Es wird nicht mehr lange dauern und Solarstromanlagen in der Schweiz arbeiten wirtschaftlich», sagt Cathy Kroh, Marketingleiterin der SunTechnics Fabrisolar AG. Wie lange genau, werde allerdings abhängig sein von der Preisentwicklung und den zukünftigen Rahmenbedingungen. Dazu gehören etwa Einspeisevergütungen, die ab dem 1. Mai 2008 in der Schweiz beantragt werden können. Die Nachfrage für Solarenergieanlagen habe deutlich zugenommen, bestätigt Kroh. Eben hat SunTechnics zwei Grossanlagen fertiggestellt. Im Dezember 2007 ans Netz gegangen ist die Anlage auf dem 30 m hohen Dach des umgebauten und erweiterten Zentralersatzteillagers der Amag in Buchs bei Zürich. Mit 936 Solarmodulen ist es die grösste private Anlage im Kanton Zürich. Den Solarstrom benötigt der Autoimporteur für den Betrieb des Zentrallagers mit seinen automatischen Förderanlagen und modernen Brandschutzeinrichtungen. Den Überschuss kann die Amag ins Netz der EKZ einspeisen oder auch an der Solarstrombörse verkaufen. Alleine aus wirtschaftlichen Überlegungen hat die Amag ihre Anlage jedoch nicht gebaut. «Wir sehen die Anlage als eine Investition in die Zukunft», sagt Rudolf Bernhard, Direktor der Amag Buchs. Eine Amortisation der 1,8 Mio Fr. teuren Anlage würde in jedem Fall über 15 Jahre beanspruchen.

Auch die Anlage auf dem Dach des neuen Geschäftshauptsitzes der Mövenpick-Tochter Marché International in Kemptthal hat Sun Technics gebaut. Das neue Gebäude gehört zu den Vorzeigeobjekten überhaupt in der Schweiz und hat den Solarpreis 2007 gewonnen. Marché ist das erste mehrstöckige Bürogebäude der Schweiz, welches im Jahresdurchschnitt den gesamten Energiebedarf ohne Fremdzufuhr vollständig deckt. Vorbildlich ist dabei neben einer optimalen Isolierung und ganzflächig verglaster Südfassade vor allem auch die Solaranlage, die mit einer Leistung von 40000 Kilowattstunden (KWh) den gesamten Warmwasser-, Heizungs- und Elektrizitätsbedarf 365 Tage im Jahr zu 100% abdeckt. Dabei weist Urs Keller, Projektleiter und verantwortlich für Bau und Unterhalt der gesamten Marché-Gruppe, darauf hin, dass die Erstellung des Gebäudes nicht teurer als vergleichbare Bauten war. Gleichwohl geht Keller nicht davon aus, dass eine Solaranlage in den nächsten fünf Jahren bereits wirtschaftlich betrieben werden kann. Und, so heisst es auch bei Marché, dass es bei der Erstellung des Gebäudes vor allem auch darum ging, «ein Zeichen zu setzen». Dazu ergänzt Urs Keller, dass nicht Marché, sondern die EKZ Betreiberin der Solarstromanlage sei, womit der Gastrokonzern die Energieleistung nur einkaufe und dafür einen Aufpreis von 85 Rp. je bezogene KWh bezahle. Zum Vergleich: Der Mischpreis für eine bezogene KWh bewegt sich im Kanton Zürich zurzeit bei 10 bis 12 Rp.

In fünf Jahren wettbewerbsfähig

In etwa bestätigt werden diese Zahlen auch vom Verband der Schweizer Solarbranche. «Je nach Grösse der Anlage liegen die Produktionskosten zwischen 50 und 90 Rp. pro KWh», sagt David Stickelberger, Geschäftsführer Swissolar. Stickelberger geht allerdings davon aus, dass sich dies schon bald ändern dürfte. Solarstrom werde in gewissen Regionen Europas bereits in fünf Jahren wettbewerbsfähig sein. Er begründet dies mit absehbaren Strompreissteigerungen. Alleine die Axpo rechne mit einem Anstieg von bis zu 50%. Demgegenüber stehen Kostensenkungen mit zunehmender Produktion von Solarstrom, wobei jede Verdoppelung des weltweiten Marktvolumens zu einer Kostensenkung von rund 18% führe.

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