Junge Modeschöpferinnen und Designer, so begabt sie sein mögen, nagen in der Schweiz zuweilen am selbst gewirkten Hun- gertuch. Gerade von der Modeschule abgegangen, findet in der Branche kaum einer und kaum eine innert nützlicher Frist einen Job.

So führt der Weg zum Designerdasein für die meisten Jungkreativen direkt in die Selbstständigkeit. Dort wartet zwar die kreative Erfüllung, allein das Geld für Miete, Material und Manna ist damit noch lange nicht eingefahren. Eine Erfahrung, die Anfangs der 90er Jahre auch Suzanna Vock machen musste, als sie, nach Ausbildung an einer Zürcher Modedesignschule, sich anschickte, den in Sachen Mode grösstenteils brachliegenden Acker Schweiz zu pflügen. «Ich wollte Kollektionen entwerfen, träumte vom eigenen Label und musste bald feststellen, dass all dies ein Ding schierer Unmöglichkeit ist.» Mit dieser Erkenntnis stand Vock nicht alleine da ­ ein Umstand, der sie letztlich auf die Idee brachte, eine Plattform ins Leben zu rufen, auf der unverbrauchte Talente ihre Kreationen einem breiten Publikum präsentieren konnten. Es war dies, 1993, die Geburtsstunde von Gwand, einer Modeschau der besonderen Art.

Aus dem damaligen Luzerner Selbshilfeprojekt ist in der Zwischenzeit ein über die Landesgrenzen hinausstrahlender Event mit beachtlicher Resonnanz seitens Publikum und Fachwelt geworden. Gwand, das nebst Modeschau auch Unternehmen ist, vermittelt Kontakte, organisiert Fremdanlässe, betreibt Model-Scouting und will dem inländischen Nachwuchs eine Türe zum internationalen Markt öffnen. Als probates Mittel hierzu hat sich unter anderem der bereits zweimal verliehene «Swiss Textiles Award» erwiesen, ein Preis, der nicht in Form von Bargeld, sondern im Sinne eines umfassenden Supports beim Aufbau des eigenen Labels vergeben wird. «Wir klären ab, wo genau der Preisträger noch Unterstützung benötigt, und lassen ihm diese gezielt zukommen», erklärt Suzanna Vock. So werden Defizite etwa beim Entwurf, bei der Präsentation oder Vermarktung ausgemerzt, wird der professionelle Auftritt von Künstler und Kollektion letztendlich manifestiert. Ein Konzept, das zu greifen scheint, hat es doch Preisträger Nummer eins, Daniel Herman, mit seinen Schnitten inzwischen auf die Catwalks der Modemetropolen und die Seiten der wichtigsten Fashionjournale geschafft.

Die diesjährige Fashion-Design-Show Gwand, die am 29./30. November in Luzern stattfindet, steht unter dem Motto «blan(c)k». Womit nicht nur auf die Farbe Weiss, sondern auch auf die finanziellen Verhältnisse des Events angespielt wird. Denn noch im Mai dieses Jahres sah alles danach aus, als ob die Veranstaltung angesichts des klaffenden Lochs in der Kasse abgeblasen werden müsste. Nichts Neues eigentlich, wie Suzanna Vock bekennt, denn mit Gwand habe man sich stets auf einem (finanziell) schmalen Grat bewegt.

Noch ein Neuanfang

In zehn Jahren ist das Budget des Gwand-Trägervereins denn von 20000 auf über 800000 Fr. angewachsen. Die Lohnkosten des inzwischen fixen Teams, auch wenn sie mit monatlich je 3000 Franken äusserst bescheiden sind, müssen garantiert, die Infrastruktur finanziert sein. Ohne fremde Unterstützung geht da nichts; «allein von der Kreativität können auch wir nicht leben», schmunzelt Vock, die festgehalten haben will, dass der Fashionplanet nur im innersten Kern aus Glimmer, Glamour und Gabbana besteht. Wer aussen vor steht, hat es als Veranstalter schwer, an finanzstarke Sponsoren zu kommen.

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Mit der Credit Suisse im Rücken liess es sich für die Gwand-Macher in den Jahren 1999 und 2000 zwar einigermassen beruhigend wirtschaften, die Zusammenarbeit allerdings wurde danach aufgekündigt ­ von ihrer Seite aus, wie Vock betont ­, habe man sich doch zunehmend als ein Produkt unter vielen gefühlt (die Grossbank tritt in der Schweiz als Sponsor auch anderer Modeevents auf). Im letzten Jahr waren die Ausgaben dank Beiträgen eines inzwischen nicht mehr sehr liquiden Sponsors gedeckt, für 2002 aber sah es, wie erwähnt, noch im Frühsommer zappenduster aus.

Licht ins Dunkel brachten neben Sponsoren wie dem Textil- und Bekleidungsverband Swiss Textiles auch die Pro Helvetia, die der Gwand damit ein gewisses Mass an kultureller Bedeutung zuspricht, sowie die Stadt Luzern, die als Austragungsort einen Unterstützungsbeitrag über 200 000 Franken gesprochen hat ­ und dies, gemäss eigenen Angaben, auch im nächsten Jahr tun will. Insofern kann das Motto «blan(c)k» wohl auch mit den Attributen sauber, unverbraucht und frisch gleichgesetzt werden. Denn für die Initiantin der grössten Fashion-Design-Show der Schweiz ist die Gwand Ausgabe 02 nebst Talentepromotion vor allem eines: ein Neuanfang.

Albert Kriemler

Akris

Geschichte Akris wurde 1922 gegründet. Die Grossmutter der heutigen Firmeninhaber, Alice Kriemler-Schoch, begann eine Schürzenproduktion. Sohn Max übernahm 1944 die Firma und machte Akris zu einer bekannten Prêt-à-Porter-Marke. 1980 trat Albert Kriemler in die Firma ein und übernahm rasch die kreative Verantwortung, für die er heute verantwortlich zeichnet. 1987 folgte ihm sein Bruder Peter, der die Produktionsplanung verantwortet.

Firmenprofil Akris betreibt 500 Verkaufsstellen und eigene Boutiquen in Deutschland, Frankreich, Monaco, den USA, Korea und Japan. Im Mai 1999 wurde die Firma Mitglied der Fédération Fran™aise de la Couture du Prêt-à-Porter und beschäftigt 380 Mitarbeiter.

Design Zurückhaltende Eleganz, klare Linien und Modernität sind die Merkmale des Labels. «Elegante Kollektionen aus wertvollen Stoffen entwerfen, deren Luxus man fühlt, aber nicht sieht», ist das Erfolgsrezept des Akris-Designers Albert Kriemler und Hermès genannt.

Ausrichtung Weiterer Ausbau der weltweiten Distribution. Eröffnung des New Yorker Geschäftes auf der Madison Avenue im 2003. (bw)

Reiner Pichler

Strellson

Geschichte Das Unternehmen wurde 1984 von den Gründern der Hugo Boss AG, Uwe und Jochen Holy gegründet. Diese schieden 1993 aus der Hugo Boss GmbH aus und widmeten sich fortan der Strellson AG in Kreuzlingen.

Firmenprofil Strellson ist der grösste Schweizer Herrenmodeausstatter. Die Produktpalette umfasst neben der Konfektion (Anzüge, Hosen, Sakkos, Mäntel und Jacken) auch Hemden, Sportswear, Accessoires, Schuhe und Unterwäsche. 87% der Produkte werden ins Ausland exportiert ­ Strellson ist in 29 Ländern vertreten. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 400 Mitarbeiter, 110 davon in Kreuzlingen .

Design Die Kollektion zeichnet sich durch den internationalen Stil aus, der auf den jungen, gepflegten Geschäftsmann zielt. Entworfen werden die Modelle von acht Designern, die pro Saison vier Programme kreieren.

Ausrichtung Die Kollektion hat eine moderne, junge Aussage über alle Produktgruppen hinweg. Ziel von Strellson ist es, «die Chefs von morgen zu erreichen». In diesem Sinne treiben die Kreuzlinger den Ausbau ihres Shop-in-Shop-Konzeptes weltweit aus. (bw)

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Manuel Baumgartner

Tide

Geschichte 1995 startete Manuel Baumgartner sein Unternehmen in der eigenen Wohnung mit 20 000 Fr. Eigenkapital. Heute setzt sein Betrieb jährlich 6 Mio Fr. um, beschäftigt sechs Personen und verfügt über ein EU-Warenlager. Er schreibt schwarze Zahlen ­ seit je. Und Fremdkapital hat er nie be-nötigt.

Firmenprofil Tide vertreibt Streetwear. Hauptabnehmer sind Modeboutiquen mit einer jungen Kundschaft. Auch Manor gehört dazu. 30% der Kleider gehen nach Deutschland und Österreich. Hauptsitz ist Küsnacht. Hier befinden sich auch Verkaufsbüro, Designatelier und Warenlager.

Design «Wir machen Streetwear und nicht Laufstegproduktionen», sagt er. Trendige Klamotten für Junge statt exaltierten Designprodukte für ein gehobenes Publikum. Maskuline Hosen für junge Frauen sind sein Erfolgsschlager. Die Kleider werden in Norditalien von Familienbetrieben produziert.

Ausrichtung Am Produkt Streetwear will Tide festhalten. Auch an der Flexibilität des Kleinunternehmens ­ da die Kleidergeschäfte ihre Kollektionen immer schneller wechseln. (gh)

Thomas Huwiler

Teddy's

Geschichte Gegründet 1974 von Theodore Attias, vertrieb das Unternehmen Five-Pocket Jeans und erweiterte das Sortiment um Oberteile. Zur Nachfolgeregelung wurde Teddy's 2001 an die Beteiligungsgesellschaft Madison Private Equity Holding AG verkauft. Firmenchef ist Thomas Huwiler (Bild).

Firmenprofil Seit der Gründung arbeitet Teddy's Hand in Hand mit grossen Retailern (Kaufhäuser, Jeans Stores, Versandhäuser, Boutiquen). Heute zählt die Marke in der Schweiz im Young-Fashion-Denimbereich zu den führenden in ihrem Segment und produziert im Jahr 3,5 Mio Teile.

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Design Teddy's ist stolz darauf, dass alle Modelle von Modedesignern aus dem In- und Ausland ausschliesslich im Lausanner Stammhaus kreiert werden.

Ausrichtung In der kommenden Saison möchte das Lausanner Unternehmen seinen Brand ausbauen. Die Kollektionen werden zusätzlich zu den erfolgreichen Denim-Programmen durch Damen- und Herrenmode aus dem Nicht-Denim-Bereich ergänzt. Dadurch reagiert man schneller auf Modeströmungen. Mit dem neuen Konzept wird Teddy's nach Deutschland expandieren. (bw)

Laurin Fäh

Big Star

Geschichte Gegründet 1974 von den Basler Brüdern Edwin, Laurin und Walter Fäh. Acht Jahre später existierten 20 Verkaufsstellen, als Inhaber verblieben die Zwillingsbrüder Edwin und Laurin Fäh. In den 90er Jahren trudelte das Unternehmen, Ende 90er verliess auch Gründer Laurin Fäh die Firma, kehrte aber 2001 als CEO wieder zurück .

Profil Die Big Star Holding AG produziert in Tunesien und Tschechien und verkauft in der Schweiz, nach Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Im vergangen Jahr resultierten ein Umsatz von 108 Mio Fr. und ein Ebit von 5,7 Mio, im ersten Halbjahr 2002 reduzierte sich der Umsatz auf 67,6 Mio und der Gewinn auf 0,3 Mio Fr.

Design Die Firma hat auf klassisches Jeans-Design gesetzt, in den letzten Jahren aber kräftig bei der Denim-Welle im Trendsektor mitgemischt. Eine Gruppe von internationalen Designern zeichnet im Hauptquartier in Weil am Rhein für das Design verantwortlich.

Ausrichtung Auch in Zukunft bleibt Big Star bei seiner Kernkompetenz Denim. Die Geschäftsleitung verbessert die Kostenstrukturen, um flexibel auf Marktbedürfnisse reagieren zu können.(bw)

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