Dem abgetretenen Sunrise-Chef Christoph Brand blieb ein Erfolg verwehrt: Die Einführung des iPhones der nächsten Generation. Bisher durften nur Swisscom und Orange das Kult-Handy in der Schweiz verkaufen. Gemäss Brancheninsidern kommt nun aber auch Sunrise zum Zug; eine entsprechende Ankündigung dürfte demnächst folgen.

Jubeln darf dann aber der neue Sunrise-Chef, Oliver Steil. Der sitzt bereits in seinem Büro in Zürich-Oerlikon und lässt verlauten, dass Sunrise auch unter seiner Führung die Investitionen in der Schweiz weiter ausbaue. 2009 schon waren die Investitionen um fast 40% auf über 210 Mio Fr. angestiegen. Im 1. Quartal des laufenden Jahres wurde die Quote nochmals um 29% hochgefahren.

Netzausbau erhöht Spardruck

Es ist vor allem die Entbündelung der letzten Meile im Festnetz, die sich Sunrise Millionen kosten lässt. Aber auch der weitere Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur ist teuer. Zudem steht dort der Umstieg auf die nächste Technologie-Generation an. Sunrise-Sprecherin Natasja Sommer erklärt: «Jegliche Investitionen, seien diese für den Netzausbau, weitere Verkaufsstellen oder neue Produkte, werden aus eigenen Mitteln finanziert. Investiert wird dort, wo die Kundennachfrage hoch ist. Die Höhe der Investitionen basiert auf diesen Kundenwünschen und auf der wirtschaftlichen Entwicklung in der Schweiz.»

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Diesen Ausbau gibt es nicht zum Nulltarif. Kurz vor seinem Rücktritt traf sich Christoph Brand offenbar noch mit seinen Chefs in Dänemark, um die Eckpunkte des Businessplans fürs kommende Jahr sowie die mittelfristige Strategie festzulegen. Der Tenor ist klar: Sunrise muss die Kosten senken. Schon länger munkelt man im Unternehmen, es gebe bald eine neue Sparrunde. Die Rede ist von 50 Mio Fr., die eingespart werden müssen, um die Investitionen wie geplant zu stemmen. 30 Mio Fr. sollen beim Personal gespart werden - das entspricht in etwa 80 bis 140 Stellen. Momentan beschäftigt Sunrise rund 1500 Mitarbeiter. Da im Vorfeld der angekündigten Fusion mit Orange - die nun aber Makulatur ist - viele natürliche Abgänge erfolgt sind, wird, wenn überhaupt, «nur» noch mit einem Abbau in zweistelligem Rahmen gerechnet. Sommer sagt dazu nur: «Wir verfolgen seit Jahren eine kontinuierliche Optimierung unserer Kostenbasis. Selbstverständlich nutzen wir die Fluktuation zum Stellenabbau dort, wo sie sinnvoll ist.»

Buhlen um Cablecom

Den Spardruck bei Sunrise lindern würde zweifellos eine Kooperation mit Cablecom im Mobilfunk. Doch um diesen Vertrag buhlen seit Monaten auch Swisscom und Orange. Wer den Zuschlag erhält, ist offen. Bei Orange hat man sich schon mal für den Fall aufgestellt, falls man leer ausgehen sollte: In der neuen Strategie, die Orange-Chef Thomas Sieber der Öffentlichkeit präsentierte, setzt das Unternehmen ganz auf den Mobilfunk (siehe «Nachgefragt»). Sieber erklärt gegenüber der «Handelszeitung»: «Der nun beschlossene Ausbau geht ohne Zugriff auf eine Festnetzinfrastruktur» (siehe dazu «Nachgefragt»).

Mehr als 700 Mio Fr. will Orange-Chef Sieber in den kommenden fünf Jahren in den Ausbau des Mobilfunknetzes investieren. Trotz neuen Stellen wird es bei Orange nicht ohne einen Jobabbau gehen. Ähnlich wie bei Sunrise dürfte dieser aber gemäss Sieber moderat - sprich im zweistelligen Bereich - ausfallen.

13 Anbieter aktiv

Weiter investieren wird auch die Swisscom. Sprecher Sepp Huber erklärt: «Unser Plan für Investitionen in der Schweiz 2010 bleibt bei rund 1,3 Mrd Fr.»

Drei Anbieter, die alle hohe Investitionen in ihre Infrastruktur ankündigen: Geht die Strategie von Weko-Präsident Walter Stoffel am Ende doch auf? Die Wettbewerbskommission hat die Fusion von Orange und Sunrise ja verboten in der Hoffnung, dass mit drei Anbietern mehr Wettbewerb herrscht als mit nur noch zwei. Für Swisscom-Sprecher Huber ist klar: «Herr Stoffel hat recht, wenn er auf den lebhaften Wettbewerb im Schweizer Mobilfunkmarkt hinweist. Der Mobilfunkkunde kann heute zwischen drei grossen Netzbetreibern und 13 Anbietern wählen, die gemäss dem Vergleichsdienst Comparis 98 Dienstleistungen anbieten.» Und ganz Swisscom-like kommt Huber zum Schluss: «Die Folgerung müsste deshalb auch für Herrn Stoffel sein, dass zusätzliche Regulierungen unnötig oder schädlich sind.» Auch Orange-Chef Sieber betont, dass es zwar kurzfristig durch die bestehende Konstellation mit drei Anbietern mehr Wettbewerb gebe. Aber er bleibt dabei: «Langfristig hätten die Kunden von einer fusionierten Orange/Sunrise mehr profitiert.»

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NACHGEFRAGT

Thomas Sieber, CEO Orange Schweiz

«Der Stellenabbau wird im tiefen zweistelligen Rahmen bleiben»

Orange gibt sich eine neue Unternehmensstruktur: Sechs Bereiche und regionale Kompetenzzentren tragen die Verantwortung für das Kunden- und Umsatzwachstum. Wurden Sie entmachtet?Thomas Sieber: Nein. Wir wollten wegkommen von der Zentralisierung, wie wir sie heute kennen, und näher hin zu den Kunden. Bleiben Sie CEO von Orange?

Sieber: Ein ganz klares Ja!

Der Ausbau in den Regionen ist laut Ihren Aussagen kostspielig. Was heisst das konkret?

Sieber: Wir müssen dieses Geld aus eigener Kraft erwirtschaften. Insgesamt werden wir dafür einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag investieren.

In den kommenden fünf Jahren will Orange zudem über 700 Mio Fr. in den Ausbau des Mobilfunknetzes investieren. Woher kommt dieses Geld?

Sieber: Auch dieses Geld erwirtschaften wir selbst. Doch dieser Netzausbau ist eine Voraussetzung dafür, dass wir unsere neue Strategie, mit der wir näher zu unseren Kunden gehen, umsetzen können.

Einerseits bedeutet der Ausbau in den Regionen eine Aufstockung von Personal, andererseits müssen Sie sparen. Wie sieht die Bilanz unter dem Strich aus?

Sieber: Es wird zu einem moderaten Abbau bei der Anzahl Stellen kommen. Dieser wird im tiefen zweistelligen Rahmen bleiben. Und wie gesagt: In vielen Bereichen bauen wir auch auf.

Der abtretende Sunrise-Chef Christoph Brand hat gesagt, Orange verliere derzeit Kunden.

Sieber: Ich kann diese Aussage nicht nachvollziehen. Wir sind im 1. Quartal 2010 um 4,8% gewachsen, während Swisscom und Sunrise deutlich weniger rasch zulegten.

Dennoch wollen Sie die Kundenloyalität steigern.

Sieber: Ja, es ist eine Abkehr von der Politik, die Neukunden bevorzugt. Bei Vertragsverlängerungen werden Orange-Kunden mindestens gleich attraktive Angebote erhalten wie Neukunden. Und gute Kunden können darüber hinaus mit weiteren Zusatzleistungen rechnen.

Orange baut das Video- und TV-Angebot aus eigener Kraft aus. Brauchen Sie dazu kein Festnetz?

Sieber: Nein, der nun beschlossene Ausbau geht ohne Zugriff auf eine Festnetzinfrastruktur.

Dann rechnen Sie nicht mehr damit, dass Sie sich mit der Cablecom einigen und eine Partnerschaft eingehen können?

Sieber: Die Verhandlungen laufen immer noch. Aber in erster Linie will Cablecom Zugriff auf eine Mobilfunkinfrastruktur und nicht umgekehrt wir auf ein Festnetz.

Orange wird in den nächsten Jahren massiv in die Infrastruktur in der Schweiz investieren, und auch Sunrise hat Investitionen angekündigt. Geht am Ende die Strategie von Weko-Präsident Walter Stoffel doch auf? Er hat sich durch die Nicht-Fusion mehr Wettbewerb erhofft.

Sieber: Kurzfristig mag es mehr Wettbewerb geben, aber langfristig hätten die Kunden von einer fusionierten Orange/Sunrise mehr profitiert. Hinter den nun eingeleiteten Massnahmen steht nicht die gleiche Power, wie sie das bei einer fusionierten Gesellschaft getan hätte. Das bedaure ich nach wie vor.