Die derzeitige Finanzmarktkrise trifft die Nutzfahrzeugindustrie in Westeuropa bei rückläufiger Nachfrage in vollem Umfang. Die aktuellen Marktperspektiven für Europa, Nordamerika und Japan sehen verhalten aus. Der Boom in Westeuropa ist vorbei und steht vor einem nachhaltigen zyklischen Abschwung, in den USA lässt nach einem tiefen Einbruch in der vergangenen Zeit die erhoffte Erholung weiter auf sich warten und in Japan bleibt die Nachfrage weiterhin schwach. Andreas Renschler, oberster Trucker des Stuttgarter Automobilkonzerns, will deshalb mit Führungsstärke und Entschlossenheit die aktuellen Herausforderungen angehen. Dazu zählen die schnelle Umsetzung von Personal-Flexibilisierungsmassnahmen in den deutschen Nutzfahrzeugwerken und die Neupositionierung von Daimler Trucks in Nordamerika, wo sich das Unternehmen künftig nur noch auf die Marken Freightliner und Western Star konzentriert und die beiden Werke der bisher dritten Nutzfahrzeugmarke, Sterling, in Kanada und im US-Bundesstaat Oregon schliesst. «Grundlage all unserer Strategien ist die optimale und effiziente Entwicklung von Produkten, die unsere Kunden überzeugen», rechtfertigt Renschler diese Vorgehensweise.

Umfassender Prüfprozess

Dem hohen Qualitätsanspruch an alle Funktionen des Nutzfahrzeugbetriebs wird Mercedes-Benz durch einen sich über den gesamten Entwicklungszeitraum erstreckenden gründlichen und qualitätssichernden Prüfprozess ge-recht. Basis ist ein hochmodernes und ausgeklügeltes Prüf- und Testsystem für alle Bauteile, Komponenten bis hin zum Gesamtfahrverhalten eines Mercedes-Benz Lastwagens. Vor allem die steigende Anzahl der verwendeten Steuergeräte sowie die komplexe Funktionsverteilung und -vernetzung verlangen hierbei nach einer koordinierten und systematischen Überprüfung des Zusammenspiels der beteiligten elektronischen Steuergeräte. Diese Anstrengungen erhalten noch mehr Bedeutung, wenn Chefingenieur Jörg Zürn, Leiter Entwicklung Mercedes-Benz Lkw, erklärt: «Die Elektronikstruktur eines Actros enthält über 30000 Steuerteile.» Unter diesem Gesichtspunkt ist es wirklich eine sehr gute Leistung, dass die Lastwagen mit dem Stern im Wettbewerbsumfeld die Marke mit der geringsten Anzahl von Ausfällen ist. Damit liegen Actros, Atego, Axor, Econic und Unimog sowie der neue Militärlastwagentyp Zetros deutlich vorne bezüglich Fahrzeugverfügbarkeit. Dies bestätigen auch zahlreiche Aussagen von Kunden aus mehr als 100 Ländern weltweit.

Mittelpunkt in der langen Reihe der Entwicklungs- und Erprobungsmethodik ist das im Sommer 2008 nach 30 Monaten Bauzeit in Betrieb genommene Entwicklungs- und Versuchszentrum (EVZ) von Daimler Trucks in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mercedes-Benz-Montagewerk in Wörth am Rhein. In diese moderne Nutzfahrzeug-Erprobungsstrecke wurden 80 Mio Euro investiert. Das EVZ besteht aus den Elementen Versuchsstrecken, Funk-tions-Testbereich, Werkstatt und Bürokomplex für die rund 300 Mitarbeitenden des EVZ. Innerhalb der inneren Fläche befinden sich zahlreiche Schlechtwegstrecken mit 14 unterschiedlichen Fahrbahnprofilen. Darüber hinaus sind Fernverkehrstrassen abgebildet, ebenso wie urbane Verteiler-strecken, Schlagloch- und Buckelpisten, wüstenähnliche Waschbrettpisten und Baustellenverhältnisse.

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Blitzschnell umstellen

Die Testingenieure können innerhalb von Minuten mit ihren Testfahrzeugen von südkoreanischen Strassen auf afrikanische Pisten und europäische Autobahnen wechseln. Zum Funktionstestbereich gehören Fahrbahnen mit Neigungswinkeln bis zu 49%. Sie dienen der Erprobung von Bremsen, Assistenzsystemen, allgemeiner Fahrdynamik, Fahrkomfort-Untersuchungen, Federungsanpassung und Überprüfung des Gesamtfahrverhaltens.

Diese umfassende Zuverlässigkeitsoffensive hat System. Ziel ist es, den Kunden die maximale Verfügbarkeit und die maximale Nutzung ihrer Fahrzeuge auch in Zukunft zu sichern. Die Leitlinie gilt in allen Unternehmensbereichen –von der Entwicklung über die Produktion, den Verkauf bis zum Service in den Werkstätten. «Mit dem Markenversprechen ‹Trucks you can trust› – Fahrzeuge, denen man vertrauen kann – steht Mercedes-Benz für die kompromisslose Ausrichtung auf Qualität und Zuverlässigkeit. Fahrzeuge und Geschäftspartner, denen man in jeder Situation vertrauen kann, sind in der Transportwirtschaft die ausschlaggebende Basis des Geschäfts», betont Hubertus Troska, Leiter des Geschäftsbereichs Mercedes-Benz Lkw der Daimler AG, nachdrücklich.