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Möbelkette Ikea reagiert auf Pferdefleisch-Skandal

Ikea nimmt die Fleischkugeln aus dem Sortiment - vorerst. (Bild: Keystone)

Ikea zieht die Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal: Das schwedische Möbelhaus nimmt in mehreren Länden ihre «Köttbullar» aus dem Sortiment.

Veröffentlicht am 26.02.2013

Der Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch trifft die Möbelkette Ikea hart: In insgesamt 24 Ländern haben die Schweden ihre populären «Köttbullar» vorerst aus Shops und Schnellrestaurants der Möbelhäuser verbannt.

Vorausgegangen war ein Bericht aus Tschechien über Spuren von Pferdefleisch in den Ikea-Klopsen. In Europa nicht vom Stopp betroffen sind Norwegen, die Schweiz und Russland. Ausserhalb Europas hat Ikea seine Klösse auch in Thailand, Hongkong sowie der Dominikanischen Republik aus dem Verkehr gezogen. Ikea-Sprecherin Ylva Magnusson sagte, ihr Unternehmen wolle bis Donnerstag genauere Testergebnisse aus einem unabhängigen Labor zu der aus Tschechien beanstandeten Lieferung veröffentlichen.

Das schwedische Unternehmen Dafgård in Lidköping, das Ikea in den meisten europäischen Ländern mit «Köttbullar» beliefert, teilte mit, bei eigenen Tests sei bisher kein Pferdefleisch entdeckt worden. «Bei 320 in den letzten drei Wochen durchgeführten Tests hat es keine Spuren von Pferdefleisch gegeben», sagte Ulf Dafgård. In allen Schweizer Ikea-Filialen wird ausschliesslich inländisches Rind- und Schweinefleisch verwendet - sowohl in den Restaurants als auch tiefgekühlt zum Mitnehmen, wie Ikea-Sprecherin Virgina Bertschinger der Nachrichtenagentur sda sagte.

Unabhängig von den mutmasslichen Pferdefleisch-Spuren in den Ikea-Klopsen gelangten in der Tschechischen Republik wahrscheinlich mehrere Tonnen falsch deklariertes Fleisch an die Konsumenten. Das staatliche Veterinäramt in Prag wurde von Kollegen in Irland auf zwei verdächtige Lieferungen aufmerksam gemacht. «Es sollte sich um gekühltes Rindfleisch handeln, war aber in Wirklichkeit Pferdefleisch», sagte Behördensprecher Josef Duben der Nachrichtenagentur dpa. Insgesamt 10 Tonnen der Ware wurden Ende Januar und Anfang Februar nach Tschechien geliefert.

«Unsere Mitarbeiter gehen dem nach, aber beide Lieferungen sind bereits weiterverarbeitet und verzehrt worden», sagte Duben. Weder Handel noch Konsumenten hätten Verdacht geschöpft. «Die Betrüger konnten sich darauf verlassen, dass Laien den Unterschied praktisch kaum feststellen können», erklärte Duben. Die Behörde sucht nun nach etwaigen Essensresten, um den Verdacht doch noch in einer Laboruntersuchung erhärten zu können.

In Frankreich wurde in weiteren Fertiggerichten Pferdefleisch entdeckt. Das zur spanischen Ebro-Gruppe gehörende Unternehmen Panzani musste deswegen Ravioli vom Markt nehmen. Die Herstellerfirma William Saurin sei von einem Zulieferer betrogen worden, teilte Panzani mit. Bei der Suche nach falsch deklarierten Eiern aus Freiland- und Bio-Haltung gab die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Oldenburg etwa 50 Fälle in andere Bundesländer ab. In welchem Umfang dort ermittelt wurde oder werde, sei ihr aber nicht bekannt, sagte Oberstaatsanwältin Frauke Wilken.

Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie von Bio-Betrieben sollen unter Verstössen gegen Vorschriften zur Hühnerhaltung in den Handel gelangt sein. «Wir ermitteln wegen des Verdachts des Betrugs und Verstosses gegen das Futtermittelgesetzbuch», sagte Wilken. Die ersten Verdachtsfälle gehen auf 2011 zurück. In Niedersachsen werden etwa 150 Fälle untersucht. «Es geht ausschliesslich um Überbelegung», betonte Wilken. Wenn zum Beispiel zu viele Hühner für Freilandeier auf einer Fläche gehalten werden, dürften die Eier nicht mehr mit der entsprechenden Kennzeichnung verkauft werden.

(muv/sda)

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