In diesen Tagen wird der Entscheid der Wettbewerbskommission zur geplanten Fusion von Orange und Sunrise erwartet. Die grosse Frage lautet: Wie wird sich der Zusammenschluss auf die Wettbewerbssituation in der Schweiz auswirken?

Diese Frage ist nicht nur für die Kunden matchentscheidend, sondern auch für die Konkurrenz. Allen voran für die Cablecom, die auf der Suche nach einem neuen Partner für ein umfassendes Mobilfunkangebot ist. Gemäss Branchenkennern läuft der bestehende Vertrag zwischen Cablecom und Sunrise fürs Mobilfunkgeschäft in diesem Jahr aus. Ob ihn die neue Orange weiterführen wird, ist derzeit unklar. Vielmehr hat Swisscom-Chef Carsten Schloter der Cablecom in verschiedenen Interviews Avancen für eine Zusammenarbeit im Mobilfunk gemacht - wohl auch deshalb, um zu unterstreichen, dass der Wettbewerb spielt. Ist die Cablecom also die grosse Profiteurin der neuen Marktsituation? Nein, sagt Cablecom-Chef Eric Tveter: «Wir sind nach wie vor sehr am Mobilfunkgeschäft interessiert und mit allen möglichen Partnern im Gespräch. Derzeit haben wir aber keine Offerte vorliegen, die unseren Erwartungen entspricht, und ich bin zum heutigen Zeitpunkt nicht sicher, ob wir bis Ende April eine haben werden. Wir verhandeln aber weiter, weil wir es bevorzugen, auf dem Verhandlungsweg zu einer Lösung zu kommen, als wenn eine Behörde hier aktiv werden müsste.»

Wiederverkäufer mit Tiefpreisen

Mit den Wettbewerbshütern stehe die Cablecom «in regelmässigem Kontakt». Für Tveter ist klar, dass es künftig neue Angebote für Wiederverkäufer wie die Cablecom geben muss: «Der Wettbewerb könnte massgeblich verstärkt werden, wenn die aktuellen Marktteilnehmer Kooperationen für Mobile Virtual Network Operator (Wiederverkäufer) zu wirtschaftlich interessanten und technisch überzeugenden Bedingungen anbieten würden. So hätten zusätzliche Anbieter wie etwa Cablecom die Möglichkeit, den Konsumen-ten weitere innovative Preispläne und Dienstleistungen zu offerieren.»

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Eigenes Mobilnetz unrealistisch

Klar ist: Tveter stellt bei den Cablecom-Kunden «ein wachsendes Interesse an Festnetz- und Mobilfunkprodukten fest». In der Schweiz ein eigenes Netzwerk in der Mobiltelefonie aufzubauen, sei heute aber praktisch unmöglich. Wie sich der Wettbewerb und damit auch die Preise der neuen Orange entwickeln werde, hänge deshalb vor allem auch davon ab, «wie die Wettbewerbsbehörde den Zusammenschluss von Orange und Sunrise handhabt».

Mit ihrem bisherigen Telefonieangebot «Digital Phone» im Festnetz ist die Cablecom gemäss Tveter «sehr zufrieden». Er sagt: «Unser Basisangebot ist 40% günstiger als das bei der Swisscom und wird insbesondere als Teil unserer 3-für-2-Kombiangebote sehr geschätzt.»