Etliche der neuesten Möbeldesigns sehen aus, als seien sie den Salons und Herrenzimmern unserer Gross- oder Urgrosseltern entlehnt. Es scheint so, nicht nur was ihre Dimensionen und Typen angeht, sondern auch manche Materialien. Es gibt Sideboards und Vitrinen, die wertvollen Hausrat und Kunstwerke ausstellen und ins rechte Licht rücken. Die Interieurs sind streng klassisch und ma-nieristisch arrangiert: Symmetrisch, zwei Stühle links, zwei rechts, am Kopfende der Armlehnstuhl. Über dem Tisch schwebt ein opulenter Kronleuchter, alles ist exakt axial auf einen Kamin oder ein Bild ausgerichtet. Doch so bieder wie es sich jetzt anhört, geht es bei diesem neuen Einrichtungstrend nicht zu.

Viele Materialien und Oberflächen sind alles andere als «biedermeierlich» oder zurückhaltend. Zwar gibt es auch edle dunkle Hölzer wie Mahagoni oder Nussbaum, klassisch poliert und manchmal auch mit Intarsien versehen. Aber die absoluten Akzente setzen andere Materialien: Hochglanzlack, Spiegel, Glas, Metall und allerlei Werkstoffe, auf ungewöhnlichste Weise oberflächenbehandelt und miteinander kombiniert.
Gut, prunkvolle und «neureiche» Möbelstücke gab es immer schon auf den Möbelmessen dieser Welt zu sehen und besonders in Mailand, wo beileibe nicht nur das edle, moderne Design zu Hause ist. Hier stellen seit Jahren viele Hersteller aus, die mit teuren Sonderbarkeiten in Middle East und anderswo wunderbare Geschäfte machen. Was sich heute auf den Messen zeigt und eines der Trendthemen ist, hat eine andere Qualität. Die Zeit scheint reif zu sein für Glanz und Glamour. Für bestimmte Konsumentengruppen fungiert Luxus heute als Beruhigungspille gegen die Unbillen unserer Welt. Die Politik versagt, viele Probleme sind nur noch global zu lösen, den westlichen Gesellschaften geht die bürgerliche Mitte und damit das Gleichgewicht verloren. Neue Eliten formieren sich und zeigen ihre Zugehörigkeit auf konträre Art. Trends formieren sich immer aus der Gesellschaft heraus: Die einen suchen ihr Heil in immateriellen Werten und legen Understatement als ihren Qualitätsmassstab an. Sie frönen dem Luxus der Zurückhaltung. Mit ihren differenzierten Ansprüchen ist aber so schnell kein Geschäft zu machen.
Die trüben Zukunftsaussichten treiben andere Lifestyle-Gruppen in den Genuss. Man will es sich gut gehen lassen und zeigt stolz, das man zu den Gewinnern gehört. Die Medien propagieren heute doch, dass Glanz und Glamour zum Lifestyle dazugehören. Hollywood lässt grüssen. Die grosse Inszenierung ist angesagt. Geradezu wie auf dem Laufsteg tänzelt die funkelnde Vitrine eines eigentlich eher konservativen österreichischen Möbelherstellers namens Neue Wiener Werkstätten daher. Das schlicht-elegante Design wurde mit 40000 Swarovski-Kristallen veredelt. Zum Luxus gehört Story Telling: 400 Stunden wurde daran gearbeitet, jedes Loch einzeln gebohrt, natürlich ist es Sonderedition
Traditionell beherrschen die Italiener den grossen Auftritt und vermögen Dramen optimal in Szene zu setzen. Das beweisen jetzt etliche Möbelkollektionen, die auf den Messen imposante Luxus-Interieurs zelebrieren. Sie spielen mit Licht und Schatten, mit Mattem und mit Glanz. Das reiche Spektrum der Möbelmaterialien hat das italienische Unternehmen Bisazza noch getoppt: Feine Möbel tragen jetzt eine Haut aus glänzendem Mosaik. Formen und Dessinierungen sind meist klassischen Stilen entlehnt. Mit gelungenen Kunstgriffen werden sie perfekt in die Jetztzeit übersetzt und entsprechen dem aktuellen Glamour-Trend damit aufs Vortrefflichste.

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Nachgefragt: «Der Wunsch nach einer neuen Welt»

Rossella Bisazza, Tochter des Gründers und External Relations Manager der Firma Bisazza SpA, Alte di Montecchio (Vicenza), Italien.

Seit wann sehen Sie den Trend hin zu Luxus, Glanz und Glamour in der Inneneinrichtung?

Rossella Bisazza: Schon seit einigen Jahren hat man den «minimalen», schlichten Stil zugunsten eines auffälligeren, prachtvollen Stils aufgegeben.

Woher kommt für Sie die derzeitige Lust an Glanz und Glamour?

Bisazza: Der Wunsch nach Veränderung, die Lust auf eine neue Welt.

Halten Sie das nur für eine kurzlebige Mode?

Bisazza: Die Produktion und die Präsenz des Goldes in unseren Kollektionen geht auf die 1950er Jahre zurück, als unsere Firma gegründet wurde. Die Produktion von Goldmosaik, heute noch handwerklich realisiert, hat in den letzten Jahren enorm zugenommen.

Sie zeigen jetzt erstmals Möbel mit Mosaik. Wie ist die Resonanz?

Bisazza: Die Kollektion Home war eine Herausforderung, das heisst: Das Mosaik aus den klassischen Orten (Bad und Küche) in die anderen Räume des Wohnens zu «exportieren», indem wir Möbel und Einrichtungsgegenstände mit Mosaiksteinchen belegen. Das Feedback von allen Märkten ist sehr positiv, und wir freuen uns besonders darüber, da die Möbel mit Glasmosaik die Werte der Bisazza-Welt besonders gut ausdrücken.

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www.bisazza.com
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Name: Bisazza SpA, Alte di Montecchio (Vicenza)
Gründung: 1956
Leitung: Piero Bisazza
Umsatz 2005: 100,4 Mio Euro
Beschäftigte: 1096
Produkte: Glasmosaik und Glaskiesplatten