Die Zahl der gefälschten – oder nach ihrem Verfalldatum verkauften und einfach umgepackten – Medikamente ist erneut gestiegen. Dies vor allem aufgrund des immer beliebteren Kaufs via Internet. Schätzungen des Schweizerischen Heilmittelinstituts (Swissmedic) zufolge ist das bei jedem zweiten der mittlerweile rund 45000 über diesen Kanal bestellten Medikamente der Fall. Daher will Swissmedic im Oktober eine gross angelegte Kampagne starten, um die Bevölkerung für dieses Problem zu sensibilisieren.

Jede zehnte Arznei ist gefälscht

Dagegen gibt es nur ein wirksames Gegenmittel: Fälschungssichere Pharmaverpackungen, wie sie die Firma K+D herstellt. Die vor 125 Jahren gegründete Firma hat diese Marktnische als eine der Ersten erkannt – lange noch bevor andere auf diesen Zug aufgesprungen sind. «Laut vorsichtigen Schätzungen der WHO entgehen der Pharmabranche jährlich weltweit rund 40 Mrd Dollar als Folge von gefälschten Produkten. Die Organisation schätzt, dass mittlerweile jedes zehnte verkaufte Arzneimittel eine Fälschung ist. Das ist längst nicht mehr nur ein Phänomen in den Entwicklungsländern. Betroffen ist zunehmend auch die hoch industrialisierte Welt», sagt Stefan Kuhn, CEO von K+D.

Beispiele gibt es tagtäglich irgendwo, etwa ein vergifteter Hustensirup in Bangladesch, an dem 400 Menschen starben, Antibaby-tabletten oder Viagrapillen, die nur Placebos sind, oder HIV-Therapiemittel, die umgepackt wurden, weil ihr Verfalldatum abgelaufen war. Ebenfalls weit oben auf der Hitparade der beschlagnahmten Medikamente stehen Fälschungen von Cholesterinsenkern, Oesteoporosemitteln und Medikamenten gegen Bluthochdruck. Die von der EU diesen Mai konfiszierten Produkte stammten laut EU-Kommissar Laszlo Kovacs mehrheitlich aus der Schweiz, Indien und den Emiraten.

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Besonders grosse Gefahr droht insbesondere auch von Generika, welche als teure Originale angeboten werden. Gemäss der bereits erwähnten WTO-Studie nimmt die Bedeutung der offiziellen Vertriebska-näle tendenziell ab. Dazu gehören vor allem Grossisten, Apotheken, Drogerien, die Ärzteschaft und die Spitäler.

Das von K+D entwickelte Verfahren ist zwar kompliziert, lässt sich aber trotzdem mit einfachen Worten erklären: Die Verpackung des Arzneimittels hat Merkmale, die darauf hinweisen, dass es sich um ein Original handelt. Neben solchen sichtbaren Elementen gibt es aber auch die Möglichkeit unsichtbarer Erkennungsmerkmale wie etwa Farbcodes. «Je nach Kundenbedürfnissen werden spezielle Sicherheits-und Kontrolllösungen entwickelt», ergänzt Kuhn. Natürlich gibt er nicht den Clou seiner Geschäftsgeheimnisse preis. Nur so viel sei verraten: K+D verwendet «abgespeckte» Software-Tools aus der Banknotenherstellung. Dazu zählen etwa Hologramme und Prägungen, aber genauso die unsichtbaren Zeichen. Mehr will er nicht sagen. Das bleibt ein wohl gehütetes Geschäftsgeheimnis.

In den modernen Produktionsräumen fallen erst die freundliche Atmosphäre und die Farbgebung auf. Die Beschäftigten arbeiten in lichtdurchfluteten, grosszügig konzipierten Büros, die nach modernsten logistischen Erkenntnissen eingerichtet sind. Kuhn erklärt: «Genauso wichtig für unsere Wettbewerbsschlagkraft sind für uns die Good Manufacturing Practices, GMP, die – unter anderem – Risikoanalysen, ein Zonierungskonzept oder peinlichste Reinlichkeit verlangen.»

Gewachsen ist K+D auch durch Zukäufe. 2004 wurde die Firma E. Suter in Liebefeld übernommen, heute ein Filialstandort. 2006 erwarb K+D das Verpackungsgeschäft von Huber in Frauenfeld. Das Investitionsvolumen in den letzten fünf Jahren macht immerhin 30 Mio Fr. aus. Diese Ausgaben entfielen laut Kuhn auf Infrastrukturprojekte und Akquisitionen.

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Konsumenten sind ausgeliefert

Letztlich dienen all diese Bemühungen dem Konsumenten. Er ist Fälschungen schutzlos ausgeliefert. Längst werden nicht nur rezeptpflichtige Arzneimittel gefälscht und umgepackt, sondern auch OTC (over the counter), die ohne Rezept erhältlich sind. Das ist besonders fatal, da der Konsument Fälschungen nicht erkennen kann. Richard Arnold vom Weltverband der Pharmaindustrie (IFPMA) bringt es auf den Punkt: «Wenn jemand sagt, in seinem Land gebe es keine Schwierigkeiten mit Arzneimittelfälschungen, wurde dies einfach noch nicht bemerkt.»