Der Auftakt zum Börsenjahr 2008 brachte der Schweiz einen herben Taucher. Eine Ausnahme bildet der Basler Agrokonzern Syngenta, dessen Aktie zum Jahresbeginn um fast 5% in die Höhe schoss. Der Grund ist ein überraschend positives Quartalsergebnis von Konkurrent Monsanto, der insbesondere in Brasilien Terrain hinzugewann. Der amerikanische Agromulti, der 90% des Weltmarkts für genverändertes (GV) Saatgut kontrolliert, ist allerdings völlig anders aufgestellt als Syngenta. Das betont Nina Baiker, Chemie-Analystin bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB): «Bei Syngenta macht GV-Saatgut nur gerade 6% (2006) des Gesamtumsatzes aus. Relevant für das Geschäftsergebnis ist mit 70% Umsatzanteil vor allem der Pflanzenschutz.»

Lateinamerika sorgt für Schub

Trotzdem sei der Analogieschluss von Monsanto zu Syngenta nicht aus der Luft gegriffen, denn eine verstärkte Nachfrage nach GV-Saatgut lasse auch bei herkömmlichen Saaten sowie beim Pflanzenschutz eine positive Entwicklung erwarten, so Baiker. Helvea-Analyst Martin Flückiger will die Monsanto-Zahlen ebenfalls nicht 1:1 auf Syngenta übertragen: «Doch Monsanto zeigt, dass die generelle Marktdynamik im Agrobusiness, insbesondere in Lateinamerika, ausgezeichnet ist.» Dies spiegelt sich nicht zuletzt in den hohen Erwartungen ans Jahresergebnis 2007, das Syngenta am 7. Februar 2008 präsentieren will. Helvea geht von einem Umsatzwachstum von 11% auf 8945 Mio Dollar aus. Den Gewinn vor Restrukturierungskosten pro Aktie sieht der Broker bei 10.36 Dollar (plus 19%). Diese Prognose liegt im Rahmen der vom Konzern selbst gesetzten Wachstumsziele.

Die Konsumenten entscheiden

Auch die nach dem fast 50-prozentigen Anstieg im letzten halben Jahr stolze Bewertung der Aktie sei durchaus gerechtfertigt, erklärt Baiker: «Margen und Marktperspektiven im Agrobusiness sind sehr attraktiv. Zudem besteht im Pflanzenschutzbereich aufgrund von Resistenzbildung ein ständiger Innovationsbedarf.» Weitere Wachstumstreiber sind die steigende Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln, die Ausdehnung der Anbauflächen, die historisch niedrigen Vorräte an Mais, Weizen, Soja und Reis sowie die Dynamik bei den Biotreibstoffen. Hinzu kommt in diesem Jahr ein sich abzeichnender Befall der US-Sojapflanzungen durch den Pilz Asian Rust, was die Fungizid-Nachfrage ankurbeln wird. Kein Problem stellt Flückiger zufolge der Dollarzerfall dar: «Der Währungsanstieg in den Schwellenländern macht allfällige Einbussen mehr als wett.»

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Trotzdem hat Syngenta mit Gegenwind zu kämpfen. So wurde Mitte 2007 die EU-Zulassung des Syngenta-Herbizids Paraquat widerrufen. Dieses dürfte weltweit rund 2 bis 3% der Herbizid-Umsätze von Syngenta generieren. Doch führt der Agrokonzern vergleichbare Produkte im Portfolio, welche die Verkaufsrückgänge bei Paraquat weitgehend ausgleichen dürften. Grösser scheinen hingegen die Probleme bei der EU-Bewilligung für den Anbau des genveränderten Bt-11-Maises zu sein. Hier erwartet Nina Baiker keinen raschen Durchbruch; genmanipuliertes Saatgut werde aber in Zukunft immer wichtiger: «Syngenta verfügt über eine breite Pipeline und baut das entsprechende Know-how systematisch aus.»

Welche Zukunft dem GV-Saatgut in Europa beschieden ist, wird allerdings weniger die Zulassungspolitik der EU als vielmehr die Konsumentenschaft entscheiden. «Solange die Bevölkerung GV-Nahrungsmittel ablehnt, werden die EU-Bauern diese Saaten nicht anbauen – selbst wenn es der- einst erlaubt sein sollte», bringt Flückiger das Problem auf den Punkt.