Während Jahrzehnten galt ein MBA-Studium als der Königsweg für Akademiker. Wer nach einem erfolgreichen Abschluss eines Studiums an der Universität oder der ETH einige Jahre Erfahrung in der Arbeitswelt gesammelt hatte, nahm sich Mitte 30 eine Auszeit und erlangte an einer renommierten Schule einen Master in Business Administration (MBA). Nachher hatte er nicht nur einen Lohnsprung auf sicher, sondern es standen ihm auch die Türen in den Teppichetagen der grossen Konzerne offen.

Mit der Rolle auseinander setzen

Zu den grössten Herausforderungen gehört gestern wie heute das Führen von Menschen. Für viele Angestellte ist es schwierig, wenn sie sich plötzlich in einer neuen Rolle als Chef wiederfinden. Zu den neuen Aufgaben gehört es, Sitzungen zu führen, die Arbeit des Teams zu organisieren und Konflikte zu schlichten. Dies kann zu Spannungen führen. Der neue Chef fühlt sich am Anfang oft zu wenig ernst genommen. Wenn er sich dann bei gewissen Entscheidungen durchzusetzen versucht, gehen seine ehemaligen Kollegen auf Distanz. Wichtig ist darum die richtige Vorbereitung auf eine solche Aufgabe.

Beim Thema Führung ist meist von den Topshots in den Teppichetagen die Rede. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Nicht ein Daniel Vasella oder Peter Brabeck prägen den Führungsalltag in den Unternehmen. Es sind die rund 600000 Arbeitnehmenden, die gemäss dem Bundesamt für Statistik in einer Vorgesetztenfunktion, aber nicht in einer Geschäftsleitung arbeiten. Jeder Angestellte weiss: Ein Chef, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, kann das Klima in einer ganzen Abteilung vergiften. Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich Leute mit einer Führungsfunktion in einer Ausbildung auch theoretisch mit ihrer Rolle auseinander setzen. Mitarbeiterzufriedenheit hängt nämlich auf allen Hierarchiestufen stark von der fachlichen und sozialen Führungskompetenz der direkten Vorgesetzten ab. Es braucht nicht nur Konzernchefs mit renommierten MBA-Titeln, sondern auch Abteilungsleiter und Teamchefs, die es verstehen, angemessen zu führen und mit Menschen umzugehen.

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Grosser Bedarf

Die Ergebnisse einer Studie der Universität Siegen, wonach die Unterstützung im Bereich Führungsausbildung oft mangelhaft ist (siehe Kasten), überrascht den Berner Professor Norbert Thom nicht. «In mittelständischen Betrieben gibt es relativ wenig Kaderleute. Diese fehlen umso mehr, wenn sie einige Tage weg sind. Deshalb tun sich manche dieser Firmen schwer mit dem Thema Weiterbildung», erklärt der Direktor des Instituts für Organisation und Personal der Uni Bern. Bei den MBA-Ausbildungen für das Top-Kader würde hingegen weniger gespart. Doch es gebe auch Beispiele von kleineren Unternehmen, die sich vorbildlich um die Entwicklung ihrer Mitarbeiter kümmern. Dies sei nämlich nicht eine Frage des Geldes, sondern der Planung, sagt Thom weiter.

Insgesamt ist in der Schweiz das Bedürfnis nach Weiterbildung gross. Gemäss dem Bundesamt für Statistik standen im Jahr 2007 Kaderkurse bei der berufsorientierten Weiterbildung zusammen mit Kursen in Gesundheit und Medizin an oberster Stelle. Im vergangenen Jahr haben rund 2 Mio Schweizerinnen und Schweizer an solchen Weiterbildungskursen teilgenommen und damit rund 4 bis 5 Mrd Fr. Umsatz für die Veranstalter und Schulen generiert.

In Grosskonzernen wie Nestlé, Novartis oder ABB beginnt die Führungsausbildung bereits auf den untersten Stufen. Es gibt interne und externe Weiterbildungen und spezielle Nachwuchsförderprogramme für talentierte Mitarbeiter. Spezielle Führungskurse gehören zum Pflichtenheft der Personalabteilungen solcher Konzerne. Ein MBA-Titel ist hier gerne gesehen. Doch die Schweizer Wirtschaft ist geprägt von mittelständischen Unternehmen. Rund 300000 KMU beschäftigen drei Viertel aller Arbeitnehmer. 90% von ihnen haben weniger als zehn Mitarbeiter. Bei diesen Unternehmen zählt weniger der Titel als das Wissen in der Praxis.

Beispiel Akad

Auch für Eduard Suter, Unternehmensleiter von Akad Business, ist für die Wahl einer Weiterbildung entscheidend, welche Anforderungen in der Praxis gestellt werden. «Ein Executive MBA empfehlen wir, wenn jemand ein grosses Interesse an strategischen Fragen hat und dies in seinem beruflichen Alltag gefragt ist», sagt er. Der Führungsalltag eines Teamleiters oder Abteilungschefs sieht jedoch meist anders aus. Sie sind für das operative Geschäft zuständig, sie müssen die Prozesse beherrschen und gut mit Menschen umgehen können. «Kaderleuten, die sich dafür schnell das notwendige Rüstzeug holen wollen, empfehlen wir eine Ausbildung zum Führungsfachmann oder zur Führungsfachfrau», sagt Eduard Suter weiter. Die Akad, die auch auf MBA-Stufe ausbildet, bietet als eine von 70 Schulen in der Schweiz diese Kurse seit drei Jahren nach dem Ausbildungskonzept der SVF-ASFC an. Jährlich schliessen gegen 200 Absolventinnen und Absolventen die Ausbildung mit einem eidgenössischen Fachausweis ab.