Welches Buch lesen Sie im Moment?

Sönke Bandixen: Es ist das Buch «Alles, ausser gewöhnlich» von Anja Förster und Peter Kreuz. Es hat 2007 den Wirtschaftspreis erhalten und ist wirklich lesenswert.

Lesen Sie es als Buch oder haben Sie schon einen E-Reader?

Bandixen: Ich lese Bücher noch auf Papier. Zeitungen hingegen lese ich regelmässig am Computer, etwa eine Stunde pro Tag.

Im Buchmarkt Schweiz wird heute jährlich rund 1 Mrd Fr. umgesetzt. Und in fünf Jahren?

Bandixen: Der Buchmarkt hat insgesamt eine wohl eher rückläufige Tendenz. Die Zeitungen sind dem Buchmarkt voraus, sie geraten deutlich früher und auch stärker unter Druck als der Buchmarkt. Der Trend, dass der Bezug von Informationen vermehrt über elektronische Medien stattfindet, wird auch das Lesen von Büchern früher oder später beeinflussen.

Wie gross wird der Rückgang im Buchmarkt sein?

Bandixen: Ich rechne mit einem moderaten Rückgang im einstelligen Prozentbereich.

Wie differenzieren Sie sich von internationalen Buchhandelsketten wie etwa Thalia?

Bandixen: Wir bieten drei verschiedene Formate: Mit den Orell-Füssli-Buchhandlungen sind wir ein serviceorientierter Vollsortimenter, bei dem die Kunden nicht suchen, sondern finden. Mit Restseller-Shops sind wir an gut frequentierten Lagen für den raschen Kauf um die Ecke präsent. Und mit unseren Internetshops decken wir das wachsende Segment der Online-Shopper ab.

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Für 2009 gehen Sie von einem weiterhin rezessiven Umfeld aus. Was heisst das für Orell Füssli?

Bandixen: Im Investitionsgütergeschäft sind wir den momentan drastischen Verwerfungen der globalisierten Märkte voll ausgesetzt und haben in einem Werk in Deutschland teilweise Kurzarbeit eingeführt. Besser geht es der Division Sicherheitsdruck, die konjunkturunabhängig arbeitet und momentan so etwas wie unser Fels in der Brandung ist. Auch der Buchhandel und der Verlag spüren die Rezession nicht mit voller Härte. Alles in allem sind wir gut aufgestellt.

Mit der Division Sicherheitsdruck würden Sie von der Einführung des biometrischen Passes in der Schweiz profitieren. Ist es da in Ordnung, dass Sie an die Pro-Kampagne einen Beitrag zahlen?

Bandixen: Es gilt zu klären: Für uns ist kein Zusatzauftrag in Aussicht, wenn der biometrische Pass eingeführt wird. Wir sind als langjähriger Partner des Bundes Lieferant der gedruckten Seiten des Schweizer Passes, unabhängig davon, ob im Deckel ein Chip eingebaut ist oder nicht. Wir haben die Anstrengungen der Ja-Kampagne zur Versachlichung der Diskussion um den biometrischen Pass begrüsst und auch unterstützt.

Ein gutes Resultat erwarten Sie in diesem Jahr beim Druck von Banknoten. Der Startschuss für die neuen Schweizer Noten folgt aber erst Ende dieses Jahres, oder?

Bandixen: Wir sind bereits seit drei Jahren mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt, die jetzt kurz vor dem Abschluss stehen. Wir gehen davon aus, dass wir im Verlauf des Jahres 2009 mit dem Druck der neuen Schweizer Noten beginnen können. Daneben drucken wir Noten für etwa sechs weitere Nationalbanken aus Europa und Asien.

Ihr Konzerngewinn ist 2008 nur wegen des Verkaufs des Geschäfts mit Wirtschaftsinformationen um 60,5% auf 48 Mio Fr. geklettert. Trotzdem wollen Sie die Dividende markant erhöhen. Warum?

Bandixen: Orell Füssli pflegt seit Jahren die Politik, dass rund ein Drittel des Gewinns als Dividende ausgeschüttet wird. Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung, an dieser Praxis festzuhalten, was dann zu einer um 60% erhöhten Dividende führt.

Orell Füssli ist neben dem Sicherheitsdruck und dem Buchhandel auch im Verlagsgeschäft und im Maschinenbau tätig. Was bringt Ihnen das breite Portfolio jetzt in der Krise?

Bandixen: Unsere breite Aufstellung ist momentan klar ein Vorteil. Die Geschäftsbereiche arbeiten komplett unabhängig voneinander und sind in unterschiedlichen Märkten engagiert. Rückgänge in einem Geschäftsfeld können so anderswo abgefedert werden.