Die Mobilfunkanbieter wollen ihre Kunden vor Schockrechnungen in Höhe von Tausenden von Franken schützen. Ab dem 1. Juli würden die Abonnementskunden kostenlos per SMS informiert, sobald ein gewisser Rechnungsbetrag erreicht werde, teilte die Swisscom in einem Communiqué mit. Wenn eine gewisse Obergrenze erreicht werde, werde das Surfen automatisch abgestellt.

Damit könnten die Leute auch im Ausland E-Mails abrufen, Navigationsdienste nutzen oder Freunde via Facebook auf dem Laufenden halten, ohne Angst vor extrem hohen Rechnungen haben zu müssen.

200 Franken Standardlimite

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Als Standard sei die Kostenlimite bei 200 Franken eingestellt, für Jugendliche bei 100 Franken. Die Kunden können die Limite aber über Internet oder die Hotline an ihre Bedürfnisse anpassen. Dies funktioniere auch vom Ausland aus, sagte Swisscom-Sprecher Carsten Roetz auf Anfrage.

So erhielten die Abo-Kunden die Warn-SMS in Schritten von 50 Franken und wenn 70 Prozent der Kostenlimite erreicht seien. Ausnahme seien die Blackberry-Kunden, bei denen die Kostenlimite erst später in diesem Jahr eingeführt werde. Für Prepaid-Kunden solle der Dienst im Herbst aufgeschaltet werden.

Die Swisscom ist nicht das einzige Mobilfunkunternehmen, das eine Kostenlimite für das mobile Surfen im Ausland einführt. Auch Sunrise will demnächst Warn-SMS und eine Obergrenze von 300 Franken einführen, wie Sprecher Tobias Kistner auf Anfrage bekannt gab. Wer darüber hinaus weitersurfen will, muss dies per SMS bestätigen.

Orange plant ebenfalls eine Limite. Der Zeitpunkt sei allerdings noch nicht bestimmt, sagte Sprecherin Therese Wenger.

Kritik in der Schweiz, Deckel in der EU

Die hohen Handytarife im Ausland hatten immer wieder für Kritik an den Schweizer Telekomanbietern gesorgt. Insbesondere weil diese trotz diverser Preissenkungen immer noch deutlich teurer sind als in der EU, wo die Tarife seit 2007 per Gesetz gedeckelt sind.

Mit dem Aufkommen der Alleskönnerhandys hatten sich Kunden auch in den Ferien im Ausland zum E-Mailen und Internetsurfen wie zu Hause verleiten lassen und dabei die Kosten völlig unterschätzt. Bis die Höllenrechnung in Höhe von teilweise mehreren tausend Franken ins Haus flatterte.

Solche Schockrechnungen seien weniger häufig geworden, sagte Roetz. Einerseits hätten die Anbieter die Preise für die Benutzung des Handys im Ausland (sogenanntes Roaming) gesenkt. Andererseits seien die Leute auch vorsichtiger im Umgang mit ihren Handys geworden und würden bespielsweise automatische Aktualisierungsfunktionen während ihren Ferien abstellen.

Applaus

Konsumentenorganisationen begrüssten die Kostenlimiten. Diese seien eine gute Sache, sagte die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), Sara Stalder: «Das haben wir lange gefordert» in Gesprächen mit den Telekomanbietern und dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom).

Allerdings sei das Grundproblem noch nicht gelöst. Die Schweizer Roaming-Tarife seien immer noch viel zu hoch. Der Telekomregulator Comcom müsste die Tarife verfügen können, so wie es die Regulierungsbehörde Elcom in der Strombranche mache. Deshalb fordere die SKS eine Revision des Fernmeldegesetzes.

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Auch Telekomexperte Ralf Beyeler vom Internetvergleichsdienst Comparis findet die Kostenlimiten «sehr gut». Allerdings seien die Schweizer Obergrenzen relativ hoch im Vergleich zur EU, wo 50 Euro ohne Mehrwertsteuer gelten würden.

(laf/tno/sda)