Die grossen Rückversicherer wie Münchener Rück und Swiss Re geraten nach Auffassung der Ratingagentur Moody's zunehmend unter Druck. Die Bonitätsexperten sehen die Aussichten für die Branche in den nächsten 12 bis 18 Monaten nicht mehr als «stabil», sondern als «negativ», wie Moody's am Mittwoch mitteilte. Es kämen mehrere Faktoren zusammen: ein Überangebot an Rückversicherungs-Kapazität, neue Konkurrenz durch grosse Kapitalanleger, die niedrigen Zinsen und eine grössere Verhandlungsmacht der Versicherer, die sich bei den Rückversicherern gegen Grossschäden absichern.

Die Rückversicherer entwickelten zwar unterschiedliche Verteidigungsstrategien, um wettbewerbsfähig zu bleiben, doch diese seien allenfalls dazu angetan, die Bonität zu halten, erklärte Moody's. «Wir glauben, dass jene Rückversicherer mit den Herausforderungen der Branche am besten fertig werden, die bereits gezeigt haben, dass sie für ihre Kunden strategisch wichtig sind», sagte der Autor der Moody's-Studie, Levin Lee.

Billige Konkurrenz macht den Grossen zu schaffen

Wie Ende der 1990er Jahre sei zu viel Kapital verfügbar, die Prämien gingen um mehr als zehn Prozent zurück, und der Branche werde eine Konsolidierung vorausgesagt, erklärte Lee. Anders als damals bräuchten die Erstversicherer heute aber weniger Rückversicherungsschutz, weil sie ihr Kapital wegen der verschärften Regulierung effizienter einsetzten. Und vor allem in der Katastrophen-Deckung, die in vielen Jahren über das Wohl und Wehe der Rückversicherer entscheide, sei eine «Billig-Konkurrenz» entstanden, die traditionellen Anbietern in immer mehr Bereichen das Wasser abgrabe.

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(reuters/gku/me)