Es gibt Kleiderschränke mit über 30 «Erfolg»-Artikel. Obwohl sie teilweise zehn Jahre auf dem Buckel und verschiedene Modetrends überlebt haben, sehen sie aus wie neu. Dabei werden sie getragen, gewaschen, an die nächste Kreativsitzung oder inzwischen zum Dinner ausgeführt.

«Normal, ausser mit der Schere, sind unsere Textilien kaum umzubringen», findet Walter Reinhard, Geschäftsführer von Erfolg, selbst in ein geknöpftes Hemd aus Single Jersey gehüllt. «Langlebig werden die Shirts durch das Grundmate-rial, die langstapeligen Baumwoll-fasern», verrät der Fachmann. Und zeitlos wirken sie durch die reduzierte Designsprache. «Der Trikot soll die Silhouette unterstützen, nicht zerfleddern.»

Die Zentrale ist ein historisches Haus am eleganten Spalenberg in Basel, in dem es fast so eng ist wie in einem Rollkragenpullover. Im Parterre werden die Exponate verkauft, im 2. Stock besprochen und im 3. Stock von Inhaberin Sandrine Voegelin entworfen. Vor ein paar Jahren hat die Designerin und Begründerin die Oberteile noch eigenhändig im Haus gefärbt. Entsprungen ist Erfolg 1993 aus dem Recyclinggedanken, getragene Kleidungsstücke durch kleine, freche Interventionen aufzuwerten und zu individualisieren.

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Mit dem Erfolg - auch via Empfehlung des englischen Trendmagazins «Wallpaper» - kam dann die Auslagerung der Bereiche: Inzwischen wird in Fehraltorf ZH gefärbt. «So, dass man das Wasser nach dem Klären trinken kann», sagt Voegelin. Produziert werden die Shirts und Strickwaren in Fabriken in Bichelsee und Ermatingen TG. Die «Tour de Suisse» führt weiter über den Konfektionsstandort Zofingen AG und endet vorerst in Zürich und Basel, wo die Teile in eigenen Shops verkauft werden.«Als industrieller Hersteller sind wir stolz, immer noch in der Schweiz zu produzieren», ergänzt Voegelin. «Durch die kurzen Distanzen bewahren wir den ökologischen Aspekt.» Das einzige asiatische Element in der Produktionskette sind die intelligenten Strickmaschinen aus Japan. Was sie können, löst in Reinhard pures Entzücken aus. Er führt es an einem federleichten Rollkragenpullover aus Merinowolle vor: «Etwas Garn einführen und die Maschine rattert dieses Stück heraus. Besser geht es nicht. Keine einzige Naht, alles aus einem Guss - das perfekte Architektenteil», jubelt Reinhard. «Aber wir würden nie sagen, dass wir Mode machen. Erfolg bleibt eine Casual-Geschichte.»

Intuitive Farbwahl

Voegelin bezeichnet ihre Kollektionen derweil als «Neutrum» im Kleiderschrank, das mit Trends und Gegentrends kompatibel ist. Bewährte Designs bleiben im Sortiment. Neue Modelle kommen hinzu. Neben dem strumpfartigen Rolli beispielsweise der Pullover mit Kapuzenkragen. Bei der Farbwahl für die Sommer- und Winterkollektionen geht Voegelin intuitiv vor: «Was fördert den Teint, was sieht gut aus zu Jeans?» Lautet die allgemeine Farbprognose «Pink», dann hat Erfolg sie vielleicht nicht im Angebot. Trotzdem findet man ein Exemplar in Pink im Outlet im 1. Stock. «Wir sind eher der Kiel im Modebusiness, nicht der Wind oben», sagt Reinhard.

Rund 15000 Exemplare verkauft Erfolg jährlich. Ist das viel, ist das wenig? Es gehe nicht darum, auf Biegen und Brechen immer mehr zu produzieren, meint Reinhard, sondern das, was sei, zu verfeinern. Etwas Inkonsequenz leistet sich Erfolg mit den langstapeligen Baumwollfasern. Denn diese stammen nicht aus ökologischem Anbau. Bis sich die besten Biobaumwollfasern auf dem Weltmarkt finden lassen, arbeitet man lieber mit den herkömmlichen.

«Wir leben in einem gesättigten Markt mit gesättigten Emotionen. Das bedeutet für uns, jeden Tag die Ärmel hochzukrempeln. Auch weil unsere Marge eher knapp bemessen ist», sagt Reinhard. Immerhin gibt es nebst dem Wegwerftrend zunehmend jenen zum bewussten Konsum. Neben Grafikern, Architekten und Szenenleuten finden sich unter den «Erfolg»-Kunden zunehmend ebenso qualitätsbewusste Frauen ab 40 Jahren. Für die Girls, welche die Shirts letzthin so cool fanden, waren sie aber zu teuer. Wobei: «Warum gibt es kein internationales Preismodell, das Kleider für die Lebensdauer belohnt?», sinniert Reinhard.