Wir wollen nicht länger nur ein Handyverkäufer sein, sondern ein echter Telekomanbieter.» Das sagt Mobilezone-Chef Martin Lehmann im Gespräch mit der «Handelszeitung». Künftig sollen Kundinnen und Kunden sämtliche Produkte und Dienstleistungen, die auf dem Markt verfügbar sind, in den Filialen der Ladenkette finden. Konkret: Ob Bluewin-TV von Swisscom, Digitales Fernsehen von Cablecom oder Breitband-Internet von Sunrise ? was auch immer die Netzbetreiber über ihre eigenen Verkaufskanäle anbieten, kann bald bei Mobilezone bezogen werden.

Die Verhandlungen mit den Lieferanten sind im Gang. Für Lehmann ist klar, dass man neben Swisscom, Sunrise, Orange und Tele2 neu mit Cablecom zusammenarbeiten werde. «Wir wollen Cablecom im Angebot haben.»

Cablecom ist für Partnerschaft

Cablecom ist für eine Partnerschaft bereit. «Wir würden es begrüssen, unsere Produkte bei Mobilezone anbieten zu können», sagt Cablecom-Kommunikationschef Hans-Peter Nehmer. Durch die Zusammenarbeit könnte der Kabelnetzbetreiber neue Zielgruppen ansprechen, die Marktpräsenz erhöhen «und unseren Kunden die digitalen Produkte präsentieren». Dazu gehören auch Promotions-bildschirme, auf denen hochauflösendes Fernsehen ? HD ? läuft. Solche Präsentations-Screens kann sich Mobilezone vorstellen. Wegen der beschränkten Fläche in den meisten der über 100 Shops, und weil die Ladenkette nach eigenem Bekunden über keine Bildschirmkompetenz verfüge, werden aber auch in Zukunft keine Fernsehgeräte in ihren Filialen erhältlich sein. Verträge für Bluewin-TV oder Cablecom-Fernsehen sollen jedoch bald bei Mobilezone abgeschlossen werden können. Bereits in wenigen Monaten will Mobilezone «neu am Markt auftreten». Neben Cablecom wird vorwiegend Sunrise von der Neuausrichtung profitieren. «Wir setzen auf den Vertrieb über diesen wichtigen Partner und sind gegenüber dem Sortimentsaubau offen», sagt Sunrise-Sprecher Dominique Reber. Nach der Schlappe beim Verkauf der Phonehaus-Filialen, bei dem Swisscom den Zuschlag erhielt, ist die Ankündigung von Mobilezone Balsam für Sunrise.
 
Das Geschäft mit Geschäftskunden soll zum starken Standbein werden

Neben Privatkunden will Mobilezone auch vermehrt KMU ansprechen. Anders als unter dem früheren CEO Ruedi Bär angekündigt, werden jetzt gezielt Unternehmen mit mehreren tausend Telefonanschlüssen angegangen und nicht nur Kleinstbetriebe. «Wir haben bereits mehrere schöne Verträge im KMU-Bereich abgeschlossen», sagt Mobilezone-Chef Martin Lehmann.

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Inzwischen traue sich sein Unternehmen «jede Firma in der Schweiz zu. Aber nur für Telekomdienstleistungen innerhalb der Landesgrenzen.» Für 2008 rechnet Lehmann mit einem Bereichsumsatz von 5 bis 10 Mio Fr. Das Wachstum sei «deutlich zweistellig». Das Geschäft sei «von Beginn weg profitabel». Entsprechend gross sind die Ambitionen von Mobilezone: «Ich sehe keinen Grund, weshalb wir im Geschäftskundenbereich nicht die gleiche Marktstellung erreichen sollten wie im Privatkundengeschäft.» Das hiesse im KMU-Segment einen Marktanteil von 30% zu erreichen.Weit weniger rosig sind Mobilezones Aussichten bei den eigenen Mobilfunkangeboten. Das sogenannte Service-Providing, also das Geschäft mit den mobilen Telefoniedienstleistungen via Postpaid (Abonnement) und Prepaid, schreibt nach wie vor rote Zahlen. Lehmann: «Wir haben den Weg zur Profitabilität hier noch nicht gefunden.» Inklusive Prepaid-Kunden nutzen bislang rund 40000 Personen die Mobilezone-Angebote. Bis Ende Jahr soll die Grenze von 50000 Kundinnen und Kunden überschritten werden.Für das gesamte Unternehmen geht Lehmann im laufenden Jahr von einem «moderaten Umsatzwachstum» aus. 2007 betrug dieser 346 Mio Fr. Die Marge soll im Vergleich zum Vorjahr verbessert werden. (mik)