aufschwung erleben. Die zunehmende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die damit einhergehende Motorisierung in Asien werden weltweit die Nachfrage nach Energiequellen verstärken. Nicht nur in den USA bergen deshalb Biotreibstoffe als Substitute für herkömmliche Energiequellen ein grosses wirtschaftliches Potenzial. Ethanol aus Zuckerrohr, wie es heute in Brasilien in grossem Stil hergestellt wird, gewinnt mit dem steigenden Ölpreis und der Verknappung anderer fossiler Energieträger an Bedeutung. Experten gehen davon aus, dass Biotreibstoffe einen Ölpreis von 120 Dollar benötigen, um wettbewerbsfähig zu sein. Beim aktuellen Ölpreis ist die Industrie diesem Ziel schon deutlich näher als noch vor wenigen Monaten. Tatsache ist, dass die Industrieländer mit schwindenden Ölreserven nach effizienteren Wegen zur Energiegewinnung, unter anderem aus Biomasse, suchen werden.