Seit Beginn dieses Jahres verantwortet Hartmut Schick das weltweite Omnibusgeschäft der Daimler AG. Der Stuttgarter Automobilkonzern mit seinen Omnibusmarken Mercedes-Benz, Setra und Orion (USA) hat im vergangenen Jahr 40 600 Omnibusse und Fahrgestelle ab 8 t Gesamtgewicht abgesetzt und ist damit Weltmarktführer. Mit Hartmut Schick ist ein Manager an die Spitze des Geschäftsbereichs Daimler Buses gerückt, der eine umfassende Strategie für den langfristigen Erfolg der Sparte verfolgt.

Aus diesem Grund zeichnen sich für den 47-jährigen Diplom-Ingenieur gleich drei neue Hauptaufgaben ab: Die weltweite Markt-führerschaft auszubauen, in Europa im Rahmen der EvoBus die beiden Traditionsmarken Mercedes-Benz und Setra zu stärken sowie weiter in sie zu inverstieren, als auch der Entwicklung der welt- umspannenden Forderung nach umweltfreundlichen Omnibussen gerecht zu werden. Eine Full-Line-Aufgabe, die sich mit der Stärke eines grossen Konzerns und dessen vielfältigen Möglichkeiten sowie der Erfahrung versierter Mitarbeiter besser bewäl- tigen lässt. Im Gespräch mit der «Handelszeitung» stellt Hartmut Schick die Aufgabe, zukunftsorientierte Antriebstechnologien für Omnibusse anzubieten, in den Vordergrund. Schick dazu: «Auf diesem Gebiet zeigt sich der gewichtige Vorteil, ein Teil des Daimler-Konzerns zu sein, sehr deutlich, denn wir können intern von den Erfahrungen unserer Nutzfahrzeug-Kollegen profitieren und uns erprobte Komponenten für den Bus aussuchen.»

Hybridbusse im Trend

Hinsichtlich der Umweltakzeptanz seiner Produktsparte sieht Hartmut Schick nur den Weg, «mit Volldampf in die grünen Themen beim Bus zu gehen». Dabei kann er gleich ein erstes, sehr positives Ereignis vorweisen. Ende März wurde der Mercedes-Benz Stadtbus Citaro G BlueTec Hybrid in Mannheim vorgestellt. Mehr als 250 Kunden aus 15 Ländern hatten dabei die Gelegenheit, diese mo-derne Zukunftstechnik für Stadtomnibusse live zu erleben. Die Ex-perten aus europäischen Verkehrsbetrieben lobten nach der Fahr-zeugdemonstration des 18 m langen Hybrid-Stadtbusses das völlig abgasfreie Fahren auf Teilstrecken, den leisen und praktisch ruckfreien Antrieb, das moderne Fahrzeugkonzept mit vier elektrischen Radnabenmotoren sowie die weltweit grösste Lithium-Ionen-Batterie im Fahreinsatz. «Die Erfahrungen mit dieser Technologie können wir beim nächsten Schritt, dem Brennstoffzellenbus, eins zu eins verwenden», sagt Schick nicht ohne Stolz. Er sieht seinen Ge-schäftsbereich eindeutig in der Lage, für alle Märkte die kommen-den weltweiten Abgas-Normen, wie beispielsweise Euro 6 oder EPA 010 in den USA, erfüllen zu können. In Südamerika werden zunehmend die Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 gefordert; und diese bei Mercedes-Benz längst vorhandenen modernen Motoren sind nach und nach in die zwei- und dreiachsigen Fahrgestelle für die sehr differenzierten Märk-te des Subkontinents zu integrieren.

Anzeige

Der Mercedes-Benz Citaro G BlueTec Hybrid reduziert den ohnehin schon niedrigen Dieselverbrauch um bis zu 30% und in gleichem Masse den vieldiskutierten CO2-Ausstoss. Die ersten Fahrzeuge dieses Typs werden noch in diesem Jahr an Verkehrsbetriebe ausgeliefert. Marktkenner erwarten in Westeuropa, bei entsprechender Förderung der Hybridtechnik durch die öffentliche Hand, ein Nachfragepotenzial von mindestens 300 Hybrid-Omnibussen pro Jahr. Die US-Marke des Geschäftsbereichs Daimler Buses, Orion, ist weltweit Marktführerin bei Hybridbussen und hat mehr als eine Jahresproduktion an Bestellungen vorliegen und liegt damit an ihrer Kapazitätsgrenze.

Suche nach effizienter Batterie

Die fieberhaft ansteigenden Entwicklungen in der Automobilindustrie von effizienten und emissionsarmen Fahrzeugen prognostizieren ein grosses Marktvolumen für den Einsatz der Lithium-Ionen-Batterie nicht nur im Stadtbus, sondern in den unterschiedlichsten Fahrzeugsegmenten. Bereits im nächsten Jahrzehnt könnte die Schwelle von 10 Mrd Euro Umsatz überschritten werden. Allein in Deutschland soll nach dem Willen der Bundesregierung bis zum Jahr 2020 mindestens 1 Mio Elektroautos im Stadtverkehr fahren.

Von der Technik überzeugt

Drei Faktoren sind es, die den neuen Omnibuschef auf Anhieb von seiner neuen Tätigkeit überzeugt haben: Das breite Produktprogramm der Marken, die starke Basis des Omnibusgeschäfts im Konzern, die von seinem Vorgänger Harald Landmann nachhaltig mitgeprägt wurde, und nicht zuletzt die «Begeisterung, Vielfalt, Schnelligkeit und der Pragmatismus der Mitarbeiter». Hartmut Schick kann zuversichtlich sein. Und so spricht er unumwunden von einem Traumjob, wenn er die Omnibuswelt und ihr Umfeld reflektiert. Doch er weiss auch, woher diese starke Position kommt: «Wir stellen immer die Kunden in den Mittelpunkt. Diesem Standpunkt wird alles - von der Entwicklung über die Produktion bis hin zu Vertrieb und Kundendienst - untergeordnet, der Kundennutzen ist die Maxime.» Um die Erfolge in Europa auszubauen, will er deshalb auch künftig auf die Zwei-Marken-Strategie setzen: «Wir werden weiter in die Marken Mercedes-Benz und Setra investieren».

Der Geschäftsbereich Daimler Buses gehört zum Daimler-Ge-schäftsfeld Nutzfahrzeuge, hat vier Tochtergesellschaften und be-schäftigt insgesamt 18200 Mitarbeitende. Die organisatorischen Zuständigkeiten sind klar verteilt. Weltweit ist Daimler Buses gut aufgestellt mit dem Fahrgestellgeschäft der Mercedes-Benz do Brasil, der US-Marke Orion, der Vertriebsgesellschaft in Nordamerika und den Werken in Mexiko, Argentinien und Südafrika. Sie wickelt alle Joint Ventures oder Lizenzgeschäfte in Afrika und Asien ab, während die EvoBus für das Europageschäft (einschliesslich der Mercedes-Benz Türk) mit über 10000 abgesetzten Komplettbuseinheiten im Jahr verantwortlich ist.

Des Weiteren soll die Harmonisierung der Fertigungsprozesse im Rahmen des internationalen Produktionsverbundes weiter vorangetrieben werden, und im französischen Omnibuswerk in Lignyen-Barrois in Lothringen ist aufgrund des erfolgreich wachsenden französischen Marktes für Mercedes-Benz Stadtbusse (allein in Jahr 2008 von 18 auf 25% Marktanteil) eine kräftige Kapazitätssteigerung vorgesehen.