Wenige junge Marken schreiben in rund 20 Jahren eine Erfolgsgeschichte wie das unabhängige Genfer Familienunternehmen des holländischen Ehepaars Stas Bax. Die Juristin Aletta Bax und der Betriebsökonom Peter Stas waren in den 80er Jahren in internationalen Grossbetrieben in Asien tätig und frönten derselben Passion - den Schweizer Uhren, die sie während regelmässiger Skiferien in den hiesigen Alpen kennen lernten.

Was zuerst als Hobby begann, wurde ab den 90er Jahren Ernst. Aletta und Peter liessen ihre selbst verfertigten Skizzen bei einem Uhrmacher in Genf als Prototypen realisieren und präsentierten sie 1991 auf einer Messe im Fernen Osten. Als ein Grossist aus Japan gleich 350 Stück orderte, wars um Aletta Bax und Peter Stas geschehen. Sie zogen in die Uhrenstadt Genf, um ihren Traum einer eigenen Schweizer Uhrenmarke zu verwirklichen.

Auf Vorfahren zurückgegriffen

Den Markennamen leiteten sie von den Vornamen ihrer Urgrosseltern ab: Frédérique von Alettas Urgrossmutter und Constant von Peters Urgrossvater. Aufgrund eines Businessplanes erhielt das Ehepaar Aufenthaltsbewilligung und Arbeitserlaubnis, der Gründung ihrer Familienaktiengesellschaft stand nichts mehr im Wege. Um die wirtschaftliche Existenz zu sichern, arbeitete Peter Stas weiterhin als Marketingmanager bei Philips.

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Die ersten 350 Uhren der Marke Frédérique Constant liess das Ehepaar von einem kleinen Genfer Uhrmacherteam herstellen, bevor es nach und nach ein Atelier mit eigenen Uhrmachern aufbauen konnte. Dabei verfolgten Stas Bax eine Strategie, die in der heutigen Giergesellschaft aufhorchen lässt: «Wir wollen bei Uhrenliebhabern mit bezahlbaren Luxusuhren erste Wahl sein.» Während seit Jahren die meisten Mitbewerber die Preise stetig erhöhen, bleibt Frédérique Constant dem mittleren Preissegment von 700 bis 3500 Fr. (limitierte Spezialitäten ausgenommen) treu.

Mit zunehmendem Interesse an der zurückgekehrten Mechanik besann sich auch Frédérique Constant auf die althergebrachte Uhrmacherkunst und entwickelte die erste Heart Beat, die bei 12 Uhr die Unruh mit ihren 28800 Schwingungen je Stunde zeigt und so das «pochende Uhrenherz» zur Beobachtung freilegt. Leider vergass das Jungunternehmen, das Charakteristikum dieser Uhr bei seiner Lancierung 1994 offiziell zu schützen; so verging kaum ein Jahr, bis die ersten Kopien mit «offenem Herzen» auf dem Markt erschienen ...

Das rasch einsetzende Wachstum tröstete das junge Team darüber hinweg, es nahm sich vor, die Heart-Beat-Kollektion regelmässig mit Zusatzkomplikationen zu ergänzen. Deshalb folgte 1998 eine Tag-Nacht-Anzeige, ein Jahr später ein Ewiger Kalender und 2001 die Heart Beat Retrograd, wobei die beiden ersten Komplikationen mit Dubois Dépraz und die letzte mit Agenhor entwickelt wurden.

Getreu seinem Slogan «Live your passion - Lebe deine Leidenschaft» konnte das Unternehmen 2004 sein erstes eigenes Manufakturuhrwerk vorstellen. Drei Jahre Entwicklung investierte ein hauseigenes Team, in Zusammenarbeit mit Spezialisten der Genfer Uhrmacher- und Ingenieurschulen, in dieses Abenteuer. «Mit dieser Arbeitsweise konnten die Entwicklungskosten kontrolliert und eingehalten werden und unser Team zudem vom enormen Know-how der Spezialisten profitieren», freut sich Peter Stas. Sämtliche Modelle mit Manufakturwerk unterscheiden sich innerhalb der Heart-Beat-Kollektion mit der Öffnung auf der 6-Uhr-Position und der Bezeichnung Heart Beat Manufaktur sowie letztlich durch ein höheres Preissegment von 5000 bis 15000 Fr.

Das rasante Wachstum - Frédérique Constant wächst jährlich im hohen zweistelligen Bereich - und die stetig steigenden Immobilienpreise in der Stadt Genf veranlassten das Familienunternehmen, in nächster Nähe zum Flughafen Cointrin selbst zu bauen. 2006 konnte im Genfer Industriegebiet Plan-les-Ouates eine 3200 m2 grosse Manufaktur über vier Ebenen eröffnet werden. Sie bietet Platz für alle Bereiche der Uhrmacherei.

Seit 2004 lancierte Frédérique Constant vier neue Manufakturkaliber. In der Folge musste das Uhrwerk-Team um drei zusätzliche Uhrmacher verstärkt werden. Seit letztem Jahr fehlt auch ein Tourbillon nicht, das, in Roségold auf 188 Stück, in Weissgold auf 88 Stück limitiert, für rund 44000 Fr. zu haben ist. Das Spezielle daran ist das Ankerrad aus Silizium, welches sich innerhalb eines Tourbillonmechanismus als besonders nützlich erweist. Seine Vorteile: Kein Uhrenöl ist erforderlich. Dazu kommen das sehr geringe Gewicht und hervorragende Reibungseigenschaften, sodass der Energiebedarf reduziert wird.

Der Tourbillonkäfig besteht aus 80 Einzelteilen, die auf einer ultrapräzisen CNC-Maschine in der Manufaktur hergestellt werden. Während die meisten Tourbillons eine Frequenz von 3 Hertz aufweisen, schafft es Frédérique Constant mit 4 Hertz (28800 Halbschwingungen je Stunde). Die grössere Schwingungszahl gewährleistet ein höheres Mass an Exaktheit des Tourbillonkalibers.

Im Schnellzug auf 100000 Stück

Damit ist Frédérique Constant, zumindest zu einem kleineren Teil, endgültig in die Domäne der Haute Horlogerie vorgestossen. Ihre Zeitmesser sind allesamt sehr schön verarbeitet und dürfen auf dem Zifferblatt den Namenszug Genève tragen. «Made in Genf» setzt voraus, dass die Uhren von Hand zusammengesetzt sind, mindestens 50% ihres Wertes im Kanton Genf selbst erbracht und durch den Kanton kontrolliert worden sind. Laut Aletta Bax Stas macht der Schweizer Zoll bei Exportlieferungen regelmässig Kontrollen.

Heute beschäftigt das Familienunternehmen rund 80 Mitarbeitende, davon zwei Drittel in der Produktion, welche 20 Jahre nach der Firmengründung rund 100000 Uhren fertigen und in 65 Ländern in rund 2500 Verkaufspunkten absetzen. Die stärksten Märkte liegen mit eigenen Filialen in Miami und Hongkong in den USA und im Fernen Osten, mit Deutschland, Holland und der Schweiz jedoch ebenso stark vor der Haustür. Dank gutem Distribuent in China gehe es auch dort noch sehr gut; in Japan und Russland seien hingegen momentan Höhen und Tiefen eher die Regel.

Mit etwa einem knappen Drittel ist der Anteil an Damenuhren recht gross. Dazu stellt Frau Bax Stas fest: «Nur wenn Damenuhren in einem kreativen Design von Grund auf neu gestaltet sind, ist man erfolgreich damit. Mit bloss verkleinerte Herrenuhren ist heute kein Geschäft mehr zu machen, umso mehr, als zahlreiche Frauen für sich längst auch Herrenmodelle wählen.»

Auf der «BaselWorld 2009» sollen insgesamt 35 neue Uhrenmodelle vorgestellt werden, die sich nach den Worten von Peter Stas allesamt prima in die acht bestehenden Kollektionen einfügen. Wobei jene der Heart Beat - auch ohne Patentschutz - längst zur Bestsellerin gewachsen ist.

Drei bekannte Nachbarn

Auf die Frage nach dem Rezept ihres andauernden Erfolgs meint Aletta Bax Stas mit einem Schmunzeln: «Ja, wir sind selbst erstaunt, uns heute in unmittelbarer Nähe grosser Namen wie Patek Philippe, Piaget oder Rolex zu befinden. Und dies - von der Hypothek auf dem Manufakturgebäude abgesehen - ohne Schulden. Wir legen grossen Wert auf den Input unserer langjährigen Kunden. Nach der Produktion der zweiten, dritten Prototypen bitten wir unsere Hauptkunden um ihre offene Meinung. Natürlich muss die endgültige Entscheidung bei uns liegen, um den Stil und Charakter unserer Kollektionen nicht zu verwässern, doch die Ideen aus aller Welt unterstützen unsere Erfahrung und eine enge Kundenzusammenarbeit schafft Vertrauen ins Produkt und das Unternehmen.»

Als Eltern zweier schulpflichtiger Kinder arbeitet Aletta Bax Stas heute halbtags, leitet Produktion und Administration, während sich Peter Stas Marketing, Vertrieb und Finanzen annimmt.