Selten wurde die Weisse Arena AG ihrem Namen so gerecht wie im Moment. Meterhohe Schneemauern säumen diesen Winter selbst die Dorfkerne von Laax und Flims. Was in Zeiten des Klimawandels nicht mehr selbstverständlich ist, lockt heuer abertausende von Skifahrern und Snowboardern ins Bündner Skigebiet. An Spitzentagen zählt Reto Gurtner, CEO der Bergbahn- und Dienstleistungsgesellschaft, gegen 20000 Eintritte. Rund 260000 Schneesportler haben die Weisse Arena in diesem Winter bisher besucht, das sind 9% mehr als im Vorjahr. Und auch für die bevorstehenden Sportferien sieht es sehr gut aus. Die Hotels in Flims/Laax sind so gut wie ausgebucht.

Rekord auf Rekord

Dazu werden aufgrund der Top-Schneeverhältnisse unzählige Tagesgäste in die Skigebiete strömen, wovon auch andere Bergbahnen profitieren. Die grösste unter ihnen, die Jungfraubahnen im Berner Oberland, haben zwar im November und Dezember gegenüber dem Rekordvorjahr leicht an Gästefrequenzen eingebüsst, doch CEO Urs Kessler erwartet in den kommenden Wochen einen gewaltigen Ansturm und steuert auf das zweitbeste Betriebsergebnis in der Unternehmenshistorie zu.

Auf Rekordkurs sind neben der Weissen Arena zurzeit auch die Titlis-Rotair-Bahnen. Per Ende Januar beträgt der Vorsprung gegenüber dem Vorjahr 7%. Bereits das Geschäftsjahr 2007/08 schloss die grösste Zentralschweizer Bergbahn mit einem Rekordumsatz von 45,6 Mio Fr. ab.

Christen Baumann, CEO der Zermatt Bergbahnen, spricht von «ein paar Prozentpunkten», die man zurzeit über dem Vorjahr liege. Steigerungsraten aufgrund des Traumwinters melden auch die Bergbahnen in Savognin, Saas Fee, Davos oder Arosa.

Anzeige

Die Erfolgsmeldungen sind hoch einzuschätzen, denn gemäss einer Statistik des Verbands Seilbahnen Schweiz (SBS) haben die Schweizer Bergbahnen bereits im vergangenen Jahr mit einem Personenverkehrsertrag von 950 Mio Fr. das beste Resultat aller Zeiten erzielt. Dazu kommen Nebeneinnahmen aus Zusatzgeschäften. Am breitesten aufgestellt ist diesbezüglich die Weisse Arena. Sie bezeichnet sich nicht mehr als Bergbahnbetrieb, sondern als Dienstleistungsunternehmen. Die reinen Transportleistungen machen dabei keine 50% mehr aus. Dafür kontrolliert die Weisse Arena zusätzlich gegen 2000 Hotelbetten, die lokalen Skischulen sowie den Verkauf und die Vermietung von Sportartikeln. «Wir offerieren den Gästen alle Dienstleistungen aus einer Hand und profitieren so von hohen Skaleneffekten», sagt Reto Gurtner, der das Modell mit Vollgas vorantreibt. Die ersten 30 Wohnungen des futuristisch anmutenden neuen Rocksresorts sind bereits in Betrieb. Ende 2009 werden 600 Betten an der Talstation Laax zur Verfügung stehen. Von den zusätzlichen Gästen profitieren alle Unternehmenssparten der Weissen Arena.

Die Integration von weiteren Dienstleistungen, die etwa US-amerikanische Skiresorts schon längst praktizieren, wird von anderen Bergbahnen eher sachte vorangetrieben. Bei Titlis Rotair gewinnt neben der Gastronomie zum Beispiel eine eigene Skivermietung finanziell an Bedeutung.

Sommerloch nach Winterparty

Die Schweizer Bergbahnen hoffen, dass der Schnee möglichst lange liegen bleibt und sie den aktuellen Wintersportboom maximal ausreizen können. Noch konnten sie die dazu notwendigen, hohen Investitionen tätigen: Mit einer Gesamtsumme von 265 Mio Fr. liegt das entsprechende Volumen trotz Finanzkrise nur unwesentlich unter dem Niveau des Vorwinters (272 Mio Fr.).

Anzeige

Nur: Im Hinblick auf den Sommer, für den sämtliche Prognosen Gästeeinbrüche voraussagen, drosseln die Bergbahnen ihr Investitionsvolumen spürbar. Christen Baumann, CEO der Zermatt Bergbahnen, beobachtet bereits heute eine wachsende Zurückhaltung der Feriengäste in Restaurants und Sportgeschäften. Auch Albert Wyler macht sich keine Illusionen: «Wir erwarten im Sommer 2009 einen Rückgang des internationalen Gruppenreiseverkehrs», so der CEO von Titlis-Rotair. In der Jahresplanung 2009 hat er deshalb auf zahlreiche Neuanschaffungen verzichtet. Auch Erneuerungsinvestitionen werden bei Titlis-Rotair vorübergehend eher mit eigenen Handwerkern getätigt.

 

 

nachgefragt


«Wintersportler wollen rasch auf die Piste»

Reto Gurtner ist CEO der Weissen Arena, der zweitgrössten Schweizer Bergbahn-Unternehmung.

Trotz Finanzkrise überfluten Deutsche, Briten und Holländer Ihre Skipisten. Was schätzen sie an Flims/Laax?

Reto Gurtner: Dass sie bei uns alle Leistungen, vom Hotel über die Skiausrüstung, die Skischule und das Bergbahnticket, aus einer Hand buchen können. Der Wintersportler will heute rasch und einfach zu seinem Zimmer und auf die Piste kommen und dafür nicht x verschiedene Anlaufstellen kontaktieren.

Gewähren Sie Aktionspreise?

Gurtner: Nein. Traditionsgemäss offerieren wir in der Zwischensaison Pauschalangebote. Diese sind etwas günstiger als in der Hochsaison. Die Gäste kommen aber nicht wegen der Preise zu uns, da gibt es günstigere Gebiete.

Planen Sie schon weitere Projekte wie das Rocksresort?

Gurtner: Ich kann mir gut vorstellen, ein weiteres Resort zu bauen. Das könnte auch etwas höher gelegen sein, vielleicht im Skigebiet.

Anzeige

Ist eine destinationsübergreifende Expansion des Modells Weisse Arena möglich?

Gurtner: In der Schweiz mit ihrem sehr klein strukturierten Tourismus fast nicht. Von ausländischen Gesellschaften kommen immer wieder Kooperations- oder Kaufangebote. Diese werden von uns geprüft.