Neuer Ärger für den Bankenplatz Deutschland: Die teilverstaatlichte Commerzbank braucht wegen ihrer Tochter Eurohypo nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's möglicherweise wieder finanzielle Hilfe von Aussen.

Die Ratingagentur Moody's stellte ihre kurz- und mittelfristige Bewertung der Zahlungsfähigkeit des teilverstaatlichten Geldinstituts auf den Prüfstand. Bisher haben die langfristigen Schulden der Commerzbank bei Moody's die Note «A2» und die kurzfristigen «Prime2». Die Moody's-Experten begründeten die Überprüfung mit der unsicheren Zukunft der Immobilienfinanzierungstochter Eurohypo.

Der Eurohypo trauen die Moody's-Analysten derzeit kein eigenständiges Überleben zu. Die Note für die Finanzkraft der Eurohypo sei von «D-» auf «E+» gesenkt worden, teilte Moody's mit. Aus diesem Grund wurde auch die Einschätzung für die Commerzbank von «C-» auf »D+» gesenkt. Die beiden Banken sind damit weiter abgerutscht und die Eurohypo befindet sich jetzt am unteren Rand der Skala von «A» bis «E».

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Wie viel Kapital hat die Commerzbank noch?

Finanzinstitute mit der Note «E» haben nach Einschätzung der mächtigen Ratingagentur Moody's eine sehr schwach ausgeprägte eigene Finanzkraft, die regelmässige externe Unterstützung erforderlich macht oder erwarten lässt. Der Handlungsspielraum entsprechend bewerteter Institute könne durch eine eingeschränkte Geschäftsstruktur, durch mangelhafte Finanzdaten oder ein hochgradig unberechenbares und hochgradig instabiles operatives Umfeld eingeschränkt sein.

Banken mit der Note «D», wie sie die Commerzbank jetzt hat, attestiert Moody's eine schwach ausgeprägte Finanzkraft. Hier sei es eventuell erforderlich, gelegentlich externe Unterstützung in Anspruch zu machen.

Commerzbank versucht Tochter zu halten

Derweil versucht die Commerzbank einem Medienbericht zufolge um den Verkauf der Problemtochter Eurohype herumzukommen. So woll die Commerzbank einen kleinen Teil des grössten deutschen Staats- und Immobilienfinanzierers eingliedern und den Rest abwickeln. Das schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» ohne Nennung von Quellen. Für die weitgehende Abwicklung des Instituts mit rund 200 Milliarden Euro Bilanzsumme plane die Commerzbank keinen Rückgriff auf neue Staatshilfe. Dennoch muss der Plan von der EU-Kommission genehmigt werden, da die Bank die Eurohypo wegen der 2008/2009 erhaltenen Kapitalspritzen des Staates eigentlich bis Ende 2014 abspalten muss.

Inzwischen soll die Commerzbank laut dem Medienbericht die Verhandlungen mit der Kommission aufgenommen haben. Diese Gespräche könnte aber lange andauern. Die Commerzbank selbst hält die Eurohypo derzeit für nahezu unverkäuflich und hat zuletzt auch wegen der immensen Probleme der Tochter das Neugeschäft dort eingestellt. Dennoch klafft bei der Eurohypo der grösste Teil der Commerzbank-Kapitallücke von insgesamt 5,3 Milliarden Euro. Aus diesem Grund hatte die Bank im Dezember mit der Bundesregierung über eine Abspaltung der Eurohypo verhandelt. Dies stiess jedoch aus starken politischen Widerstand und ist jetzt offenbar vom Tisch.

(muv/vst/awp)