Auf der Suche nach dem Mobilitätsgedanken in der Schweiz fällt die Wahl rasch auf das Verkehrshaus. Nicht umsonst pilgern Schulklassen massenweise in die Innerschweiz und die ältere Generation fühlt sich von diesem Themenpark direkt am See ebenfalls angezogen. Ein Selbstläufer war dieser museale Ort trotzdem nicht. Vor Jahren drohte der einstige Besuchermag-net schon fast in Vergessenheit zu geraten. Der Betrieb rutschte in die roten Zahlen.

Verstaubtes Image abgelegt

Erst als der quirlige Politiker Franz Steinegger, zuvor Krisen-manager bei der Expo 02, als Taktgeber in Erscheinung trat, erlebte das leicht verstaubte Verkehrshaus rechtzeitig zum 50-Jahr-Jubiläum den zweiten Frühling. Mit einem neuen Konzept hat Direktor Daniel Suter das Image vom etwas langweiligen Technikmuseum endgültig abgestreift. «Die Vergangenheit verstehen, um die Zukunft zu gestalten», ist sein Leitspruch. Der Blick ist vorwärts gerichtet. Mobilität wird interaktiv verstanden.

Unter diesem Motto war es naheliegend, dem Verkehrshaus auch als Kommunikationsplattform mehr Bedeutung einzuräumen. Zum Start der diesjährigen Jubiläumsaktivitäten öffnete ein neues Conference Center die Pforten. Bis zu 1000 Tagungsgäste können sich jetzt in den flexibel gestaltbaren Räumen aufhalten. Das Thema Mobilität steht bei den Meetings naturgemäss im Vordergrund. Der Verkehr auf Strasse und Schiene, zu Wasser und in der Luft wird in den einzelnen Hallen detailliert dargestellt.

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Ergänzt wird das Angebot durch ein Planetarium und das Imax-Filmtheater. Dazu kommt der Neuheitsfaktor. Seit diesem Sommer setzt der Strassenverkehrs-Pavillon, eingehüllt durch Fassaden mit grünen, blauen und weissen Verkehrsschildern, einen besonderen Akzent. In einer Casting-Show können sich die Besucher per Abstimmung die Präsentation ihres Lieblingsfahrzeuges wünschen. Es gibt Themeninseln zur Mobilität, die von verschiedenen Partnern finanziert wurden. Allein rund 100 Firmen mit engen Verbindungen zum Strassenverkehr haben sich in Luzern engagiert. Der Direktor verspricht sich über dieses Netzwerk eine gute Basisauslastung der Kongressräumlichkeiten.

Die zentrale Lage ist auch im Geschäft für Meetings, Incentives, Conventions & Events (MICE) ein Pluspunkt. Vier von fünf Gästen stammen aus dem Inland. «Wir sind eine Destination von nationaler Bedeutung und internationaler Ausstrahlung», sagt Daniel Suter. Der einmalige Standort in der Luzerner Seebucht, mit Sichtkontakt zu Pilatus und Rigi, hat für die ausländischen Teilnehmer einen zusätzlichen Reiz. Insgesamt setzt das Management auf eine hohe Wechselwirkung zwischen den Besuchern des Verkehrshauses und den Tagungsgästen.

In der Umbauphase hat das Verkehrshaus keinen «PR-Hype» entfacht. Mit den Ausstellungsneuheiten und dem erweiterten Kongresszentrum wird nun das Marketing forciert. Es gibt eine enge Kooperation mit Schweiz Tourismus, speziell für den Incom-ing-Bereich, und lokal mit Luzern Tourismus. Die erweiterten Kongresskapazitäten im Verkehrshaus kommen der Leuchtenstadt bei der Akquisition von grossen Veranstaltungen zugute.

In Verbindung mit dem KKL Luzern lassen sich nun auch Kongresse mit deutlich über 1000 Leuten durchführen. Die beiden Locations am Vierwaldstättersee sind via S-Bahn oder Schiff lediglich einige Fahrminuten voneinander entfernt. Hotelbetten im Vier- und Fünf-Stern-Sektor stehen in nächster Nähe genügend zur Verfügung. Überdies bietet Weggis LU zusätzlich einige 100 Zimmer an.

Inmitten der Oldtimer essen

Der Gastronomiepartner ZFV hat die Küche im Kongressneubau mit eigenen finanziellen Mitteln auf Top-Niveau gebracht. Den Tagungsorganisatoren stehen je nach Verfügbarkeit zwei Restaurants sowie weitere Bankettsäle zur Verfügung. Besonders originell sind Essen im einmaligen Museumsambiente, etwa eingerahmt von nostalgischen Zügen oder Oldtimern. Bei der Beherbergung von Seminar- und Kongressgästen arbeitet das Verkehrshaus mit ausgewählten Hotels zusammen. Im grösseren Rahmen werden diese Aufgaben von der lokalen Tourismusorganisation übernommen.

Die MICE-Aktivitäten haben im vergangenen Geschäftsjahr rund 15% des Gesamtumsatzes von 26 Mio Fr. bestritten. Mit den erweiterten Kapazitäten hofft man diesen Anteil künftig auszudehnen. Es gibt nicht nur mehr Veranstaltungsraum, auch der Innenhof des Verkehrshauses kann für besondere Anlässe, wie etwa ein Oldtimertreffen genutzt werden. Im Jubiläumsjahr finden bereits zahlreiche Events dieser Art statt, von denen sich Daniel Suter eine Langzeitwirkung erhofft.

Natürlich hat er auch Pläne, wie das meistbesuchte Museum der Schweiz noch attraktiver zu gestalten ist. Wenn 2010 die Luftfahrt ihr 100-jähriges Jubiläum feiert, wird der entsprechende Pavillon komplett modernisiert. Ein neuer Fesselballon soll dann wieder die Panoramasicht auf das Luzerner Seebecken ermöglichen, nachdem diese Attraktion infolge eines Unglücks eingestellt wurde.

Bereits in Planung ist die Erneuerung des Hans-Erni-Hauses, das ebenfalls für Tagungen benutzt wird. Wie die bisherigen Projekte werden auch die neuen Vorhaben als Public Private Partnership abgewickelt. Das Zusammengehen von Staat und Privatwirtschaft sichert nicht nur eine breiter abgestützte Finanzierung, sondern hilft ebenso bei der Auslastung der Seminarräumlichkeiten durch Unternehmen und Organisationen.