Es wird immer schlimmer. Die Umsätze der Modegeschäfte im Zürcher Sihlcity rasseln in den Keller. Mit Riesenspektakel war die Eröffnung des Zürcher Einkaufs- und Vergnügungszentrums Sihlcity am 22. März 2007 gefeiert worden. Doch bereits letztes Jahr erreichte das Shoppingcenter statt des Umsatzzieles von 300 Mio Fr. nur 245 Mio Fr. Und dieses Jahr verzeichnen mehr als zwei Drittel der 27 Modehäuser im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzminus, darunter potente Modeketten wie C&A und Charles Vögele. Sechs Modegeschäfte weisen ein Umsatzminus von 10 bis 15% aus, und bei vier Bekleidungsgeschäften brach der Umsatz zwischen April bis November im Vergleich zum Vorjahr gar um 20% ein. Diese Zahlen bestätigt die Sihlcity-Centerleitung der «Handelszeitung».

P&C erwartet 20 Prozent minus

Zu den grössten Verlierern gehört der deutsche Textilriese Peek & Cloppenburg (P&C). Mit 4300 m2 Verkaufsfläche auf drei Geschossen kann die deutsche Modekette fast als separates Warenhaus bezeichnet werden. Peek & Cloppenburg steht am Eingangstor von Sihlcity und funktioniert damit als Aushängeschild. Von hier aus wollte P&C die Schweiz erobern. Doch der Siegeszug schlug fehl.

Konfrontiert mit dem happigen Umsatzeinbruch von 20% erklärt Peek & Cloppenburg-Sprecherin Hanne Stürmann: «Die Geschäftsentwicklung des Verkaufshauses in der Sihlcity verläuft entsprechend den Erwartungen. Erfreulicherweise gibt es viele Stammkunden, die von der Sortimentsvielfalt des Verkaufshauses überzeugt sind.»

Anzeige

Der Textilriese mit Sitz in Düsseldorf betreibt in Deutschland 65 Modehäuser und 31 im Ausland. Der Umsatz des verschwiegenen Familienunternehmens wird in Deutschland auf 2,5 Mrd Euro geschätzt. Wie rot die Zahlen in der Schweiz sind, will die Sprecherin nicht verraten.

P&C hat wohl unterschätzt, wie wenig bekannt ihr Name in der Schweiz klingt. Im ersten Jahr hat sie mit einer auffälligen Werbekampagne auf sich aufmerksam gemacht. Dieses Jahr fiel der Werbeauftritt mager aus.

Die Umsätze aller 27 Modehäuser in Sihlcity zusammengezählt haben von April bis November um 7% abgenommen. Sihlcity-Centerleiter Stefan Steiner meint: «Dieser Rückgang ist eher ein Branchenproblem als ein Sihlcity-Problem.» Laut Armin Haymoz, Geschäftsführender Präsident des Branchenverbands Swiss Fashion Stores, liegt Sihlcity damit aber unter der Entwicklung des Gesamtmarktes. «Der Schweizer Bekleidungsmarkt hat bis Ende November 4 bis 5% abgenommen, wobei vor allem im Oktober und November der Markt eingebrochen ist.»

Am Beispiel Sihlcity zeigt sich also, wie fatal sich das strukturelle Überangebot von Bekleidungsgeschäften kombiniert mit der Krise auswirkt: Der Mietermix in Sihlcity ist stark textillastig. 40% aller Geschäfte sind Modeläden. Eine Miet-Kündigung in Sihlcity ist fast unmöglich. Denn die Mietverträge sind auf fünf bis zehn Jahre abgeschlossen.

Nutzniesser ist der Vermieter: Das sind fünf Anlagefonds der Credit Suisse. Sie haben 600 Mio Fr. in den Bau investiert und erhalten jährlich 46 Mio Fr. Miete. Eine überdurchschnittliche Bruttorendite von 7,6%, rechnet Thomas Hochreutener von der Marktforschung IHA-GfK vor.

Gastronomie und Hotel positiv

Da der Mietzins auch an Umsätze gekoppelt ist, wird vielleicht der eine oder andere Mieter von seinem Vertrag erlöst werden. Bisher hat erst ein einziger Mieter, ein Gastrounternehmen, das Shoppingcenter verlassen.

Trotz den negativen Zahlen der Modehäuser kann Sihlcity insgesamt nach Recherchen der «Handelszeitung» eine beträchtliche Umsatzsteigerung von rund 9% vorweisen. Gut laufen die Restaurants, aber auch das Hotel sei mit 73% Auslastung gut besetzt.