Seit Financier Martin Ebner im April mit seinem Antrag auf eine neue Zusammensetzung des Verwaltungsrates durchgekommen ist, herrscht bei der Handykette Mobilezone das grosse Rätselraten: Was will Ebner erreichen? Und warum hat er mit Firmengründer Ruedi Baer einen früheren Weggefährten kaltgestellt, der in zwei Jahren ohnehin zurückgetreten wäre? Ebner will sich zu Mobilezone nicht im Detail äussern.

Strategiefindung in vollem Gang

Nach Informationen der «Handelszeitung» wird das Unternehmen derzeit durchleuchtet. Dies haben der neue Verwaltungsrat und das Management beschlossen. Liegen die Ergebnisse vor, soll eine neue Strategie eingeschlagen werden - oder auch nicht. Mit Resultaten ist im Spätsommer zu rechnen. Mobilezone-Chef Martin Lehmann bestätigt: «Nach der GV liegt es auf der Hand, dass das Gremium in der neuen Zusammensetzung die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung definiert hat, dazu gehört auch die Überprüfung der Strategie.» Zu den angepeilten Zielen gehöre es, die Position als «unabhängiger Verkäufer von mobilen Endgeräten und den dazugehörigen Dienstleistungen im Privatsegment weiter auszubauen, sowie der Aufbau der gleichen Aktivitäten im Geschäftskundensegment». Die Handykette, welche im vergangenen Jahr rund 318 Mio Fr. umsetzte und einen Konzerngewinn von knapp 23 Mio Fr. erzielte, ist im Bereich Mobil- und Festnetztelefonie tätig.

Umstrittene Rolle in Sachen Scor

Schlagzeilen machte Ebner auch bei der Übernahme des Versicherers Converium durch die französische Scor. Nachdem Scor im Frühjahr 2007 ein öffentliches Übernahmeangebot für den Schweizer Rückversicherer gemacht hatte, erliess die Übernahmekommission (UEK) eine Empfehlung. Sie stellte fest, dass Ebner mit der von ihm kontrollierten BZ Bank und der Patinex AG in Absprache mit dem französischen Unternehmen handle. Scor passte ihr Angebot darauf entsprechend der UEK-Empfehlung an. Nachdem diese im Juli 2007 auch von der Eidgenössischen Bankenkommission bestätigt worden war, gelangten Ebner und Scor ans Bundesverwaltungsgericht. Es wies ihre Beschwerde ab, liess aber offen, ob Ebner tatsächlich den Franzosen in die Hände gespielt hat.

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Weniger umstritten war Ebners Einstieg bei Helvetic Airways. Er rettete die Firma 2006 vor dem Konkurs. Heute betreibt die Fluggesellschaft vier Maschinen, von denen drei für Swiss fliegen. Im vergangenen Geschäftsjahr beförderte Helvetic Airways über 500000 Passagiere. Umsatzzahlen gibt es keine. Bislang hat Ebner 50 Mio Fr. in seine Airline investiert.