US-GELDPOLITIK.

Dem Dollar scheinen selbst die Götter nicht mehr gewogen. Als die Amerikaner vergangenen Donnerstag an Thanksgiving dem Allmächtigen für die Ernte dankten, machte der Kurszerfall der einst unumstrittenen globalen Leitwährung keinen Halt. Mittlerweile ist ein Dollar für 1.1022 Franken zu haben und das Währungspaar Euro/Dollar notiert bei 1.4836 – beides sind Rekordtiefstwerte.

Strukturell spricht nichts gegen einen weiteren Dollar-Sturzflug, haben die Amerikaner doch ein immenses Zwillingsdefizit angehäuft: Befinden sich sowohl Leistungs- als auch Haushaltsbilanz einer Volkswirtschaft im Minus, leidet in der Regel die Währung. Auch aus zyklischer Sicht droht Ungemach, schürt die Hypothekarkrise inzwischen sogar Rezessionsängste. In diesem Umfeld ist zu erwarten, dass die Fed am 11. Dezember erneut die Zinsen senken wird, was den Dollar für ausländische Anleger noch unattraktiver machen würde.Mittelfristig kann dennoch von einem Comeback des Greenback ausgegangen werden. Denn Fed-Chef Ben Bernanke wird sich davor hüten, die Zinssätze drastisch zu senken: Einerseits, weil er immer noch Inflationsgefahren wittert. Zum anderen muss die Verschuldung der öffentlichen Haushalte finanziert werden, und Treasury-Bills – Schuldverpflichtungen des amerikanischen Staates mit einer kurzfristigen Laufzeit von drei bis zwölf Monaten – mit tiefem Coupon sind nun mal nicht gefragt.

Argumentation entscheidet

Sobald die Krise am Hypothekenmarkt einigermassen überstanden sein wird, dürfte das Board um Bernanke sein geldpolitisches Instrumentarium daher ausnützen, um den Dollar stark zu machen. Ein immer beliebteres Mittel ist dabei auch die verbale Kommunikation. «Bernanke könnte beispielsweise versichern, dass die langfristige Inflationsaussicht ein wichtiger Punkt der Fed-Politik ist», erklärt Thomas Flury, Devisenanalyst bei der UBS. Unterstützung könnte der Dollar sogar von sich selber erhalten, da seine gegenwärtige Aussenschwäche die US-Exporte ankurbelt. Offen ist hingegen, wann der Dollar in eine Aufwärtsbewegung einschwenkt. Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnet zwar 2008 mit einer Erholung der US-Währung. «Kurzfristig fehlen aber noch klare Signale dafür, dass sich der Dollar-Verfall bereits im Endstadium befindet», schreibt Sartoris im aktuellen Devisenkompass der Bank. Morgan Stanley sieht hingegen den Sturzflug des Dollar gegenüber dem Euro bei einem Wechselkurs von 1,51 als beendet. Die US-Bank schätzt das Währungspaar Euro/Dollar auf Ende 2008 bei einem Kurs von 1.35. Etwas optimistischer für den Greenback zeigt sich die UBS. Für Thomas Flury ist der Tiefpunkt des Dollar bereits erreicht. Er geht für Ende 2008 von einem Euro/Dollar-Wechselkurs von 1.30 aus. Flury nennt die Verlangsamung der US-Konjunktur als Hauptgrund für den nächstjährigen «Dollar-Spurt». Zum einen werde die Spannung aus dem Devisenmarkt genommen. «Amerikanische Anleger werden ihre Carry Trades auflösen und Dollar repatriieren», erläutert Flury. Anderseits schwinde durch die Konjunkturverlangsamung die Konsumfreude der Amerikaner. «Dadurch schmilzt das Leistungsbilanzdefizit, was ebenfalls Druck vom Dollar nimmt», zeigt sich der Währungsfachmann überzeugt. Auch gegenüber dem Franken soll der Dollar steigen – Flury prognostiziert bis Ende 2008 einen Wechselkurs von 1.20.

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Franken hängt stärker am Euro

Für die Schweizer Konjunktur und die Aktienmärkte hätte keines der möglichen Szenarien – ob Comeback des Greenback oder weiterer Kurszerfall – gravierende Auswirkungen. Denn über 60% der eidgenössischen Exporte gehen in die EU und nur rund 10% in die USA. Die Entwicklung des Euro ist daher weitaus wichtiger für die Eidgenossenschaft. «Tendenziell werden die Schweizer Firmen kleinere Gewinne schreiben», sagt dazu Maximilian Münch. Laut dem Analysten der UBS für den Schweizer Aktienmarkt ist dies aber weniger auf die Entwicklung des Dollar zurückzuführen, als vielmehr auf die erwartete Abschwächung des Euro gegenüber dem Franken. Auch global und insbesondere in Asien operierende Unternehmen brauchen Dollar-Turbulenzen nicht sonderlich zu fürchten. «Weltweit wird nicht mehr so stark in Dollar gerechnet», sagt Münch.