Ein umfangreiches Privatisierungsprogramm hat im letzten Jahr mit dem Einstieg der Deutschen Telekom bei der staatlich kontrollierten OTE seinen vorläufigen Abschluss gefunden. Nach langwierigen Verhandlungen mit der griechischen Regierung hat sich der deutsche Telekommunikationsriese für 3,2 Mrd Euro einen Anteil von 25% am griechischen Branchenleader gesichert. Die Einsitznahme der Deutschen Telekom war politisch umstritten. Die Gegner sprachen davon, der Staat gebe «die Filetstücke in ausländische Hände». Demgegenüber argumentierte der ehemalige Wirtschaftsminister Jorgos Alogoskoufis, das Engagement der Deutschen Telekom sei «eine willkommene Entwicklung, die mit der Strategie der Regierung für die OTE übereinstimmt». Schon früher hatte OTE-Chef Panagis Vourloumis klar gemacht, dass ein technologisch starker Partner die Position seines Unternehmens stärken würde. Frühere Gespräche mit dem späteren Käufer und der spanischen Telefonica verliefen allerdings ergebnislos.

Profitabler Mobilfunk

Erst als die griechische Telekommunikationsfirma mit vorzeitigen Pensionierungen den Personalbestand markant zurückgefahren hatte und die Arbeitsverträge flexibler ausgestattet wurden, griffen die Deutschen zu. In der Zwischenzeit hatte OTE zudem die Mobilfunktochter Cosmote, die lediglich zu zwei Dritteln beherrscht wurde, komplett übernommen und in die Gruppe integriert. Dieser Schritt zahlte sich bereits aus. Die Mobilfunksparte sorgte im Neunmonatsergebnis 2008 für einen klaren Gwinnsprung, obwohl das Geschäft mit der Fixtelefonie erneut rückläufig war. «Mit der vollständig kontrollierten Cosmote, gestärkten Managementteams bei allen Aktivitäten und der Unterstützung durch einen gewichtigen Partner sind wir bestens gerüstet, um die Profitabilität der Gruppe weiter zu verbessern», sagte Panagis Vourloumis.

Vom Zusammengehen mit der Deutschen Telekom erwartet der OTE-Chef Einsparungen von rund 2 Mrd Euro, unter anderem über niedrigere Finanz- und Beschaffungs-kosten. Wie weit sich das realisieren lässt, muss sich allerdings erst in der Zukunft zeigen. Die operative Verantwortung geht sukzessive an die Deutsche Telekom über, wenn beide Partner je ein Viertel des Aktienkapitals halten. Die griechische Regierung wird den Verwaltungsratspräsidenten bestimmen, und sowohl der Staat wie die deutsche Telekommunikationsfirma werden paritätisch mit je fünf Mitgliedern im Aufsichtsgremium vertreten sein. Dazu kommt ein Exekutiv-Komitee mit je zwei Vertretern beider Seiten, das operativ führt. Mit diesen Massnahmen hat sich die griechische Regierung ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen gesichert. Vorderhand soll auch der Firmenname OTE für mindestens zwei Jahre weiter bestehen.

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Effizienzgewinne

Die Effizienzgewinne werden für die OTE-Gruppe im südosteuropäischen Raum ausschlaggebend sein. Das gilt vor allem für die Expansionsstrategie in die Balkanländer. Auch im Heimmarkt wird das halbstaatliche Unternehmen durch Billiganbieter speziell im Bereich der Fixtelefonie bedrängt. Panagis Vourloumis beklagt die Dumpingpreise der Konkurrenz, die langfristig nicht durchzuhalten seien. Im 3. Quartal 2008 führte dies zu weiteren Verlusten in dieser Sparte. Gleichzeitig hat sich der Marktanteil des früheren Monopolisten auf rund zwei Drittel vermindert. Um diesen Negativtrend im fixen Telefongeschäft zu drehen, will OTE neue Produkte lancieren, die Servicequalität verbessern und die Marketinganstrengungen intensivieren.