Die seit mehr als einem Jahrzehnt boomende Branche der unabhängigen Vermögensverwalter ist in Bewegung geraten. Viele Marktteilnehmer haben die im Zuge der Finanzkrise verzeichneten Vermögensverluste nicht schadlos überstanden, andere ziehen sich aus Altersgründen vom Geschäft zurück. Gleichzeitig etablieren sich neue Anbieter im Markt - vor allem Kundenberater, die den Banken aus Imagegründen oder aufgrund von Restrukturierungen den Rücken kehren und sich selbstständig machen; denn noch immer sind die Eintrittshürden in den Berufsstand tief. Eine wachsende Nachfrage seitens von ihrer Bank enttäuschter Kunden nach bankenunabhängiger Beratung oder einer «Second opinion» schürt den Wettbewerb zusätzlich. Von grösster Tragweite wird jedoch der zunehmende Einfluss internationaler Regulierungsstandards auf die regulatorischen Entwicklungen in der Schweiz sein.

Hohe Professionalität

Im Verlauf der Finanzmarktkrise sind die verwalteten Vermögenswerte um 20 bis 30% zurückgegangen. Mit dem erschütterten Vertrauen der Kunden hat sich ihre Risikobereitschaft verändert, Sicherheitsaspekte sind in den Vordergrund gerückt. Die Kundenloyalität nimmt ab. Die jüngere Kundengeneration ist besser informiert, mit modernsten IT-Tools vertraut und stellt entsprechende Erwartungen an den Vermögensverwalter. Aber auch die Kostensensitivität der Kunden und damit der Performancedruck auf den Vermögensverwalter haben sich deutlich erhöht. Neben einer umfassenden, auf die individuelle Vermögenssituation sowie das Risikoprofil abgestimmten Beratung sind zunehmend transparente, leistungsabhängige Gebührenmodelle gefragt. Die Nettoperformance wird zum Gradmesser für die Professionalität. All dies stellt höhere Anforderungen an die Fähigkeiten des Vermögensverwalters - sowohl in Fragen der Marktbeurteilung, Anlagestrategie und Produktwahl als auch im IT-Bereich.

Verschärfte Regulierungsrichtlinien dürften die nachhaltigsten Konsequenzen für die Branche zeitigen und den Strukturwandel fördern - angefangen bei rigideren Bewilligungsvoraussetzungen für unabhängige Vermögensverwalter bis hin zu einheitlichen Standards zur Betreibung des Geschäfts in Verbindung mit staatlicher Aufsicht. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde mit der Einführung von Mindestanforderungen für unabhängige Vermögensverwalter durch die Finma Anfang 2009 unternommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere Massnahmen zur Regulierung des Vermögensverwaltungsgeschäfts Verbindlichkeit erlangen wie z.B. die Schaffung eines Vermögensverwaltungsgesetzes. Mit den steigenden Qualitätsanforderungen erhöhen sich die Markteintrittsschranken. Dies wird zur Qualitätssteigerung innerhalb des Berufsstandes und damit zu einem Reputationsgewinn des Finanzplatzes Schweiz führen.

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Kampf um den Kunden

Mit den wachsenden qualitativen Anforderungen steigt auch der IT-, Compliance-, Administrations- und Ausbildungsaufwand. Substanzielle Investitionen in die technologische Infrastruktur werden unumgänglich. Dem damit verbundenen Kostenschub steht der wachsende Margendruck gegenüber. Insbesondere kleine und mittlere Anbieter werden diesen Spagat auf Dauer nicht durchhalten können, und es wird zwangsläufig zu einer tief greifenden Konsolidierung der stark fragmentierten Branche kommen.

Seit sich der Finanzplatz Schweiz mit Angriffen auf das Bankgeheimnis konfrontiert sieht, ist neben dem brancheninternen ein weiterer Wettbewerbsfaktor in den Fokus gerückt: Die Banken haben den Kampf um die Kundschaft dramatisch verschärft. Unter dem Schlagwort «Client Retention» versuchen sie mit allen Mitteln, Kunden von einem Wechsel zu einem unabhängigen Vermögensverwalter abzuhalten. Die Methoden sind mitunter recht unzimperlich und mit fairem Wettbewerb nicht vereinbar.

Von den Diskussionen rund um das Bankgeheimnis sind nicht alle Vermögensverwalter gleich stark betroffen. Es darf davon ausgegangen werden, dass kleinere Privatbanken und unabhängige Vermögensverwalter einen etwas höheren Anteil an nicht deklarierten Vermögen verwalten und deshalb rasch Wege finden müssen, um neue Kundensegmente zu erschliessen und Marktnischen zu belegen. In einem solchen Umfeld ist durchaus denkbar, dass kleine Privatbanken mit schmaler Kundenbasis gezwungen sein könnten, ihre Banklizenz zurückzugeben und zum reinen Vermögensverwalter zu mutieren, während sich unabhängige Vermögensverwalter zu grösseren Netzwerken und Partnerschaften zusammenschliessen und sich freiwillig der Aufsicht der Finma unterstellen. Damit erfüllen sie eine wichtige Voraussetzung für das Geschäft mit institutionellen Anlegern, die Verwaltung kollektiver Anlagen und die Beteiligung am wachsenden Markt der Vorsorgegelder.

Um in Zukunft die steigenden Anforderungen erfüllen sowie die damit verbundenen Kosten meistern und im aggressiver werdenden Wettbewerb bestehen zu können, müssen sich unabhängige Vermögensverwalter mit neuen Geschäftsmodellen in Form von Allianzen, Kooperationen oder Netzwerkstrukturen befassen, die neben einer Qualitäts- auch eine Effizienzsteigerung durch Kostenreduktion und Synergienutzung ermöglichen. Zum anderen gilt es, neue Geschäftsideen zu generieren und umzusetzen, mit denen man sich im Markt gegenüber den Konkurrenten abheben kann.