Wie lassen sich mit möglichst wenig Geld am meisten CO2-Emissionen reduzieren? Immer mehr Firmen erkennen, dass sie mit Mitarbeiteraktionen im Privaten schneller und günstiger Klimachampions werden können als mit betrieblichen Massnahmen. Erstmals will auch die Stiftung Klimarappen der Wirtschaft in eine Initiative zum Einbezug von Mitarbeitenden investieren.

Die Rechnung ist einfach: Wenn nur 5 bis 10% der Mitarbeitenden in einem Dienstleistungsbetrieb für Sparaktionen gewonnen werden können, übertreffen sie in der Regel die Gesamtemissionen des ganzen Unternehmens. Für die Migros gilt beispielsweise: Wenn die Angestellten ihre persönlichen CO2-Emissionen um 10% senken, sparen sie so viel, wie der Konzern ausstösst.

Kampagne Klima-Challenge

Ein Pionierunternehmen im Mitarbeiterengagement ist Swiss Re, das den Angestellten seit eineinhalb Jahren einen Bonus von bis zu 5000 Fr. für private CO2-Projekte wie den Einbau von energieeffizienten Heizungen zahlt. Im ersten Jahr profitieren 5% des Personals.

Das Potenzial der Mitarbeiteraktionen widerspiegelt sich auch in der Kostenentwicklung für Reduktionsmassnahmen. Während die Kosten für betriebliche Massnahmen am Anfang sehr tief – oder sogar negativ sind, steigen diese rasch an auf einen Preis für industrielle Massnahmen und Sanierungskosten, der gemäss Stiftung Klimarappen bei 80 bis 100 Fr. pro Tonne CO2 liegt (siehe Grafik).

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Um kleineren Unternehmen und solchen ohne Klimaexpertise den Einbezug der Mitarbeitenden im Klimaschutz zu erleichtern, hat ein Team von Umwelt- und Kommunikationsfachleuten zusammen mit dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften, Öbu, Anfang Juli 2008 die Kampagne Klima-Challenge lanciert.

Der Klima-Challenge lädt Mitarbeitende von Unternehmen dazu ein, Teams von drei bis vier Personen zu bilden, sich konkrete Ziele zu setzen und die CO2-Bilanz in der Freizeit wie auch im Arbeitsalltag schrittweise zu verbessern. Mit Informationen, Produktetipps und einer moderierten Online-Community sollen bis 2012 mindestens 30000 Mitarbeitende aus rund 40 Unternehmen erreicht werden. Ziel ist es, dass sich 1500 aktive Teams bilden, die insgesamt rund 1500 t CO2 pro Jahr ein-sparen. Am Ende des Jahres werden in drei Kategorien Preise verliehen.

Pionierprojekt für Klimarappen

Mit der Unterstützung durch die Stiftung Klimarappen soll die Kampagne sowohl für KMU wie international tätige Unternehmen kostengünstig sein. Die Beteiligungskosten für die Unternehmen sollen bei circa 1 Fr. pro Mitarbeiter und Jahr liegen, sofern der Antrag im Sommer bewilligt wird.

Geplant ist, dass die Stiftung, welche aus der seit 2005 erhobenen Abgabe auf Treibstoffen finanziert wird, um im Ausland und Inland für Massnahmen zur Senkung des CO2-Ausstosses aufzukommen, den Organisatoren pro eingesparte Tonne CO2 über 31 Fr. zahlt. «Es wäre das erste Projekt dieser Art», erklärt Marco Berg, Geschäftsführer der Stiftung auf Anfrage.

Der Klima-Challenge baut auf Mitarbeiter-Events auf und setzt diese in einen Gesamtrahmen eines sportlichen Wettbewerbs. Für Unternehmen ab 400 Mitarbeitenden wird der CO2-Monitor empfohlen, für kleinere Unternehmen bietet der CO2-Monitor ein vereinfachtes Online-Tool zur Erfassung der Einsparungen (siehe Kasten unten rechts). Eine Reihe von Firmen hat ihr Interesse an einer Beteiligung angemeldet – Swisscom, Migros, Coop, WWF Schweiz sowie die Bank Sarasin, Bank Coop und Mammut Sports Group.

Die Abgrenzung zwischen den innerbetrieblichen Massnahmen, die sich Unternehmen bei der Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) anrechnen lassen können, und dem Klima-Challenge ist klar. Bei Firmen mit EnAW-Vereinbarungen sollen bei den Zahlungen der Stiftung Klimarappen nur die CO2-Reduktionen der Mitarbeiter im Privaten angerechnet werden, nicht aber am Arbeitsplatz.

Betriebliche Klimastrategien

Die Mitarbeiteraktionen gelten als dritte Handlungsebene innerhalb einer betrieblichen Klima-strategie. Die klassische Klima-strategie beginnt bei der Energieeffizienz im eigenen Betrieb: Heizungen werden saniert, energieeffiziente IT-Geräte angeschafft oder Flugreisen durch Videokonferenzen ersetzt. Immer mehr Firmen nutzen auch externe Kompensationsangebote, die einen effizienten Klimaschutz ausserhalb des Unternehmens – oft in Entwicklungsländern – garantieren. Ein weiteres Handlungsfeld liegt in den Lieferanten- und Kundenbeziehungen: Eine Druckerei wählt zum Beispiel Papier nach dem Energieverbrauch bei der Herstellung und bietet kundenseitig klimaneutrales Drucken zu einem geringen Aufpreis an. Mit Ausnahmen wie Swiss Re wurde bisher das Handlungspotenzial der eigenen Mitarbeitenden wenig beachtet. Betriebsintern bekannt sind erst Mitarbeiteraktionen wie Energiesparwochen oder Bike-to-Work. Das Potenzial im Haushalt oder in der Freizeit der Mitarbeiter wurde noch kaum angezapft.